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Wissenschaft

Bereits aus den 70er Jahren stammt die Idee, den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur (Metabolismus) auf diesem Planeten nachhaltig zu gestalten. Anfang der 90er haben Friedrich Schmidt-Bleek und Ernst Ulrich von Weizsäcker am Wuppertal-Institut das Konzept der Dematerialisierung entwickelt.

Der Grundgedanke ist einfach: Den Globus und seine Ökosysteme entlasten, indem der Mensch weniger tief in sie eingreift, also weniger Material entnimmt und in die wirtschaftlichen Prozesse einschleust. Denn: Wo vorne viel rein geht, kommt hinten viel raus – als Abfall oder Emission. Gleichzeitig werden Ressourcen und Energie durch intelligente Technik und Organisation effizienter genutzt.

Mittlerweile wissen wir, dass die Belastungsgrenze des natürlichen Trägersystems Erde (Carrying Capacity) bereits deutlich überschritten ist, Näheres im  Living Planet Report.  Wir wissen auch, dass die Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch in der EU zwar geschieht – aber auf konstant hohem Verbrauchsniveau und von der Struktur her nicht zukunftsfähig. Anders formuliert: Die Richtung stimmt, aber der Prozess geht viel zu langsam. Unterm Strich nimmt der Ressourcenverbrauch weltweit beständig zu.

Friedrich Schmidt-Bleek, der Vater der Idee, erläutert das Konzept der radikalen Dematerialisierung: Faktor 10.

Walter Stahel hat eine entscheidende Dimension hinzu gefügt: Nutzen statt Besitzen. Wenn die Durchflusswirtschaft mit ihren Ex-und-Hopp-Produkten umgebogen wird in eine Performance-Gesellschaft, wo es auf den tatsächlichen Gebrauch der Dinge ankommt, wird eine neue Wirtschaft mit Material- und Verantwortungskreisläufen möglich.

Michael Braungart kritisiert die Dematerialisierung als rein quantitativ, seiner Ansicht nach zielt sie in die falsche Richtung. Das Gegenkonzept heißt Rematerialisierung. Die Dinge müssten qualitativ, ihren stofflichen Eigenschaften nach, optimiert werden. Damit schließlich biologische und technische Materialkreisläufe entstehen.

Franz Josef Radermacher  greift die Idee der Dematerialisierung auf und integriert sie in eine übergreifende wirtschafts- und sozial-politische Vision: den Balanced Way. Allerdings weicht er vom Schmidt-Bleekschen Grundgedanken, den stofflichen Austausch mit der Natur zu reduzieren, ab. Radermacher will die Ressourceneinsparung durch die Dematerialisierung voll in Wohlstand übersetzen und somit einen Interessenausgleich zwischen Nord und Süd schaffen