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Mathis Wackernagel - Der ökologische Fußabdruck

Der ökologische Fußabdruck ist eine einfache Metapher. Dahinter steht eine wissenschaftliche Methode, um den Ressourcenverbrauch eines Einzelnen, einer Gruppe oder der gesamten Menschheit zu beschreiben. Das Global Footprint Network definiert selber so: Der ökologische Fußabdruck einer Bevölkerung ist die Menge an produktiven Land- und Wasserflächen, die notwendig ist, die Ressourcen, die diese Menschen konsumieren, bereitzustellen und ihren Abfall aufzunehmen; dies alles bei gegebener Technologie.

Der ökologische Fußabdruck ist so etwas wie eine Währung: mit deren Hilfe die Inanspruchnahme der Biospähre gemessen werden kann, und zwar für sämtliche Ressourcen und jeglichen Nutzen. Städte, Gemeinden, Unternehmen, Nationen erhalten auf diese Art und Weise ein Instrument an die Hand, das biologische Kapital, von dem sie leben – Wälder, Ackerflächen, Flüsse, oder Meere – besser zu managen.
Die Berechnungen mit dem ökologischen Fußabdruck kommen unterdessen zu brisanten Aussagen: Die Menschheit insgesamt lebt über ihre Verhältnisse. Genauer: Sie übernutzt die Biosphäre des Planeten um rund 20 Prozent.

Der ökologische Fußbdruck, Ende der 90er entwickelt, ist mittlerweile vielfach in Gebrauch. Mathis Wackernagel, einer der geistigen Väter, lebt und arbeitet in Kalifornien. Im Interview gibt er Auskunft über die Methode, ihre Anwendungen, und Erfahrungen mit der Kommunikation des Ansatzes.

"Das Werkzeug"

Das Global Footprint Network arbeitet mit offiziellen Statistiken der Vereinten Nationen, Tausenden von Datensätzen pro Jahr und Land. 150 Länder sind auf diese Art und Weise bislang kartographiert. Am Ende stehen einfache Basiszahlen: Wie groß der Fußabdruck eines Landes pro Kopf ist, um den Konsum aufrecht zu erhalten.
Beispiel: Der ökologische Fußabdruck eines Deutschen beträgt im Schnitt 6,2 Hektar pro Kopf. Im eigenen Land stehen dem aber nur 2,4 Hektar an biologisch produktiver Fläche gegenüber. Das Defizit beträgt 3,8 Hektar. Es wird über Importe gedeckt.

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Anwendungen

Dutzende von Städten haben sich bislang einer Footprint-Analyse unterzogen. Das Wohnen hat beispielsweise einen großen Einfluss auf den Ressourcenverbrauch. Kompakte, gut isolierte Häuser verbrauchen weniger Energie zum Heizen oder Kühlen. Die Siedlungsstruktur – ob dicht oder weit verstreut – hat großen Einfluss auf die Mobilität, etwa auf den Weg zur Arbeit oder zur Schule.

Die Stadt London hat mittlerweile bereits mehrere Footprint-Studien in Auftrag gegeben, auch auf Betreiben der Wirtschaft. Auf diese Art und Weise können Stadtentwicklung und Wettbewerbsfähigkeit optimiert werden. Beispielsweise bei der Beurteilung von Investitionen: Welche Branchen sollen gefördert werden? Welche eher nicht?

Kommunikation

Wenn ein US-Amerikaner etwa doppelt so viele Ressourcen verbraucht wie ein Europäer, und der wiederum ein Mehrfaches als ein Inder, ein Kenianer oder Brasilianer, taucht sehr schnell die Frage auf: Mit welchem Recht?

Im Interview beschreibt Mathis Wackernagel seine Erfahrungen im Umgang mit der Gerechtigkeitsdiskussion. Sein Fazit: Wir müssen das Deskriptive vom Normativen trennen. Wir liefern die Fakten, zeigen, wie man sinnvoller mit seinem biologischen Kapital umgehen kann. Wackernagel: „Wir wollen nicht als Moralisten gesehen werden, die Menschen sollen sich einfach eingeladen fühlen.“