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Friedrich Schmidt-Bleek: MIPS

Was ist ökologisch vernünftiger, ein kleines, leichtes sparsames Auto oder eines, das 20 Jahre hält, dafür aber schwerer ist und mehr Sprit verbraucht? Eine Jeans aus ökologisch angebauter Baumwolle oder eine aus Mikrofaser aus den Labors von BASF?
MIPS ist Schmidt-Bleeks Ausweg aus dem Dilemma. Vielleicht der genialste Gedanke in der Umweltdiskussion der letzten 30 Jahre. MIPS macht Äpfel mit Birnen vergleichbar. MIPS ist ein Maß für den Naturverbrauch: kg Natur pro kg Material. 500 kg Natur für 1 kg Kupfer. 320.000 kg pro kg Platin, 8 kg Natur pro kg PVC.

Aber MIPS ist kein absolutes Maß. Der Clou ist der Bezug auf den Nutzen, der durch das zu bewertende Produkt oder die Dienstleistung entsteht.

MIPS heißt ausgeschrieben: Material Input Pro Serviceeinheit.

Ein Beispiel: Das Auto von der Rohstoffgewinnung bis zum Schredder. Was ist hineingegangen an Rohstoffen, an Energie, an Wasser. Die gesamte Entstehungsgeschichte. Das kann man messen, und zwar in Kilogramm.

Für die vielen Materialien, die in einem Auto stecken, gibt es eine gut recherchierte Datenbasis: Die ökologischen Rucksäcke. Mit Hilfe dieser Zahlen kann man schnell eine ordentliche Abschätzung machen über die Menge Natur, die im Auto steckt und im Laufe seines Lebens noch hineingesteckt wird.

Auch der Nutzen wird gemessen: Die Einheit beim Auto – ein „individueller Personentransportkilometer“. Man weiß ziemlich genau, wie viele davon so ein Auto hergibt. 200.000 vielleicht, oder 250.000. Die werden dann in Beziehung gesetzt zum Materialinput. Und heraus kommt eine Zahl, die angibt, wie viel Natur ein Personentransportkilometer verbraucht. Mit dieser Zahl lassen sich verschiedene Autos vergleichen, aber auch ganz verschiedene Dienstleistungen, wie z.B. das Taxi oder innovative Systeme wie der ULTra (Link dahin).

Oder bei der Hose: Z.B. „einen Waschzyklus Beine kleiden“, d.h. 5 Tage tragen, einmal waschen, trocknen und bügeln. Da kommt dann ganz einfach heraus, dass es ökologisch viel sinnvoller ist, die Chemie-Hose von BASF zu kaufen, als die Hose aus Ökobaumwolle.

Der Vorteil von MIPS: Das Verfahren ist leicht anwendbar, wenn die Datenbasis stimmt. Auch für große Mengen an Produkten. Und das Ergebnis ist kommunizierbar, leicht verständlich.

Die Konkurrenz: Life Cycle Assessment (LCA), Lebenszyklusanalyse, wissenschaftlich hochpräzise, in der Datenbasis nicht angreifbar. Aber: Eine LCA braucht mindestens ein halbes Mannjahr. Versuchen Sie mal, die Produkte des Otto-Kataloges (ein paar Hunderttausend) mit all ihren unterschiedlichen Farbstellungen (dann sinds mehr als eine Million) zu bilanzieren…