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The Long Boom

The Long Boom – ist die Geschichte einer Vision für das 21. Jahrhundert. Nach dem Motto: Alles wird gut. Hightech und hohe Wachstumsraten spielen darin eine zentrale Rolle. Die gesamte Zivilisation bewegt sich wie mit einem Aufzug nach oben, Richtung Wohlstand, und da fahren die Armen eben auch ein-zwei Stockwerke mit. Die Dematerialisierung spielt im Long Boom eine zentrale Rolle. Ein Dreigestirn aus Informationstechnik, Wasserstoff und Nanotechnologie bereitet den Weg für eine supersaubere Produktion. Die Grenzen des Wachstums sind bereits überwunden. Im Gegenteil: Je mehr Wachstum, desto besser für die Umwelt! Ressourcenprobleme ade!  

Eine Vision in die falsche Richtung und was man daraus lernen kann

Eine Idee der Vision erschien erstmals 1997 im amerikanischen Technik-Magazin „Wired“, 1999 gab es dann das Buch dazu. Aber der Traum hielt nicht lange vor. Bereits im Frühjahr 2000 platzte die Dot-Com-Blase an den internationalen Börsen.

The Long Boom erscheint heute wie ein Märchen. Und man könnte es getrost vergessen, wenn darin nicht eine ganze Reihe Lehren enthalten wären. Vielleicht die wichtigste: Die Globalisierung muss gemanagt werden! Das fordert auch Claude Fussler, der Direktor des Weltwirtschaftsrats für Nachhaltige Entwicklung. The Long Boom – dahinter steht die Idee der liberalen Globalisierung. Sie vertraut auf den Prickel-Down-Effekt, dass nämlich die Ärmsten der Armen nicht nur die Brosamen vom Tisch der Reichen bekommen, sondern selber erheblich vom Wachstum profitieren – auch das hat sich mittlerweile als falsch erwiesen. Im Gegenteil!

Allerdings, Fussler ist der Ansicht, dass so etwas wie ein Long Boom tatsächlich gebraucht wird, damit die Entwicklungsländer aufholen können – das wäre freilich ein ganz anderer Boom.

The Long Boom ist das Produkt einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort: der Blütezeit des Silicon Valley. Trotz des furiosen Scheiterns sind genug Ideen in der Asche des Crash, die möglicherweise in völlig anderer Weise wieder aufleben und für eine nachhaltige Wirtschaft fruchtbar sein können. Das ist die Überzeugung von John Elkington.

Der Autor des Long Boom ist nicht irgendwer. Es ist Peter Schwartz, der Kopf des Global Business Network (GBN), einem weltweit agierenden Consulting-Unternehmen mit 70 Mitarbeitern. Die Referenzliste von GBN geht von A bis Z . Darin findet sich alles, was in der globalen Industrie Rang und Namen hat. Peter Schwartz ist kein Spinner. Er hat die wichtigste Denkform der modernen Zukunftsforschung mitentwickelt, die Szenario-Technik; das war bereits in den 80ern, in den Think-Tanks von Shell. Mittlerweile gehört sie zum Allgemeingut jedes Managers.

The Long Boom war durchaus mutig gedacht. Interessant, wie Peter Schwartz mittlerweile auf der Homepage von GBN sein eigenes Scheitern erklärt. Noch interessanter vielleicht, wie er die USA in der Ära des George Bush sieht: als „rogue superpower“, eine Schurken-Supermacht. Die die internationalen Institutionen, wie sie für die Globalisierung gebraucht werden, nicht etwa fördert, sondern einreißt.