faktor-x.info wird seit Dezember 2011 nicht mehr gepflegt und steht nur noch als Archiv im Internet.

Aktuelle Informationen finden Sie im Lexikon der Nachhaltigkeit - www.nachhaltigkeit.info

HomeSitemapDrucken

Ressourcen im 21. Jahrhundert -
Studien des Millennium Projects

Die Menschheit hat seit dem Zweiten Weltkrieg mehr Ressourcen verbraucht als in ihrer gesamten Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt. Ein zu ressourcenintensives und deshalb langfristig nicht aufrecht zu erhaltendes Wirtschaftswachstum ist eines der dringendsten Probleme unserer Zeit und eine ernsthafte Gefahr für das Überleben der Menschheit. Das ist die Überzeugung von Jerome C. Glenn, Direktor des Millennium Projects, einer internationalen Denkfabrik in Washington D.C.

Das Millennium Project des American Council for the United Nations University ist eines der anspruchsvollsten und größten Zukunfts-Projekte weltweit. Mehr als 1000 Menschen in allen Kontinenten sind darin eingebunden. Das Projekt arbeitet mit Knotenpunkten in mehr als 20 Ländern. Als Leitfaden dienen dem Millennium Project 15 Global Challenges. Leitidee ist die Nachhaltigkeit, ökonomisch, ökologisch, sozial und kulturell.

Der gesicherte Zugang im 21. Jahrhundert zu Wasser, zu Lebensmitteln und Energie, ist ein Schwerpunkt in den Challenges des Millennium Projects. Die folgende Darstellung orientiert sich am jüngsten Bericht des Millennium Projects "State of the Future 2004", mit Ergänzungen von Lester Brown (Earth Policy Institute). Der gesamte Bericht, der hier nicht wiedergegeben werden kann, gibt interessante Hinweise auf die Interdependenz des Ressourcen-Themas mit anderen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

Wasser

Ohne grundlegende politische Veränderungen werden im Jahr 2050 zwei Milliarden Menschen in Wasser-Notstandsgebieten leben. Etwa 40 Prozent der Menschen wohnen bereits heute in einer der 260 Regionen weltweit, wo mehr als zwei Nationen die gleichen grenzüberschreitenden Wasserreservoirs nutzen. Bei steigendem Wasserbedarf wächst das Konfliktpotenzial. Ohne ein massives Gegensteuern wird es innerhalb einer Generation aufgrund von Unterversorgung mit Wasser zu massenhaften Migrationen kommen – mit allen nur denkbaren Auswirkungen auf die Sicherheitslage. Mit anderen Worten: Kriege drohen.

Privatunternehmen haben das Potenzial seit langem erkannt und wollen aus der sich verschärfenden Wasserknappheit Profit schlagen. Sie sichern sich die Wasserquellen von morgen.

Die Lage: Heute bereits haben 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 2,4 Milliarden Menschen verfügen über keinerlei medizinische Versorgung. 80 Prozent der Krankheiten in Entwicklungsländern entstehen im Zusammenhang mit Wasser: sei es durch verschmutztes Trinkwasser oder durch unzureichende oder gar fehlende Abwasserbehandlung.

Auf das Konto der Landwirtschaft gehen 70 Prozent des globalen Süßwasserverbrauchs. Auf allen Kontinenten fallen die Grundwasserpegel. Gleichzeitig aber, rechnet die FAO vor, wird der Wasserbedarf der Landwirtschaft bis zum Jahr 2030 um 60 Prozent steigen, um weitere zwei Milliarden Menschen ernähren zu können.

Die Herausforderungen sind enorm. Effizienzmaßnahmen stehen an erster Stelle. „Wir müssen mehr Nahrungsmittel mit weniger Wasser produzieren“, heißt es in 2004 State of the Future. Konkret: Regengespeiste Landwirtschaft  muss verbessert werden, terrassenförmiger Anbau trägt dazu bei, dass weniger Wasser ungenutzt wieder abfließt (s. O-Ton); effiziente Bewässerungstechniken, beispielsweise Tropfenbewässerung ist notwendig; teilweise kann eine Verteuerung des Wassers zu einem sinnvolleren Verbrauch beitragen, außerdem gilt es, resistente Pflanzen zu entwickeln und anzubauen.
Rund 38 Prozent der Afrikaner haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser oder zu Sanitäranlagen. Die wirtschaftliche Entwicklung des Sudans und von Äthiopien ist abhängig vom Nilwasser. Ohne ein vorausschauendes Wassermanagement sind Konflikte in dieser Region unvermeidbar.

In Asien sind die Zahlen in Bezug auf den sicheren Zugang zu Trinkwasser (nur zwei von drei Asiaten) und zu Sanitäranlagen (nur jeder zweite) nicht besser. Etwa 400 chinesische Städte sind derzeit von Wassermangel bedroht. In China gibt es bereits heute massenhafte Migration, einfach, weil die Menschen kein Wasser mehr haben. Selbst in einem Best-Case-Szenario wird sich die Situation über die nächsten zehn Jahre noch verschärfen. In Indien bahnt sich eine ähnliche Situation an.     

TOP


Nahrungsmittel

Die gegenwärtige Weltbevölkerung von 6,4 Milliarden wird bis zum Jahr 2050 vermutlich auf 8,9 Milliarden wachsen; 98 Prozent des Wachstums werden in den armen Ländern erwartet. Diese zusätzlichen zweieinhalb Milliarden Menschen benötigen Nahrungsmittel.

Auch qualitativ höherwertige. Die Nachfrage nach tierischen Eiweißen wird in dem Maße steigen, wie sich in den Schwellenländern eine Mittelklasse herausbildet. Auch sie wird sich in der Nahrungskette weiter nach oben bewegen. Auch sie will Hamburger, Steaks und Fisch essen. Das Millennium Project sieht langsfristig nur eine Chance, wenn massive Investitionen in gentechnisch optimierte Lebensmittel und Aquafarming fließen.

Lester Brown geht in seinem neuen Buch Outgrowing the Earth davon aus, dass Chinas Kauf von acht Millionen Tonnen Weizen auf dem Weltmarkt einen Wendepunkt markiert: von einer Ära des Getreideüberschusses hin zu einer globalen Knappheit.

Die gesamte Welt muss ein vitales Interesse daran haben, dass China seine landwirtschaftliche Ressourcen-Basis stabilisiert. Elementar in diesem Zusammenhang ist auch die Wasser-Situation. Die nördliche Hälfte Chinas trocknet buchstäblich aus. Die Bedrohung durch neue Wüsten ist für Außenstehende kaum vorstellbar. China darf nicht dem Japan-Syndrom, wie es Lester Brown nennt, anheim fallen.

Das Japan-Syndrom beschreibt die typische Entwicklung eines sich industrialisierenden Landes. Mit zunehmender Wertschöpfung steigt die Nachfrage nach Getreide – gleichzeitig geht die Eigenproduktion zurück: Landwirtschaftliche Fläche wird für neue Produktionsstätten genutzt; mit der Zunahme des Individualverkehrs wird mehr Fläche für Straßen und Parkraum benötigt; Industriearbeit bringt Geld, Arbeit in der Landwirtschaft dagegen wird immer schlechter bezahlt. In den 50er Jahren konnte Japan sich noch selber ernähren, heute importiert es 70 Prozent seiner Lebensmittel. Taiwan und Südkorea haben bereits ähnliche Entwicklungen durchlaufen.

Nur: Wenn China sich auf den selben Weg begeben würde – die Ressourcenbasis des Planeten wäre überfordert.

Dies alles vor dem Hintergrund weltweit fallender Grundwasserspiegel und höherer Durchschnittstemperaturen, wodurch die Nahrungsmittelproduktion insgesamt geschwächt wird. 

TOP


Energie

Heute benötigt die Produktion einer Einheit des Bruttosozialproduktes in Industrienationen 33 Prozent weniger Energie als im Jahr 1973. Und trotzdem, der Weltenergieverbrauch wird von 2001 bis 2025 schätzungsweise um rund 50 Prozent steigen.

Insgesamt ist die Versorgung einer wachsenden und sich entwickelnden Weltbevölkerung eine Herausforderung erster Güte. Ohne massive politische Unterstützung der erneuerbaren Energien wird ihr Anteil an der gesamten Energieproduktion im Jahr 2025 nur etwa zehn Prozent betragen. Öl wird – noch immer – mit 40 Prozent die Hauptlast tragen. Bei gleich bleibenden Trends wird die Welt über die kommenden 60 Jahre noch einmal die doppelte Menge fossiler Brennstoffe konsumieren wie während der vergangenen 60 Jahre.
Die sich entwickelnden Länder werden um das Jahr 2015 herum die Industrieländer in der Emission von Kohlendioxid einholen und überholen, wenn auch mit deutlich geringerem Pro-Kopf-Verbrauch.

Sollten keine entscheidenden Fortschritte darin gemacht werden, Kohlendioxid technisch abzuscheiden – und damit unschädlich zu machen –, könnte die Umweltbewegung versuchen, die gesamte Öl-, Gas- und Kohleindustrie zu stoppen, ähnlich wie sie den Ausbau der Atomenergie behindert hat. Das Millennium Project mit seiner Langfrist-Orientierung bringt eine weitere Technologie in die Diskussion: den kabellosen Energietransport, ähnlich der netzunabhängigen Informationsübermittlung, z.B. per Handy. Japan und Kanada arbeiten daran. Satelliten, die im Orbit Solarenergie produzieren und sie auf die Erdoberfläche senden sind durchaus denkbar.

Das Millennium Project schlägt vor, dass die Politik „ausreichend saubere Energie“ zu einem ihrer wichtigsten Ziele macht. Eine Welt-Energie-Organisation wäre von Vorteil.

TOP


15 Global Challenges

Die Leitlinien des Millennium Projects sind in 15 Challenges niedergelegt, sozusagen das Programm. Diskussionsbeiträge und Antworten finden sich in den jährlich erscheinenden Reports. Nicht zufällig stehen Ressourcenfragen weit oben auf der Agenda (2, 3, 13), andere Punkte spielen direkt oder indirekt hinein (1, 5, 7, 14, 15).

1. Wie kann nachhaltige Entwicklung für alle erreicht werden?

2. Wie kann jeder ausreichend sauberes Wasser erhalten, ohne Konflikte?

3. Wie können Bevölkerungswachstum und Ressourcenverbrauch in Balance gebracht werden?

4. Wie können autoritäre Regime wirkliche Demokratien werden?

5. Wie kann die Politik aufgeschlossener werden in Bezug auf eine globale Langzeitperspektive?

6. Wie kann das globale Zusammenlaufen von Informations- und Kommunikationstechnologie nützlich werden für jeden?

7. Wie können ethisch orientierte Marktwirtschaften gefördert werden, um die Kluft zwischen Arm und Reich zu mindern?

8. Wie kann die Bedrohung durch neue und durch wieder aufbrechende Krankheiten sowie durch immunisierte Mikroorganismen reduziert werden?

9. Wie kann die Qualität der Entscheidungsfindung verbessert werden, während sich gleichzeitig die Natur der Arbeit wie auch die der Institutionen verändern?

10. Wie können gemeinsame Werte und neue Sicherheitsstrategien dazu beitragen, ethnische Konflikte, Terrorismus und den Einsatz von Massenvernichtungswaffen zu mindern?

11. Wie kann die veränderte Rolle der Frauen die Lage der Menschheit verbessern helfen?

12. Wie können transnationale Verbrecherorganisationen daran gehindert werden, sich zu noch mächtigeren und effizienten Unternehmen zu entwickeln?

13. Wie kann man der wachsenden Nachfrage nach Energie auf eine sichere und effiziente Weise begegnen?

14. Wie können wissenschaftliche und technologische Durchbrüche dahingehend beschleunigt werden, dass sie die Lage der Menschheit insgesamt verbessern?

15. Wie können ethische Erwägungen routinemäßig stärker in globale Entscheidungen einfließen?

TOP


Originaltöne J.C. Glenn

Wassereffizienz

Get Flash to see this player.

Wassermangel und Migration

Get Flash to see this player.

Zukunft der Energie

Get Flash to see this player.