faktor-x.info wird seit Dezember 2011 nicht mehr gepflegt und steht nur noch als Archiv im Internet.

Aktuelle Informationen finden Sie im Lexikon der Nachhaltigkeit - www.nachhaltigkeit.info

HomeSitemapDrucken

Die Performance Gesellschaft des Walter Stahel

Walter Stahel
© privat
Walter Stahel

1973, ein Jahr nach der Ölkrise, machte der Architekt Walter Stahel eine wichtige Erfahrung. Der Rohbau von Gebäuden, zeigte er in einer Studie, frisst deutlich mehr Energie als der Innenausbau, und zwar in einem Verhältnis von drei zu eins. Genau umgekehrt verhält es sich mit der Arbeit: Der Ausbau ist aufwendiger als die gesamte Statik. Folglich ist es ökologisch sinnvoller, Häuser um- statt neu zu bauen.

Diese Erfahrung hat Stahel aus der Architektur in viele andere Bereiche übertragen. In seinem Institut für Produktdauerforschung in Genf denkt er nach, wie Dinge zu gestalten sind, so dass man sie immer wieder warten und erhalten kann, statt sie neu zu produzieren, zu konsumieren und wegzuwerfen. Und auch, welche Umstände und Rahmenbedingungen dafür erforderlich sind. Nicht der Besitz, sondern der Gebrauch steht für Stahel im Vordergrund, er nennt es: die Performance. Der Käufer wird zum Nutzer. Der Verkäufer zum Flottenmanager. Wer nach Mallorca will, kauft sich auch nicht zuerst ein Flugzeug.

Entscheidend ist die Organisation. Immer der Richtschnur folgend: Nutzen statt Besitzen. Wenn die Produkt-Verantwortung beim Hersteller bleibt, verschieben sich auch seine Interessen: Güter sollen möglichst lange halten, wenig Energie und Ressourcen verbrauchen. Sie werden dematerialisiert.

Die Performancegesellschaft

Die Entwicklung der Technologie in Richtung auf stets effizientere und komplexere Produktionsprozesse erfordert immer mehr Dienstleistungen, auf allen Stufen der Produktgestaltung und Fertigung. Nicht nur Forschung, sondern auch Lagerung, Vertrieb, Transport, schließlich Finanzierung, Marketing, Werbung und Versicherung. Das ist der Weg von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft.

Stahel sagt: Machen wir doch einfach weiter – in Richtung auf eine Performance-Gesellschaft! Der deutsche Begriff Dienstleistung beschreibt in erster Linie Leistungen aus dem tertiären Sektor: Versicherung, Banken, Verwaltung – das ist Stahel zu wenig. Er setzt dagegen: die Performance. Darin hat die Werterhaltung vor der Wertschöpfung Priorität. Also nicht die heutige Industriegesellschaft, die die Massenproduktion von Wegwerfgütern perfektioniert hat – ex und hop! –, sondern eine Wirtschaft, die das Management von Güterflotten und den Verkauf der Leistungen ins Zentrum stellt. Ein anderes Wort von Stahel ist „Seen-Wirtschaft“: Häuser, Autos, Computer, CDs werden produziert und schwimmen in einem See; von dort aus werden sie vermietet, verleast, leisten ihren Nutzen und wandern zurück – in jenen See, wo sie gewartet, aufgearbeitet und upgedatet werden.
In vielen Bereichen ist das längst keine Utopie mehr, sondern langjährige Praxis. Mietwohnungen, Mietbüros, Taxis, Eisenbahnen, Flugzeuge, die meisten technischen Systeme wie Wasser-, Strom oder Telefonnetze – all dies funktioniert bereits nach dem Performance-Prinzip: Nutzen statt Besitzen.

TOP


Originaltöne

1. Länger nutzen!

Get Flash to see this player.

2. Der Mann, der die Dinge liebt.

Get Flash to see this player.

3. Stoffkreislauf und Verantwortungskreislauf

Get Flash to see this player.

4. Von Spielzeugen und Werkzeugen

Get Flash to see this player.

5. Von Teddybären und Kaugummis

Get Flash to see this player.