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Der Sustainable Value Ansatz

Der Sustainable Value Ansatz misst unternehmerische Nachhaltigkeit mit einem neuen Ansatz. Erstmalig können ökonomisches Kapital und ökologische und soziale Ressourcen analog und in der gleichen Einheit, der Einheit des Geldes, bewertet werden.

Neu an diesem Ansatz ist, dass der Einsatz ökologischer und sozialer Ressourcen mit Hilfe von Opportunitätskosten ökonomisch bewertet wird. Aus der Welt der Kapitalanlagen kennt man dies seit langem: Opportunitätskosten beschreiben unter anderem, was mit einer Anlage hätte verdient werden können, wenn sie auf andere Weise angelegt worden wäre, beispielsweise in einer Kapitalanlage mit durchschnittlicher Marktverzinsung, hier mit 4% angenommen.

Erzielt die Anlage nun 6% Rendite, so hat sie ihre Opportunitätskosten verdient, sie schafft also gegenüber dem Vergleichsmaßstab, dem „Benchmark“ einen Wert von +2%. Erzielt sie nur 3% Rendite, so hat sie einen negativen Wertbeitrag geleistet, da im Falle der Vergleichsanlage mehr zu verdienen gewesen wäre.

Der Sustainable-Value Ansatz vergleicht den Ressourceneinsatz eines Unternehmens mit dem eines Vergleichsmaßstabes. Ein solcher Benchmark kann die gesamte Volkswirtschaft sein oder eine Gruppe vergleichbarer Unternehmen.

Im Fall der vom BMBF geförderten Studie Nachhaltig erfolgreich Wirtschaften, die gemeinsam vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung IZT und dem Sustainable Development Research Centre durchgeführt wurde, werden Ressourcenverbrauch und Nettowertschöpfung der Unternehmen mit dem Ressourcenverbrauch und dem Nettoinlandsprodukt der deutschen Volkswirtschaft in Bezug gesetzt.

Indikatoren

Die Bewertung erfolgt anhand von 10 Indikatoren:

- Kapitaleinsatz
- CO2 Emissionen
- NOx Emissionen
- SOx Emissionen
- Staub Emissionen
- VOC Emissionen*
- Wasserverbrauch
- Abfallanfall
- Arbeitsplätze
- Meldepflichtige Arbeitsunfälle
(*VOC=Volatile Organic Compound=Flüchtige organische Verbindung)

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Fallbeispiel Bayer AG

Die Methodik wird anhand eines konkreten Fallbeispiels erläutert: Die Bayer AG hat 2004 gemäß ihres Geschäftsberichtes eine Nettowertschöpfung von 7,91 Mrd. € erwirtschaftet. Gleichzeitig wurden in diesem Zeitraum 4,1 Mio t CO2 durch die Bayer AG emittiert. Daher wurde pro Tonne CO2 Emission eine Wertschöpfung von 1.931 € erreicht.

Dies wird nun am Benchmark, der deutschen Volkswirtschaft gemessen: Das Nettoinlandsprodukt betrug 2004 1889 Mrd. €, die CO2 Emissionen betrugen 894 Mio t. Damit wurde pro Tonne CO2 eine Wertschöpfung von 2.133 € erwirtschaftet.

Bayers Opportunitätskosten für seine CO2 Emissionen ergeben sich, wenn die von Bayer emittierten 4,1 Mio. t mit dem Benchmark der deutschen Volkswirtschaft von 2.133 €/t CO2 multipliziert werden. Sie betragen daher rund 8,74 Mrd. €. Bayers Nettowertschöpfung beträgt 7,91 Mrd. €, daher liefert der Indikator CO2 einen negativen Beitrag zum Sustainable Value der Bayer AG, einen Verlust also.

Wird diese Betrachtung für alle 10 Indikatoren durchgeführt, so ergibt sich für das Jahr 2004 ein Sustainable Value der Bayer AG von ca. 310 Mio. €.

Um Größenunterschiede der Unternehmen bei einem Ranking zu eliminieren, wird der Ertrag des Unternehmens ins Verhältnis mit den Opportunitätskosten gesetzt. Im konkreten Fall ergibt sich, dass Bayer eine um den Faktor 1,04 höhere Wertschöpfung aus den eingesetzten Ressourcen erreicht hat, als der Durchschnitt der deutschen Volkswirtschaft. Bayer ist also mit seinen  Ressourcen etwas effizienter umgegangen, als es dem Durchschnitt der deutschen Volkswirtschaft entspricht.

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25 deutsche Unternehmen

Besonders aussagekräftig wird der Sustainable Value Ansatz dann, wenn Unternehmen der gleichen Branche miteinander verglichen werden.

In der Studie werden 25 deutsche Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung und Branchenzugehörigkeit auf ihren Sustainable Value hin untersucht (siehe Tabelle auf Seite 8 der Kurzfassung der Studie)

Die für die Studie erhobenen Informationen sind frei zugänglich. Sie stammen aus den von den Unternehmen veröffentlichten Jahres-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichten sowie dem statistischen Jahrbuch und der umweltökonomischen Gesamtrechnung.