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Die Wende der Titanic

Die „Wiener Deklaration für eine zukunftsfähige Weltordnung“ ist ein radikales Buch im besten Sinne, ein an die Wurzel gehendes. Sie ist das Produkt eines mehrmonatigen Diskussionsprozesses im österreichischen Raum, an dem u.a. Ministerien, Wirtschaftsverbände, NGOs und kirchliche Stellen mitgewirkt haben. Die Leitfrage: Wie ist Nachhaltigkeit auf diesem Planeten möglich? Ein Schlüsselthema ist der zukünftige Umgang mit Ressourcen.  
 
 

Die Herausforderung

Radikal ist das Buch auch deshalb, weil es davon ausgeht, die Menschheit befände sich in einer Titanic-Situation: „Ohne Kurswechsel steuert die globale menschliche Zivilisation auf Eisberge zu, was eine Katastrophe unbekannten Ausmaßes bedeuten kann. Wir müssen daher bewusst den Kurs ändern und neu gestalten.“

Die Wiener Deklaration entfächert ein weites Spektrum von Lösungsvorschlägen für eine nachhaltige Zukunft: angefangen bei globalen politischen Regelwerken, über einen neuen Weltgesellschaftsvertrag, eine Weltwirtschaftsverfassung, bis hin zu Fragen der Familien-, Gesundheits- und Bildungspolitik.

Wahrscheinlich gibt es nicht viele Leser, die alle Punkte in diesem Manifest unterschreiben würden. Aber als Gesamtsicht der Dinge in einer komplizierten Zeit und als Landkarte möglicher Auswege ist das Buch unverzichtbar. Es hilft bei der Positionierung.

Der Erhalt der ökologischen Systeme des Planeten und damit die Ressourcenfrage gehören zum Kernbestand jeder Nachhaltigkeitsstrategie, so auch hier. Dabei halten sich die Autoren nicht lange mit technischen und oder detaillierten Fragen auf.

Interessanterweise wird das Thema Ressourcen weniger unter ökologischen Vorzeichen gedacht, sondern gleich in den Kontext einer neuen Weltwirtschaftsverfassung gestellt, neben Finanz-, Steuer- und Wachstumsfragen. Die Forderung der Wiener Deklaration: „Stufenweise Einführung einer absoluten Ressourcenbegrenzung“, möglichst im Rahmen einer globalen Reform des gesamten Fiskalsystems; sollte dies nicht möglich sein, dann als „selbständige Zukunftsnotwendigkeit“. Wie die Autoren sich den Weg dorthin vorstellen, wie die Verteilungsmechanismen der Ressourcen zwischen Industriestaaten, Schwellen- und Entwicklungsländern gestaltet werden sollen – darüber erfährt der Leser relativ wenig. Auch dem Hinweis, der Ressourcendurchsatz solle mittels „hoheitlicher Ver- und Gebote, wie bei einer Straßenverkehrsordnung“, kontrolliert und reduziert werden, folgen keine näheren Vorschläge.

In diesem Zusammenhang fordert die Wiener Deklaration einen „weltweiten  generellen Naturbewahrungs- und Wiederherstellungsplan“: mit Blick auf die Atmosphäre, die Flora, die Fauna, auf Böden sowie auf Ozeane und Süßwasser. Alles in großen Linien gedacht.