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Zwei denkbare Zukünfte: für billige und für teure Energie
Erst wenn – billige – Energie zur Verfügung steht, können größere Stoffströme in Bewegung gesetzt werden. Das lässt sich historisch überzeugend zeigen: beim sozio-ökologischen Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Das Institut für Soziale Ökologie (IFF) in Wien hat dies für Großbritannien und Österreich im Detail gezeigt. Vor der Industriellen Revolution bezogen Gesellschaften rund 90 % ihrer Energie aus Biomasse. Erst als mit der Kohle, und später mit Öl und Gas, fossile Reservoirs erschlossen wurden, als Energie in größerem Umfang und mit hoher Dichte zur Verfügung stand, wurde die Infrastruktur moderner Gesellschaften möglich: Straßen, Verkehrswege, Häfen; vor allem aber auch Städte, die nun mit Nahrungsmitteln und Energie versorgt werden konnten.
Dieser Zusammenhang – Energie triggert Stoffströme – ist für die Zukunft außerordentlich wichtig. Marina Fischer-Kowalski, die Leiterin des IFF, entwirft im Interview zwei Szenario-Familien: für billige und teure Energie. Dabei hat sie im globalen Maßstab jeweils drei Typen sozio-ökologischer Systeme im Blick: erstens, die entwickelten oder OECD-Staaten, zweitens Entwicklungsländer mit relativ geringer Bevölkerung wie Südamerika und drittens Entwicklungsländer mit dichter Bevölkerung, also Asien. Beide Zukünfte haben ihre je eigenen Probleme. Billige Energie wird China und Indien ein rasantes Wirtschaftswachstum ermöglichen – und gewaltige Klimaprobleme und Umweltbelastungen bringen. Teure (fossile) Energie wird die südamerikanischen Länder dazu veranlassen, verstärkt auf Biomasse und –energie zu setzen. Dieser Weg ist dem dicht besiedelten Asien dagegen versperrt, mögliche Folgen sind große Migrationsbewegungen und militärische Auseinandersetzungen um Ressourcen. Keine Frage, dass die Dematerialisierung auf der Liste möglicher Lösungen ganz oben steht.



