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Die Grenzen des Wachstums -
Plädoyer für einen besseren Lebensstil

Die Grenzen des Wachstums, das einzige Buch, das die Grundlagen und Grundzüge des systemischen Denkens in Zukunftsszenarien setzt. Mögliche Wege, die die Menschheit wählen kann. Die langfristige Tragfähigkeit der Erde steht auf dem Programm. Im Juni 2004 in Englisch erschienen mit aktuellen Daten, neuen Indices (ecological footprint, human welfare index) und letzten Entwicklungen. Eine Lern- und Lehrhilfe. Jetzt, im Juni 2006, bei Hirzel die deutsche Übersetzung.

Wie 1972 und 1992: ein tief engagierter Aufruf zum Verstehen und zum Handeln. Seit den späten 70er Jahren verlangen wir der Erde mehr ab, als sie uns geben oder von uns nehmen kann. Die Leistungsfähigkeit des Planeten ist überschritten. Die Szenarien zeigen: Wir brauchen unverzüglich die 3. große Revolution in der Geschichte der Menschheit. Eine Revolution zur Nachhaltigkeit mit absolut drastischen materiellen und strukturellen Veränderungen.
Die Uhr tickt...

Hintergrund

1972 landete ein Team junger Wissenschaftler vom Massachussetts Institute of Technology (MIT) unter der Leitung von Dennis Meadows einen Jahrhunderterfolg. Donella Meadows, eines der 17 Teammitglieder, hatte die Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Club of Rome unter dem Titel Limits to Growth (Grenzen des Wachstums) zusammengefasst. Das Buch wurde millionenfach verkauft und in 30 Sprachen übersetzt. Es ging um die Zukunftsfragen der Menschheit, man sprach von „world problematique“. Das Team brach ein Tabu: die heilige Kuh mit Namen Wachstum wurde in Frage gestellt. So groß der publizistische Erfolg des Buches auch war – Wachstum ist bis heute das Zauberwort, mit dem elementare Probleme wie die Massenarbeitslosigkeit oder die Gerechtigkeitslücke zwischen Arm und Reich gelöst werden sollen. Bald nach Erscheinen der Grenzen des Wachstums legte sich die Aufregung wieder.

Nun stellt sich heraus: The Limits to Growth  ist ein Langzeitprojekt. Nach dem zweiten Band (1992) ist soeben auf Deutsch der dritte Band erschienen: "Grenzen des Wachstums. Das 30-Jahre-Update". Die Fragen, die das Buch 1972 bereits aufwarf, sind bis heute unbeantwortet geblieben. Eine verlorene Zeit, sagen die Autoren, und verweisen auf ihre Computeranalysen. Die Rezeptionsgeschichte von "Grenzen des Wachstums" ist für Dennis Meadows eine Geschichte des Nicht-Verstehens (siehe Originaltöne oben).  

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Einsichten

"Grenzen des Wachstums. Das 30-Jahre-Update" verweist auf die Analysen von Mathis Wackernagel  u.a., wonach die Gesamtbelastungen für den Planeten Erde seine Tragfähigkeit längst überschritten haben. Derweil läuft die Aufholjagd in den Entwicklungs- und Schwellenländern in rasantem Tempo.

„Die globale Herausforderung“, heißt es im Buch, “kann man einfach zusammenfassen: Um eine Entwicklung tragfähig zu gestalten, muss die Menschheit das Konsumniveau der Armen dieser Welt anheben, gleichzeitig aber den ökologischen Fußabdruck der Menschheit insgesamt senken. Dazu braucht es technologischen Fortschritt, personelle Veränderungen und längere Planungshorizonte.“

Die Autoren haben Hunderte von Computerläufen durchgeführt. Zehn sind im neuen Buch beschrieben. Ein Ergebnis: Technologische Entwicklung, sprich: Dematerialisierung, verschafft zwar Zeit für weitere Entwicklung, aber sie alleine kann einen Niedergang nicht vermeiden. Entscheidend wird sein, was im Original „changing feedback structures“ heißt: Dass Signale, die auf eine Überlastung hindeuten, auch tatsächlich zu veränderten Rahmenbedingungen, z.B. der Märkte führen.

Beispiel: Seit Jahren stagniert die Menge der Fischfänge weltweit. Fängt man mehr Fische als nachwachsen können, schrumpft die Basis. Man lebt sozusagen nicht mehr von den Zinsen, sondern vom Kapital. Ein plötzliches Wegbrechen der Fischbestände, wie schon mehrfach geschehen, wird immer wahrscheinlicher. In den vergangenen Jahren ist als Konsequenz die Fischzucht geradezu explodiert. Nach Ansicht der Autoren ein ernsthaftes Problem: Wilde Fische sind eine Nahrungsquelle, gezüchtete Fische eine Nahrungssenke. Wilde Fische fressen Pflanzen und Tiere, die Menschen in der Regel nicht essen wollen, während Zuchtfische mit Agrarprodukten hochgepäppelt werden. Veränderte Rahmenbedingungen hieße in diesem Fall: Den biologischen Stress, dem die Meere ausgesetzt sind, nicht noch durch zusätzlichen Druck auf die agrarische Nahrungsmittelproduktion zu verschärfen, sondern beide senken. Die Herausforderung hier an uns heißt: Systemdenken anstatt selektive Wahrnehmung. Interaktion aller Teile im Gesamtsystem sehen, Wirkungsmechanismen und Dynamik erkennnen.

Den ersten sechs Szenarien in "Grenzen des Wachstums" ist gemein, dass sie früher oder später in einen unkontrollierbaren Niedergang der Produktion von Industriegütern und Nahrungsmitteln münden sowie in einen Rückgang der individuellen Lebenserwartung. Nach einer Jahrzehnte andauernden Talfahrt pendelt sich dann das System Erde allmählich auf einem sehr viel niedrigeren Niveau wieder ein.

Die Lehren aus den ersten sechs Szenarien sind unerbittlich: So ernst „nachhaltiges Wirtschaften“ im heutigen Sinn auch genommen wird, an den Strukturen des Systems ändert sich nichts: Die weltweite Orientierung am materiellen Wachstum treibt die verhängnisvollen Rückkopplungsschleifen an, die letztlich den Niedergang einleiten.

Daher werden in den weiteren Szenarien von den Autoren grundlegende Strukturen geändert: Eine andere Politik, eine andere Ethik, andere gesellschaftliche Werte, freiwillige Geburtenbeschränkung und Produktionsbegrenzung. Doch auch diese Szenarien führen noch nicht zum Gleichgewicht. Sondern erst die Kombination aller vorherigen einzelnen Varianten: Technik, Dematerialisierung, freiwillige Begrenzung materiellen Wohlstandes, Geburtenkontrolle.

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Grundlagen

Das Phaszinosum bei Erscheinen des Buchs 1972 war sein Computermodell: eine Maschine, die einen Blick in die Zukunft gewährt! Mit ihrer Systemanalyse haben die Autoren Maßstäbe gesetzt. Aber auch Computer kennen die Zukunft nicht.

Noch immer basiert Limits to Growth auf dem selben Rechenmodell, World3, selbstverständlich mit aktuellen Datensätzen und zusätzlichen Indikatoren bestückt; immer noch lauten die fünf entscheidenden Parameter: Ressourcen, Bevölkerung, Nahrungsmittelproduktion, industrielle Produktion und Verschmutzung. Das Modell ist immer wieder kritisiert worden: Weil es keine Differenzierung in einzelne Erdteile vornimmt, weil es keine Kriege, keine Terrorakte, im Blick hat usw. Die Autoren halten dagegen: World3 ist wie eine Landkarte, Karten und Landschaften sind aber zweierlei. Es kommt darauf an, das Wesentliche abzubilden.

Oft sind die Entwicklungen in globalen Zusammenhängen sehr langfristig, die Folgen treten dann schlagartig und unerwartet zu Tage; meist sind die Wechselwirkungen auch so komplex, dass sie sich dem linearen Denken des Alltagsbewusstseins entziehen. Wir laufen immer wieder Gefahr in die typischen unsystemischen Denkfallen zu rennen. Hier liegen die Stärken des Computers: Er kann mehrere Entwicklungen zugleich erfassen und die Dynamik abbilden.

Die Grundeinsichten der Grenzen des Wachstums zielen genau auf diese Zusammenhänge und warnen vor overshoot, einem „Aus-dem-Ruder-Laufen“ des Gesamtsystems Erde. Ein Auftrag, dem sich die Autoren bis heute verpflichtet fühlen.

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Denkfalle: Exponentielles Wachstum

Man falte ein Tuch, ca. einen halben Millimeter dick, ein Mal zusammen. Nun ist es zwei Mal so dick: genau einen Millimeter. Der Vorgang wird wiederholt... Könnte man das Tuch 33 Mal zu falten – es wäre 5.400 km dick! Von Frankfurt bis Boston! – Das heißt exponentielles Wachstum.

Ein weiteres Beispiel: Vor 36 Jahren lebten etwa drei Milliarden Menschen auf der Erde, die Wachstumsrate betrug zwei Prozent. Heute sind es sechs Milliarden – eine Verdoppelung in 36 Jahren. Heute ist das Wachstum stark gesunken, es beträgt „nur“ noch 1,2%. De facto war die Netto-Zahl der hinzukommenden Bevölkerung im Jahr 2000 mit ca. 72 Millionen Menschen pro Jahr (1,2% von 6 Mrd.) aber höher als 1965 (60 Mio. Menschen pro Jahr, 2% von 3 Mrd.), obwohl die Wachstumsrate gesunken ist.

Nicht Wachstum als solches ist das Problem. Allerdings: Wenn das herrschende Paradigma in erster Line auf quantitatives Wachstums setzt und nicht auf qualitatives, und wenn materielles Wachstums zu exponentiellem Wachstum neigt, dann ist die Gefahr groß, dass das jeweilige System über seine Grenzen hinaus schießt.

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Denkfalle: Verzögerte Rückkopplung

Bereits 1977 wurde in den USA der Einsatz des Schädlingsbekämpfungsmittels DCP in der Landwirtschaft verboten. Trotzdem befanden sich zwischen 1988 und 1995 im Grundwasser immer noch für den Menschen gefährliche Konzentrationen. Das Gleiche gilt für die Niederlande: DCP wurde 1990 verboten, die höchste Schadstoffkonzentration wird aber erst 2020 erreicht werden. Der Grund: Der langsame Transport des Schadstoffes durch den Boden und seine enorme Persistenz, seine Nicht-Abbaubarkeit.
Animation von SEED: The Climate Challenge: Our Choices (siehe externe Links)

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Denkfalle: Overshoot

1974 gab es erste wissenschaftliche Hinweise über die verheerenden Auswirkung von FCKW auf die schützende Ozonschicht. 1978 wurde auf öffentlichen Druck hin in den Vereinigten Staaten FCKW als Treibmittel in Sprühdosen verboten. 1984 stellten Wissenschaftler in der Antarktis eine besorgniserregend hohe Ozonabnahme fest. Produktion und Verbrauch hatten die Tragfähigkeit des Planeten überschritten. Es drohte der Zusammenbruch des Ozonschildes. Die Vereinten Nationen wurden aktiv. Im Jahr 1990 einigten sich 92 Länder darauf, die Produktion bis zum Jahr 2000 einzustellen. 1991 machten Satellitenbeobachtungen klar, dass das Ozonloch sich immer noch schneller vergrößerte als angenommen. Ein neuer Verhandlungsmarathon begann. Mittlerweile ist klar: Ein Einpendeln auf das Niveau von 1980 wird nicht vor Mitte des 21. Jahrhunderts zu erreichen sein.

Nur rechtzeitiges Handeln kann einem Overshoot, der gefährlichen Grenzüberziehung eines Systems, entgegenwirken. Growth, overshoot and decline (Wachstum, Überschwingung und Niedergang) lautet ein grundlegendes Denkmotiv in den Grenzen des Wachstums.
 

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Denkfalle: Selektive Wahrnehmung

Wir sehen immer nur Ausschnitte der Wirklichkeit, nicht das ganze System in seiner Komplexität. Vor unserer Tür wird die Welt sauberer, aber eben nur vor unserer. Der Dreck fällt woanders an. Und so bürden wir die ökologischen Rucksäcke für unsere materielle Habgier den armen Ländern auf, die für uns auf einem schlechteren technischen Niveau Rohstoffe abbauen und verarbeiten.  
 

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Die Sustainability Revolution

Die Computersimulationen zeigen deutlich: Hätte man vor 20 Jahre die Strukturen des Systems geändert – wären die Handlungsmöglichkeiten heutzutage deutlich größer. Andersherum: Je länger man wartet, desto schwieriger und turbulenter wird der Weg. Ab einem bestimmten Punkt wird er sogar unpassierbar.

„Wir glauben, dass eine Korrektur möglich und tatsächlich zu einer erwünschten, nachhaltigen und erträglichen Zukunft für alle auf dieser Welt führen kann. Wir glauben aber auch, dass, sollte diese grundlegende Korrektur nicht bald erfolgen, ein Kollaps einvermeidbar ist. Und viele Menschen heute werden ihn noch erleben.“

Politik und Handlungen beruhen auf Werten. Wird das Systemverhalten kritisch, müssen die Werte geändert werden, die Folge ist eine neue Praxis. Die Herausforderung heißt demnach, die vorherrschenden politischen, ökonomischen und kulturellen Wertvorstellungen grundlegend zu ändern, nicht dasselbe ein wenig verändern. Das klingt vielleicht utopisch. Aber genau darin liegt der „revolutionäre“ Ansatz oder besser: „The Great Transition“.

 Die „nicht materiellen“ Werkzeuge auf diesem Weg sind 1972 wie 2004 dieselben: Visionen, Kooperation, Aufrichtigkeit, Lernwille und Mitmenschlichkeit. Damit beginnt ein evolutionärer Wandlungsprozess, der, wenn er greifen soll, bei uns selbst beginn muss.

Diese neue Welt ist auf den Menschen und seine echten Bedürfnisse zugeschnitten, auf innere Befriedigung, nicht auf Märkte. „The world has enough for everyone´s need but  not for everyone´s greed”. Wohlergehen ist das Ziel, nicht materielles Wachstum. Die Modellläufe zeigen jedoch, dass nicht mehr viel Zeit bleibt, diesen Weg einzuschlagen.

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Originaltöne Meadows

Dematerialization

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Global Growth

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Understanding Systems

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