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Peak Oil Update - Eine Ölstandsmeldung

Am 7.11.2007 markieren die Rohölpreise  den bisherigen historischen Höchststand: 98,07 US $ pro Barrel (bbl), rund 159 Liter. Zeichen des bevorstehenden Gipfels der weltweiten Ölförderung oder eine Spekulationsblase? Viele Blasen sind schon zerplatzt, die der „New Economy“ 2001, die besonders die Aktien von Technologiefirmen in den Keller katapultiert hat. Oder die der Immobilienpreise in den USA, die derzeit zu Eruptionen im Bankenwesen auf dem ganzen Globus führt. Wie also ist die Faktenlage? Was sagen die Ölunternehmen, was die staatlichen Rohstoffexperten oder freien Peak Oil-Forscher? Was sind die Indizien wofür?

Wie entsteht Erdöl?

Es gibt zwei Theorien. Im Großen und Ganzen anerkannt ist die biotische Theorie. Meeresplankton stirbt ab, sinkt laufend zu Boden, bildet im Laufe von Jahrmillionen dicke Schichten. Sie werden durch Sedimente zugedeckt und gelangen durch geologische Prozesse in tiefere Erdschichten. Wenn bestimmte Druck- und Temperaturbedingungen herrschen, wandeln sich die toten Organismen in Erdöl um. Da Erdöl leichter als Wasser ist, beginnt das fein im Gestein verteilte Öl langsam nach oben zu steigen. Um eine Ölquelle zu bilden, sind nun zwei Bedingungen notwendig. Die feinsten Öltröpfchen müssen in ein Gestein mit vielen Poren gelangen, in dem das Öl gespeichert wird. Genauso wichtig: Über diesem Erdölspeichergestein muss ein für Öl undurchlässiges Gestein liegen, das das Öl wie in einer Falle gefangen hält.

Die zweite Theorie, die abiotische Theorie, hat weitaus weniger Anhänger. Sie geht davon aus, dass Öl durch in den Tiefen der Erdkruste lebende Bakterien entstanden ist und auch laufend weiter entsteht und nicht unbedingt an spezielle geologische Formationen gebunden ist.
 

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Wie kommt Öl in der Natur vor?

Rohöl in seiner flüssigen Form ist den Ölunternehmen am liebsten. Man kann dieses „konventionelle“ Öl einfach pumpen, sowohl aus dem Boden als auch in der Pipeline oder zum Tanker. Schwieriger wird es schon beim „unkonventionellen“ Öl: Entweder ist es besonders zähflüssiges Öl, das beispielsweise mit heißem Wasser oder Dampf ans Tageslicht geholt werden muss. Oder es wird in riesigen Tagebauen - ähnlich der Braunkohletagebaue - aus Ölschiefern und Ölsanden gewonnen. Prinzipiell haben solche Gesteine den erdgeschichtlichen Weg zum Erdöl noch nicht vollständig zurückgelegt. Diese Erdölbildung muss großtechnisch nachgeholt werden. Unter hohen Drücken und Temperaturen um 500 °C und somit viel Energie wird das Öl aus dem Gestein herausgeholt und zu synthetischem Rohöl verarbeitet.  

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Wie lange haben wir noch Öl?

Immer wieder wird insbesondere von der Öl- und Automobilindustrie berichtet, die Welt habe seit Jahrzehnten immer für rund 30-40 Jahre Öl, bezogen auf den jeweiligen Jahresverbrauch. Diese „statische Reichweite“ spiegelt nur einen Teil der Wahrheit. Es kommt nämlich nicht so sehr darauf an, wieviel Öl noch in den Speichergesteinen der Welt enthalten ist, sondern in welchem Maß es herausgepumpt werden kann.

Wenn die Nachfrage nach Öl schneller steigt, als die Fördermenge, steigt der Preis, da Öl auf dem Weltmarkt ein knappes Gut wird. Mit einem steigenden Ölpreis, so die Theorie der Ökonomen, wird es rentabel, Ölfelder zu erschließen, die zu geringeren Preisen unerschlossen bleiben mussten. Die Vorräte steigen und damit auch wieder die statische Reichweite von Öl. Eine Voraussetzung bleibt meist ungenannt: Es muss überhaupt noch Öl zu entdecken sein.

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Wo wird Öl überhaupt noch gefunden?

Eines hat sich in den letzten Dekaden gründlich verändert: Fast auf der gesamten Erdoberfläche sind die Gegenden bekannt, an denen die Voraussetzungen für Ölquellen vorliegen: Erdöl Muttergestein, -speichergestein und ein dichtes Deckgestein, und alles in der richtigen Tiefe. Die Erde ist weitgehend ausexploriert, wie die Geologen und Geophysiker sagen. Egal, wie hoch der Ölpreis steigt: Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt noch größere Ölfelder zu finden, sinkt.

Wenn noch etwas zu finden ist, wird es meist offshore gefunden, so wie unlängst vor Brasilien. Dort wurde die Entdeckung des Ölfeldes Tupi 250 km vor der Atlantikküste euphorisch gefeiert, ein Beitritt in die OPEC (link) wird erwogen. 5-8 Gigabarrel (Gbbl) Öl sollen dort enthalten sein. Bei einer Welt-Tagesproduktion von rund 84 Megabarrel (Mbbl) reicht das Feld gerade einmal, um die aktuelle Tagesproduktion für 100 Tage aufrecht zu erhalten. Außerdem liegt das Öl in mehr als 7.000m Tiefe. Der Atlantik ist dort 2.140m tief, weitere 5.000m müssen durch Gestein gebohrt werden. Auf dem Boden des Ozeans müssen unter einem gewaltigen Druck von mehr als 200 kg/cm² Fördereinrichtungen installiert werden. Kein einfacher Job, dagegen ist die Förderung von Nordseeöl fast ein Kinderspiel. Dabei hat dieses neu entdeckte Feld gerade einmal 5-10% der Größe von Ghawar in Saudi Arabien.

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Warnsignale aus Saudi-Arabien

Ghawar als größtes Ölfeld der Welt fördert derzeit noch rund 5 Mio. bbl/Tag, was etwa 6% der Weltproduktion entspricht. Schaut man auf die Fördergeschichte von Ghawar fallen zwei Dinge auf:

1. Die Förderung aus diesem 1948 entdeckten Ölfeld scheint seit 1997 langsam zurückzugehen. Die Gesamtförderung in Saudi Arabien hat 2005 ebenfalls ein lokales Maximum erreicht, 2006 lag sie bereits unter dem Vorjahreswert.

2. Die Anzahl der Bohrtürme in Saudi Arabien ist seit 2004 geradezu explodiert. Wurden bis 2004 seit Jahrzehnten zwischen 10 und 20 Bohrtürme gezählt, ist die Anzahl mittlerweile auf beinahe 60 gestiegen.

Ganz offensichtlich ist es nicht mehr so einfach, dem Boden das Öl zu entlocken. Immer neue Bohrtürme müssen her, um den Rückgang der Ölförderung aufzuhalten. Neue Quellen müssen gesucht, erkundet und erbohrt werden. Dort, wo das Öl bis vor ein paar Jahren beinahe von selbst aus dem Untergrund fließen konnte, muss nun kräftig nachgeholfen werden.

Es scheint sicher zu sein, dass zumindest in Saudi Arabien der Ölhahn nicht mehr einfach ein Stück weiter aufgedreht werden kann. So König Abdullah von Saudi-Arabien: "Der Ölboom ist vorbei und wird nicht zurückkehren. Wir müssen uns alle an einen anderne Lebensstil gewöhnen."  

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US Geologischer Dienst: Es gibt noch lange genug Öl

Der US Geological Survey  versorgt die US amerikanische Regierung mit Informationen über den Stand der Dinge in Sachen Rohstoffe. In seinem Bericht „An Evaluation of the USGS World Petroleum Assessment 2000 “ wird berichtet, dass im Zeitraum zwischen 1996 und 2003 69 Gbbl Rohöl neu entdeckt wurden, also rund 10 Gbbl pro Jahr. Im gleichen Zeitraum wurden die vorhandenen Reserven neu bewertet: Der USGS geht davon aus, dass aus vorhandenen Ölfeldern durch verbesserte Fördertechnik mehr Öl herausgeholt werden kann. Dieses Reservenwachstum beträgt 171 Gbbl in 7 Jahren, d.h. 24,4 Gbbl. pro Jahr. Insgesamt sind daher nach Ansicht des USGS die Reserven im Zeitraum zwischen 1997 und 2003 um 34 Gbbl pro Jahr angewachsen, bei einer jährlichen Förderung von rund 31 Gbbl ist also alles im grünen Bereich. Bei näherer Analyse ist die Berechnung des künftigen Wachstums der Reserven zumindest fragwürdig:

Zunächst wird festgestellt, wie groß die Reserven eines Ölfeldes mit einer hohen 95 % Wahrscheinlichkeit sind. Dieser Wert ist daher eher konservativ. Ein zweiter Wert beziffert die 5 % Wahrscheinlichkeit der Reserve. Dieser Wert ist höchst spekulativ. Die vom USGS für ein Feld in die Öl-Reservestatistik übernommene Wert ergibt sich einfach aus einem Mittelwert aus der konservativen und der höchst spekulativen Abschätzung. Diese Berechnungen haben in der Vergangenheit auch bei der Entwicklung der Energieszenarien der Internationalen Energieagentur  eine entscheidende Rolle gespielt.

Inwieweit diese Vorgehensweise der Lebenswirklichkeit entspricht, mag dahingestellt bleiben. In jedem Fall sorgt sie für eine beruhigende Statistik, die radikale Maßnahmen zur Verbrauchssenkung überflüssig erscheinen lassen.

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