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Japans Low Carbon Society

Während sich die Klimaverhandlungen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll mehr als zäh gestalten, haben japanische Wissenschaftler ihre Hausaufgaben in Sachen CO2-Reduzierung bereits erledigt. Zumindest theoretisch. In einer Studie zeigen sie Wege auf, wie die japanische Gesellschaft bis 2050 ihre Kohlendioxidemission um 70 Prozent zurückfahren kann (gemessen am 1990er Level). Das entspricht in der Größenordnung fast den Forderungen der Klimawissenschaft. Der Ansatz ist damit nicht nur konsequent, sondern auch mutig. Er zeigt, dass ein radikaler Umbau der Industriegesellschaft nicht nur denkbar, sondern auch machbar ist.

Die Japan Scenarios towards Low-Carbon Society (LCS)  (englische Fassung 2007) setzen vor allem auf Technik, auf Organisation und Logistik. Die Wissenschaftler kommen dabei auf überraschend ambitionierte Reduktionsziele: Für den Personenverkehr planen sie bis 2050 einen um rund 80 Prozent geringeren CO2-Ausstoß und im Güterverkehr immerhin 60 bis 70 Prozent weniger. Die Studie entwickelt zwei sehr unterschiedliche Szenarien: eines mit sehr dicht besiedelten, urbanen Räumen, das andere setzt eher auf eine dezentrale Raumordnung und ländliche Formen von Leben, Arbeiten und Produzieren.

Politische Instrumente werden in dem Papier kaum thematisiert. Das Wort Ökosteuer sucht man vergebens – wie es in Japan bis dato auch keine Ökosteuer gibt. Charakteristisch für den japanischen Diskurs ist auch die intensive Abstimmung von Wissenschaft, staatlichen Organisationen und Wirtschaft. Durchaus verbunden mit einem pragmatischen Interesse, die exportorientierte Wirtschaft des Landes zu stärken. Dies erläutert Professor Raimund Bleischwitz, ein langjähriger Kenner der japanischen Diskussion, im Interview.

Bleischwitz kommt aus der Wuppertal-Schule, sein wissenschaftlicher Hintergrund liegt eher im Bereich der Ressourcenproduktivität und der Stoffstromanalyse. Aus dieser Perspektive ergibt sich ergibt sich ein besonderer Blick auf die Studie zur Low-Carbon Society. Dabei wird klar, eine engagierte Klimapolitik muss vor allem die energieintensiven industriellen Prozesse ins Auge fassen. Zugleich wird sie die Frage nach den Inputs und nach den Massen, wie sie bewegt, erzeugt und konsumiert werden, verstärkt in den Fokus nehmen.