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Interview Niko Paech:
Nicht die Welt retten, sondern uns selbst

Zur Person

FRAGE: Sie haben einen Lehrstuhl an der Universität Oldenburg, was machen Sie da genau?

PAECH: Ich vertrete das Fach Produktion und Umwelt. Darüber hinaus befasse ich mich in Lehre und Forschung mit einem neuen Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften, nämlich der Postwachstumsökonomik: Das umfasst Analyse, Beschreibung und wissenschaftliche Bearbeitung aller Fragestellungen, die sich im Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Wachstum bewegen.

FRAGE: Sie besitzen kein Handy, richtig?

PAECH: Das stimmt.

FRAGE: Sie benutzen kein Flugzeug.

PAECH: Stimmt.

FRAGE: Sie haben während der vergangenen 20 Jahre einiges gemacht, nicht nur an der Hochschule, nennen Sie bitte einige Stichworte!

PAECH: Neben meiner Tätigkeit als Vertreter des Lehrstuhls für Produktion und Umwelt bin ich momentan u. a. im wissenschaftlichen Beirat von Attac, bin Vorsitzender der Vereinigung für Ökologische Ökonomie und gehöre dem PostFossil Institut an. Und ich war an der Gründung des Oldenburg Center for Sustainability Economics and Management (CENTOS) beteiligt, dessen Vorstandsprecher ist war. Zuvor war ich als Beauftragter für die lokale Agenda 21 der Stadt Oldenburg tätig. Unter anderem bin ich auch Moderator und Redakteur einer Sendung beim Oldenburger Lokalfernsehen, die sich mit Klimaschutz im Gebäudebereich beschäftigt. Ich war aktiv beim Naturschutzbund (NABU) und acht Jahre Genossenschaftsvertreter der Ökobank. Ich bin auch mal Landtags- und Bundestagskandidat der Grünen gewesen, allerdings liegt das 20 Jahre zurück. Inzwischen habe ich mit Politik nichts mehr am Hut, bin also keiner Partei in irgendeiner Weise verbunden, worauf ich großen Wert lege. Zwischendurch war ich auch mal als Manager eines Großhandels für kontrolliert ökologische Nahrungsmittel tätig.

Die letzten 20 Jahre

FRAGE: Und nebenher haben Sie auch noch Bücher gelesen, geschrieben und nachgedacht. Noch mal ein Blick über die vergangenen 20 Jahre: Gab es auch Enttäuschungen in dieser Zeit?

PAECH: Das größte Problem sind die vielen Menschen, die sich einerseits so aufgeschlossen und kompetent in Bezug auf nachhaltige Entwicklung geben, aber einen Lebensstil praktizieren, der von all dem nicht weiter entfernt sein könnte. Nie wurde mehr gefahren, nie mehr geflogen, nie wurde mehr Wohnraum in Anspruch genommen, nie wurde mehr konsumiert, nie hat es mehr elektrifizierte Geräte gegeben. Zugleich hat es nie mehr Personen, Einrichtungen und Projekte gegeben, die im Namen der Nachhaltigkeit agieren. Man könnte es Schizophrenie nennen. Aber ich glaube, dahinter steckt eine Kultur der moralischen Kompensation, die untrennbar mit dem Spätstadium moderner Konsumgesellschaften verbunden ist: Gerade weil das Unbehagen an der Verantwortungslosigkeit landläufiger Alltagspraktiken so enorm ist, reden alle vom Klimaschutz und schwenken eine Bionade-Flasche im Takt dazu: symbolische Betroffenheit und Sprechblasen als Substitut für wirksames Handeln. Dieses Ritual kann man sogar während einer Flugreise – auf dem Weg zur nächsten Klimakonferenz versteht sich – vollziehen.

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Peak everything und die Folgen

FRAGE: Peack oil, den Förderhöhepunkt von Öl, darf ich als bekannt voraussetzen, Sie benutzen einen weiteren Ausdruck: peak everything. Was versteht man darunter?

PAECH: Damit ist gemeint, dass die Fördermaxima, die nun bevorstehen, nicht nur fossile Energieträger – Öl, Gas und absehbar ebenfalls Kohle – betreffen, sondern auch seltene Metalle, Erden und andere Rohstoffe, auf denen unser materieller Wohlstand gründet. Vor allem in der Mikroelektronik, bei Halbleitern, bei den vielen informations- und kommunikationstechnischen Endgeräten, die einen immer größeren Teil der Wertschöpfung moderner Gesellschaften ausmachen, ist es so, dass gerade die seltenen Metalle und Erden zu einem Engpassfaktor werden. Daraus folgt auch, dass vermeintliche Nachhaltigkeits-Innovationen, etwa die Elektromobilität, davon betroffen sein werden. Deren Akkus benötigen Lithium und andere seltene Metallen, die inzwischen so knapp zu werden drohen, dass hier der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wird. Das ist leider ein systematisch auftretendes Dilemma fast aller Versuche, das Ressourcen- und Klimaproblem mittels einer ökologischen Modernisierung in den Griff zu bekommen.

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Fremdversorgung

FRAGE: Eine Ihrer Thesen lautet: business as usual ist nicht möglich. Erklären Sie das bitte mal einem Menschen auf der Straße!

PAECH: Wenn einfach danach gefragt wird, wie viele Güter wir in Anspruch nehmen, deren Produktionsketten komplett außerhalb Deutschlands zu verorten sind, geht den meisten ein Licht auf. Die wirtschaftliche Globalisierung und eine bildungspolitisch forcierte Verkümmerung jeglicher Fähigkeiten zur Selbstversorgung machen uns zunehmend angreifbar. Unser Wohlstand kann wie ein Kartenhaus schnell zum Einsturz gebracht werden, etwa wenn irgendwelche Ressourcen- und Finanzmärkte verrückt spielen. Wir hängen wie Marionetten an den unsichtbaren Fäden der Fremdversorgung. Diese fast schicksalhafte Abhängigkeit steigt mit der Distanz zwischen Produktion und Verbrauch. Die Länge und Komplexität der Versorgungsketten, an denen unser Konsumentendasein baumelt, steigt mit dem Wohlstand. Den zeitgenössischen homo consumens erkennt man daran, dass er auf der Stelle aussterben würde, wenn alle Supermärkte der Welt vier Wochen geschlossen wären. Die Verteuerung weniger Rohstoffe, insbesondere Öl, kann schon dazu führen, dass wir uns viele Dinge nicht mehr leisten können. Das betrifft alle Versorgungsbereiche wie Dienstleistungen, Mobilität, Bauen und Wohnen, vor allem aber die vielen Konsumgüter, von denen wir uns einerseits abhängig gemacht haben, deren Erschwinglichkeit aber andererseits von der unbegrenzten Verfügbarkeit billigen Rohöls abhängt.

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Kritik der Effizienzstrategie

FRAGE: Wir sprechen über Nachhaltigkeit und mögliche Strategien. Auf der einen Seite, sagen Sie, gibt es die Entkoppelungsstrategie, beispielsweise die Dematerialisierung, auf der anderen Seite die Möglichkeit, auf Wachstum zu verzichten, wie Sie es für richtig und notwendig halten. Was kritisieren Sie an der Entkoppelung?

PAECH: Die Versuche, ein weiteres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von ökologischen Schäden zu entkoppeln, beruhen darauf, dass wir Produktionsstrukturen verändern müssen und neue Designs für Dienstleistungen und Produkte benötigen. Alle diese neuen materiellen Artefakte verbrauchen selbst Ressourcen. Wenn die hierzu notwendigen Infrastrukturen, Produktionsstätten, Logistikketten und schließlich die Produkte selbst nur hinzuaddiert werden, resultiert daraus materielles Wachstum, also eine weitere Umweltbelastung. Das gilt auch für Passivhäuser, Elektromobile oder Anlagen zur Nutzung regenerativer Energien. All dies erfordert, dass wir in neue Strukturen investieren, die ein ökonomisches Eigenleben entwickeln und einen Einkommens- und einen Kapazitätseffekt generieren. Bei den regenerativen Energien kann man das sehr schön beobachten. Wir erleben einen Boom, was die Nutzung regenerativer Energien anbelangt. Aber das sind zusätzliche Anlagen, die zusätzliche Energie produzieren, die wiederum zusätzliche Nachfrage bedient. Nun könnte jemand auf die Idee kommen und sagen: Das war doch gar nicht beabsichtigt, wir wollten doch diese neue CO2-freie Energie in die Welt setzen, um die fossile oder atomare Energie zu verdrängen. Denn die Menschen können doch den Euro nur einmal ausgeben. Das Geld, das sie bislang für die Energie hatten, können sie nicht für beide Arten von Energie ausgeben.

FRAGE: Aber?

PAECH: Genau hier ist ein Denkfehler. Wenn ich in neue Anlagen und Produktionskapazitäten investiere, dann induziere ich neues Einkommen. Das kann ausreichen, um die gestiegene Produktion infolge des Kapazitätseffektes der Investition nachfragen und finanzieren zu können. Deswegen ist jede Investition in neue Produktionskapazitäten gleichbedeutend damit, einen Wachstumseffekt auszulösen. Weil die Produktionskapazitäten sich ja erhöhen, ist es außerdem sogar möglich, dass der Preis für das betreffende Produkt sinkt. Der Strompreis in Deutschland hat vor ungefähr einem Jahr, am zweiten Weihnachtsfeiertag 2009, um genau zu sein, an der Elektrizitätsbörse in Leipzig ein Niveau von unter Null erreicht. Ein negativer Strompreis entspricht dem umweltökonomischen Super-GAU. Kein Mensch spart mehr Strom, wenn er dafür belohnt wird, Strom zu verschwenden. Zudem mausert sich Deutschland zu einem immer wichtigeren Stromexporteur dank zusätzlicher erneuerbarer Energie.

FRAGE: Gilt das auch für andere Bereiche?

PAECH: Im Gebäudebereich ist es so, dass viele glauben, durch Passivhäuser Klimaschutzeffekte erzielen zu können. Wenn wir aber zum vorhandenen Gebäudebestand Passivhäuser addieren, können dadurch keine Emissionen gesenkt werden – wir haben schlicht einen noch größeren Gebäudebestand und zusätzliche Emissionen, weil auch Passivhäuser nicht zum ökologischen Nulltarif zu haben sind. Würden wir hingegen keine neuen Häuser bauen, sondern nur vorhandene Häuser energetisch sanieren oder an die Stelle jener Häuser, deren energetische Sanierung ökonomisch und ökologisch keinen Sinn macht, Passivhäuser setzen, könnten die Emissionen gesenkt werden. Aber wie soll dann die Baubranche wachsen? Sie würde sogar auf die Hälfte schrumpfen, um sich auf diesem Niveau zu stabilisieren, insoweit kein Flächenfraß mehr stattfindet. Ähnlich müsste im zuvor genannten Bereich der regenerativen Energien verfahren werden: Für jede zusätzlich erzeugte Kilowattstunde aus erneuerbaren Energiequellen müsste exakt dieselbe Strommenge aus Kohle oder Atom reduziert werden, um schließlich ganze fossile und atomare Kraftwerke stilllegen zu können. Aber auch hier ergäbe sich dann kein Wirtschaftswachstum, weil die zusätzliche Wertschöpfung an der einen Stelle daran gekoppelt ist, andere Wertschöpfung, nämlich in den nicht nachhaltigen Strukturen, abzubauen. Der Nettoeffekt auf das BIP kann sogar negativ sein. Das heißt, wenn man es ernst meint mit einer absoluten Entlastung der Umwelt, dann kann das nicht mit Wachstum einhergehen. Das genaue Gegenteil trifft zu: Damit die zuvor skizzierten, auf ökologischer Effizienz und Konsistenz beruhenden Innovationen überhaupt eine Chance haben, zur Umweltentlastung beizutragen, darf der Gesamtoutput und folglich die Wirtschaft als ganzes gerade nicht wachsen.

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Wachstums- und Planetengrenzen

FRAGE: Wie wäre es denn so: Man definiert Planetengrenzen. Das einfachste Beispiel ist ja CO2. Und man sagt, hier ist das Limit, da machen wir einen Deckel drauf. Dann haben wir die Wachstumsdiskussion vielleicht gar nicht mehr nötig, sondern eine definierte Menge von globalen Emissionen – die verteilt werden müssen. Unter diesem Deckel könnten die Ingenieure nun arbeiten und optimieren, wie sie wollen. Innovation war in der Geschichte immer ein wichtiger Punkt und die bräuchten wir heute vielleicht mehr denn je. Allerdings unter den richtigen Rahmenbedingungen, sprich: Grenzen, die gesetzt werden.

PAECH: Ja gut, wenn wir eine solche globale Grenze für den Ausstoß von CO2-Äquivalenten festlegten, wäre das genau im meinem Sinne. Wenn wir das Zwei-Grad-Klimaschutzziel einhalten wollen, kämen wir insgesamt noch auf 750 Milliarden Tonnen an CO2-Äquivalenten, die wir bis 2050 ausstoßen dürfen...

FRAGE: ... nach dem Budget-Ansatz der WBGU, der Rest sozusagen, der der Menschheit noch zur Verfügung steht...

PAECH: Wenn wir nach dieser Maßgabe das globale Budget auf Länder verteilen würden, dann hätte die Bundesrepublik Deutschland, wenn sie einem business-as-usual-Szenario folgte, noch zehn Jahre. Anschließend wäre sie pleite.

FRAGE: Bleiben wir noch mal bei diesem Gedanken. Wir sprechen über Wachstum, wenn auch auf einem relativ abstrakten Niveau. Noch einmal: Die Lösung für CO2, wenn es denn eine gibt, besteht doch darin, dass wir – die Menschheit als Ganze – eine maximale Menge an Emissionen definieren und auch einhalten. Es geht um Grenzen, die wir ziehen. Und nicht um das Bruttoinlandsprodukt oder wie man Wachstum auch immer definieren mag.

PAECH: Zunächst einmal gehe auch ich davon aus, dass es das Wichtigste ist, Obergrenzen zu setzen, übrigens nicht nur für CO2, sondern auch für andere knappe Ressourcen. Was aber, wenn sich über die nächsten 50 Jahre keine Weltregierung oder nicht einmal eine europäische Regierung bildet, die diesen Ansatz durchsetzt? Dann hilft nur, dass jeder Einzelne von uns die Verantwortung für Klimaschutz auch ohne Politik übernimmt, also nur 2,7 Tonnen CO2 durchschnittlich pro Kopf und Jahr ausstößt. Zu diesem Zweck wäre es sinnvoll, alle Produkte und Dienstleistungen, die wir uns aneignen, im Hinblick auf die gesamte CO2-Menge zu bilanzieren, und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Unternehmen können anfangen, sich einer solchen Bilanzierung – wir sprechen von life cycle assessment oder Lebenszyklusanalyse – zu bedienen und die Produkte mit entsprechenden Informationen zu versehen oder im Internet die Daten zu hinterlegen. So kann ich als Konsument errechnen, was mein Lebensstil in etwa pro Jahr an CO2-Emissionen hervorruft.

FRAGE: Wir waren beim Thema Wachstum...

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Die Berufsehre des Wirtschaftswissenschaftlers

PAECH: Für mich als Wirtschaftswissenschaftler ist es nicht nur eine Herausforderung, sondern hat fast etwas mit Berufsehre zu tun, die Frage beantworten zu können, ob es möglich sein könnte, die pro Kopf entstehenden CO2-Mengen in der Bundesrepublik auf ein Fünftel zu senken und gleichzeitig wirtschaftliches Wachstum zu erzeugen. Es geht ganz klar nicht mit Wachstum! Im Übrigen besteht genau darin der Grund dafür, dass sich die Politik nicht traut, den von Ihnen genannten ökologischen Rahmen zu verankern: Weil darüber gestritten wird, ob es mit oder nur ohne Wachstum geht. Ohne Wachstum hieße, die Lebensstile verändern zu müssen.

FRAGE: Wachstum ist natürlich eine zentrale Frage. Wenn man den Gedankenkreis noch einmal erweitert und sich nur die Weltbevölkerungsentwicklung anschaut, dann befinden wir uns in einem rasanten Endstadium eines langen Prozesses. Natürlich war Wachstum immer das Grundprinzip der Entwicklung: Wachset und mehret euch, wie es in der Bibel heißt. Und dass dies nicht ad infinitum möglich sein wird, darüber sind wir uns sicher einig. Mein Einwand ging dahin: Woran messen wir das? Und sind die Planetengrenzen nicht viel wichtiger als die Wachstumsfrage als solche?

PAECH: Selbstverständlich, es geht immer nur um den ökologischen Rahmen, der einzuhalten ist. Dieser Rahmen ist aber schon durchbrochen. Bereits heute ist der Punkt überschritten, bis zu dem unsere Ressourcenverbräuche durch die Regenerationsfähigkeit des Planeten gedeckt wären. Die Ursachen dafür liegen bei den ökonomischen Wachstumsmechanismen, weil die Entkopplung nie funktionierte und auch zukünftig nicht funktionieren kann. Wenn ich also an die Ursache will, bin ich bei der Wachstumsfrage. Die Triebkräfte und Gründe für weiteres wirtschaftliches Wachstum gilt es zu analysieren, um Lösungen für ein stabiles Versorgungssystem zu finden, das ohne weiteres wirtschaftliches Wachstum auskommt. Nur so schaffen wir es, den ökologischen Rahmen auch einzuhalten.

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Resilienz

FRAGE: Der Einzelne spielt in Ihrem Denken eine wichtige Rolle. Um es einfach zu sagen: Wenn er nicht anfängt, passiert sowieso nichts. Aber wenn Sie sich mal in Ihrem Freundeskreis oder in Ihrer Stadt umsehen, wie viele Leute gibt es denn, die das Wachstums-Credo aufgeben wollen?

PAECH: Das größte Hemmnis für die Veränderung von Lebensstilen besteht in der technologisch unterfütterten Ersatzreligion, der zufolge eine Entkoppelung möglich ist. Wenn Medien, Politiker und andere Multiplikatoren des gesellschaftlichen Lebens uns als Credo einimpfen, dass die nächste industrielle Revolution, der Green New Deal oder eine Dematerialisierung vor der Tür stehen und somit der Kelch einer Veränderung von Lebensstilen noch mal an uns vorbeigehen könnte, hat niemand Anlass, ökologisch desaströse Handlungen aufzugeben, denn die Verantwortung liegt dann beim noch nicht eingetretenen Entkopplungsfortschritt.

FRAGE: Und weiter?

PAECH: Wir treten allerdings in eine neue Epoche ein. Wenn wir über nachhaltige Entwicklung reden, geht es nicht mehr darum, einfach gesagt die Welt zu retten, sondern uns selbst zu retten. Es geht um Resilienz. Menschen, die nicht frühzeitig Gewohnheiten und Versorgungsroutinen einüben, durch die sie möglichst unabhängig von Geld und Ressourcen werden, etwa im Sinne einer neuen Balance aus Selbst- und Fremdversorgung, werden umso tiefer fallen. Gefragt sind Reaktionsmuster, um die heran nahenden Ressourcenkrisen meistern zu können. Kein Staat oder Rettungsschirm wird unseren Wohlstand dann sichern können. Lebensstile müssen dazu befähigen, auch dann ein würdiges Leben zu führen, wenn ein Barrel Rohöl 200 oder 250 Dollar kostet. Dann können wir uns das gegenwärtige Übermaß an Mobilität und materiellem Konsum einfach nicht mehr leisten.

FRAGE: Sie leben in einer Stadt mit 160 000 Einwohnern. Was empfehlen Sie lebenspraktisch?

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Ernährung ist kritisch

PAECH: Auch in einer größeren Stadt lassen sich Aspekte der Selbstversorgung verwirklichen, etwa in Form einer Reaktivierung handwerklicher Fähigkeiten. Der nächste lebenswichtige Bereich ist die Ernährung. Hier erleben wir, dass gerade in den Metropolen jener Länder, in denen wir das nicht für möglich gehalten hätten, wie etwa in den USA, viele Gemeinschaftsgärten entstehen. In New York etwa gibt es 700 bis 800. Diese Projekte bestehen darin, dass man Flächen der urbanen Sphäre nutzt und umwandelt, damit man dort gärtnern und urbane Landwirtschaft betreiben kann. Das tun Gruppen von 50 bis 100 Leuten, oft aus ökologischen Gründen, aber mehr noch, um sich gesund zu ernähren. Aber das spart eben auch viel Geld, weil diese Dinge dann nicht mehr im Supermarkt gekauft werden müssen. Der andere Aspekt ist, dass solche Gemeinschaftsgärten Inseln eines neuen sozialen Miteinanders darstellen. Da werden auch mal Feste gefeiert. Sie sind Ruhepole in einer ansonsten hektischen Großstadt. Sie verschönern die Stadt, sie erhöhen die Qualität der Stadtökologie. Sie sind hydrologisch absolut wichtig. Da setzt man sich in den Schatten der Bäume oder Pflanzen, um einfach mal ein Buch zu lesen.

FRAGE: Was braucht man noch für eine gewisse Subsistenz?

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Formen der Subsistenz

PAECH: Die dritte Dimension ist ein neuer Umgang mit unseren materiellen Konsumgütern. Wir werden unsere Kinder zukünftig so erziehen müssen, dass die Welt für sie nicht nur ein touch screen ist – das momentane Leitmotiv der Bildungsreform –, sondern dass sie Improvisationsgeschick und handwerkliche Fähigkeiten besitzen. Nur so kommen wir mit weniger Konsumgütern aus. Kraft eigenen manuellen und handwerklichen Zutuns können wir die Nutzungsdauer, die Funktionsfähigkeit und die Intensität der Nutzung dieser Güter erhöhen. Zum Beispiel dadurch, dass mehrere Menschen Güter miteinander austauschen. Dass sie ihre Fahrräder, ihre Textilien, auch Teile des Gebäudes, in dem sie leben, selbst reparieren oder manuell instand halten. Wenn wir das tun, verzichten wir nicht auf Konsumgüter, zumindest nicht auf die meisten, an die wir uns gewöhnt haben, brauchen aber dennoch wesentlich weniger davon. Wenn wir uns angewöhnen könnten, die Produkte – das ist jetzt ein Durchschnittswert – doppelt so lange zu nutzen, und zwar durch Pflege und Instandhaltungsmaßnahmen, dann kann die Produktion dieser Güter vereinfacht gesprochen um 50 Prozent reduziert werden. Es gibt viele Beispiele, an denen man erkennen kann, dass die Fähigkeit, selbst Dinge zu reparieren, manuell Werte zu schaffen, dabei hilft, Formen von Subsistenz mit industrieller Produktion zu verzahnen. Das Resultat wäre eine halbierte Industrie, gemessen an der Produktionskapazität.

FRAGE: Allgemein gefragt: Welche Wirtschaft brauchen wir?

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Das Spektrum des Versorgungssystems

PAECH: Wenn wir unsere Ansprüche auf ein handhabbares Maß reduzieren, hätte das nichts mit Verzicht zu tun hat, sondern mit einer Entrümpelung oder einfach dem Abwurf von materiellem Ballast, der uns sowieso nur zur Last fällt. Nach dieser unvermeidlichen Reduktion stellt sich als nächstes die Frage: Wie wollen wir uns zukünftig versorgen? Der Begriff des Versorgungssystems deckt für mich ein weites Spektrum ab, das zwei extreme Randpunkte aufweist. Der erste besteht in reiner Selbstversorgung, der zweite in geldbasierter, global arbeitsteiliger Fremdversorgung. Dazwischen gibt es interessante Kombinationsmöglichkeiten, die man für Gemeinschaften, für Kommunen und Regionen erschließen kann. Dazu zählen Tauschringe, dazu zählt vor allem die Regionalversorgung mit Hilfe komplementärer Regionalwährungen, die ohne Zins umlaufgesichert sind. Weitere Formen der Versorgung in Kommunen umfassen beispielsweise Verschenkmärkte, Netzwerke der nachbarschaftlichen Hilfe und in Freundeskreisen. Vor allem ist es wichtig, dass in zukunftsfähigen Versorgungssystemen eine Reaktivierung sozialer Interaktionen zum Substitut für materielle Produktion wird.

FRAGE: Wie könnte das aussehen?

PAECH: Nehmen wir an, ich arbeite nicht mehr 40, sondern nur noch 20 Stunden. Dann hätte ich weniger Geld. Bestimmte Dinge würde ich dann vielleicht nicht kaufen, wie etwa eine Bohrmaschine, die sowieso nur selten zum Einsatz kommt. Mein Nachbar hat eine Bohrmaschine. Ihm kann ich nun sagen: Kannst du mir deine Bohrmaschine leihen? Dafür kann ich dir ein Brot backen, dein Fahrrad reparieren oder deine Kinder in Mathematik unterrichten. Dann gelange ich in den Genuss eines Industrieprodukts namens Bohrmaschine, ohne es besitzen zu müssen. Ich gebe etwas dafür, nämlich Leistungen, die ich nicht durch Geld, sondern durch aufgewandte Zeit und eigene Kompetenz erbringe. Wichtig ist: An dieser Stelle ersetze ich die materielle Produktion einer weiteren Bohrmaschine, durch ein intensiveres soziales Miteinander. Vorher habe ich meinen Nachbarn möglicherweise bestenfalls im Treppenhaus stumm gegrüßt. Jetzt verbindet uns eine Tauschbeziehung, die viele darüber hinaus gehende positive Wirkungen haben kann.

FRAGE: Was Sie gerade beschreiben, ist im Kern ein Schichtenmodell von Arbeit: Erwerbsarbeit, Eigenarbeit, nicht monetarisierte Formen von Arbeit, die man wechselseitig austauscht. Könnten Sie freundlicherweise dieses Modell einmal durchdeklinieren?

Schichtenmodell von Arbeit

PAECH: Ich halte es für unumgänglich, die übliche Erwerbsarbeit drastisch zu reduzieren, auf durchschnittlich die Hälfte. Die Industrie ließe sich entsprechend halbieren. Die verbliebenen 20 Stunden an konventioneller Arbeitszeit bescheren uns ein, wenngleich maßvolleres monetäres Einkommen, das dazu befähigt, weiterhin Teil des Fremdversorgungssystems zu bleiben. Wir würden damit Konsumgüter kaufen, die der globalen Wertschöpfung entstammen. Die nun aber frei gewordenen 20 Stunden können genutzt werden, um wichtige Daseinsgrundfunktionen selbsttätig zu erfüllen. Diese Kombination aus Selbst- und Fremdversorgung kann auf unterschiedlich Weise sinnstiftend sein. Es wird Menschen geben, die so genügsam sind, dass sie im Prinzip nicht mehr zum Leben benötigen, als das Einkommen, das aus 20 Arbeitsstunden resultiert. Die neu „erworbenen“ 20 Stunden können sie einfach nutzen, um gute Bücher zu lesen, sich als Musiker zu betätigen, künstlerisch zu wirken oder was auch immer. Aber man kann auch produktiv sein, indem man sich zum Beispiel handwerklich betätigt oder soziale Leistungen erbringt.

FRAGE: Welche Rolle spielt das Geld dabei?

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Globales und regionales Geld

PAECH: Neben den globalen Währungen, die an Bedeutung verlieren, brauchen wir ein neues Geld, die so genannten regionalen Komplementärwährungen, abgekürzt Regios. Sie haben je nach Ausgestaltung verschiedene Vorteile. Das sie nur in der Region gelten, haben sie den Effekt einer De-Globalisierung, ohne die Effizienzvorteile der Arbeitsteilung gänzlich aufzugeben. Die Kaufkraft bleibt in der Region, aber auch hier können Wertschöpfungsketten bestehen. Um sicher zu stellen, dass dieses Geld zirkuliert, sollte anstelle eines Zinses das Konzept der rostenden Banknoten Anwendung finden. So lassen sich auch die systematischen Wachstumszwänge mildern, die aus dem derzeit herrschenden Zinssystem resultieren.

FRAGE: Zins, ja oder nein?

PAECH: Der Zins ist ein Problem. Er steigert den strukturellen Wachstumszwang, welcher aus der arbeitsteiligen, geldbasierten Wirtschaft resultiert. Auch mit Hilfe des Euros kann einiges geschehen, um Zinsen zu reduzieren. Es gibt in Deutschland eine Bank, die ihren Kunden anbietet, weniger Zinsen zu verlangen und offeriert als Gegenleistung die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wie das gesparte Geld verwendet wird. Üblicherweise wird ein hoher Zins benötigt, um Risiken abzudecken. Wenn dagegen mehr Transparenz und Vertrauen vorhanden sind, sinkt der zur Risikoabdeckung notwendige Zins.

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Schwellenländer wollen wachsen

FRAGE: Wachstum ist nach wie vor ein starkes Motiv unserer Zeit. Es ist wohl davon auszugehen, dass die Menschen in den Schwellenländern nicht aufhören werden, für einen gewissen Wohlstand hart zu arbeiten. Das heißt, der Wachstumszug wird erst mal weiterfahren. Sehen Sie das auch so?

PAECH: Nein, ich glaube, dass gerade die Transferökonomien an einer Wegscheide stehen. Indien und China würden, wenn sie den Wachstumspfad mit der aktuellen Intensität weiter verfolgten, ökologische Krisen und damit verbundene soziale Verwerfungen herauf beschwören. In China ist die Besiedelung stellenweise so dicht geworden, dass die Verschlechterung der ökologischen Situation sofort auf die Lebensqualität und Gesundheit durchschlägt. Ich erinnere an die Umweltkatastrophe in der Minamata-Bucht in Japan, wo ein einziger Industrieunfall ausgereicht hat, um viele Menschen zu töten. Hoffentlich bleiben China und Indien vergleichbare Katastrophen erspart. Aber wir sehen ja jetzt bereits, dass man in den Metropolen Indiens und Chinas zuweilen nicht mehr Fahrrad fahren, nicht mehr spazieren gehen kann, ohne einen Mundschutz zu tragen. Darüber hinaus wird das bereits erwähnte peak oil- und peak everything-Phänomen gerade diesen Ländern möglicherweise zuvor in die Quere kommen. In Indien und China sind zwar enorme Zuwachsraten der Wertschöpfung zu verzeichnen, aber auf Basis von Technologien, die so ineffizient sind, dass Engpassszenarien infolge von Ressourcenknappheit möglicherweise nicht mehr lange auf sich warten lassen.

FRAGE: Vielen Menschen auf diesem Planeten geht es materiell äußerst schlecht, sie hungern und verhungern. Diese Menschen brauchen dringend Wachstum.

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Arm und Reich

PAECH: Auch in den armen und ärmsten Ländern bilden sich mittlerweile neue Mittelschichten, die aufgrund gestiegener Kaufkraft in der Lage sind, unseren Konsumstil zu imitieren. Genau genommen – Ulrich Beck und Wolfgang Sachs haben das einmal so genannt – haben wir es mit Zombiekategorien zu tun, wenn wir meinen, per se reiche und arme Länder unterscheiden zu können. Die Wahrheit ist, dass durch jedes einzelne Land die Grenze zwischen arm und reich verläuft. Die Verantwortung dafür, dass in armen Ländern wenigsten Nahrungsmittelsouveränität herrscht, um die eigene Bevölkerung ernähren zu können, liegt auch in diesen Ländern selbst. Auch in Afrika müssen Regierungen sich darüber Gedanken machen, wie sie den vorhandenen Reichtum in ihren Ländern besser verteilen. Außerdem lässt sich Hunger nicht durch Wachstum lindern, sondern durch stabile Strukturen der Autarkie und Selbstversorgung.

FRAGE: Wie wird es weitergehen? Krisen sind wahrscheinlich. Denkbar ist auch, dass die Waage letztlich nicht zum Guten hin ausschlägt, sondern dass wir diktaturähnliche Regime erleben werden, in denen sich Eliten mit ihrem dann noch vorhandenen Reichtum einmauern werden. Das Muster ist ja schon häufig zu beobachten.

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Die große Dezentralisierung

PAECH: Ich denke, dass wir eine Tendenz zur Dezentralisierung erleben werden. Viele neue „Inseln“ werden sich womöglich von der Fremdversorgung abschotten, insoweit sie die ökonomische Souveränität dafür aufbringen. Es gibt Schlimmeres, solange derlei Prozesse gewaltfrei verlaufen. Ich habe den Eindruck, dass die Chance hierzu besteht. An vielen Orten bilden sich so genannte transition towns oder ähnliche Projekte, die schon Ernst machen mit dem, was ich als Postwachstumsökonomie bezeichne: der Institutionalisierung eines Lebensstils, der eine Balance zwischen Selbst- und Fremdversorgung in sich trägt, der möglichst de-globalisiert ist und nur noch im Rahmen einer unvermeidlichen Restgröße auf globaler Güterzufuhr basiert. Wenn sich jetzt schon viele derartige – im Sinne von Peter Sloterdijk – Übungsprogramme entwickeln und sichtbar werden lassen, wird der Übergang für diejenigen leichter, die heute noch nicht daran denken, solche Schritte zu gehen. Sie finden dann Beispiele vor, auf die sie zurückgreifen können, wenn der Umschwung unvermeidlich wird. Das Gebot der Stunde ist also nicht, die gesamte Gesellschaft zu überzeugen, sondern diejenigen, die reif dafür sind, als Avantgarde oder Postwachstumselite zu aktivieren.

FRAGE: Wie kommunizieren Sie selber diese Ideen?

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Kommunikation und das eigene Vorbild

PAECH: Ich habe im Laufe verschiedener Forschungsprojekte, die Nachhaltigkeits- beziehungsweise Klimaschutzkommunikation zum Gegenstand hatten, Erfahrung sammeln können. Dabei ist mir eines klar geworden. Meine Großeltern – sie waren natürlich keine Wissenschaftlicher – hatten durchaus recht, als sie sagten: Du kannst nicht Wasser predigen und Wein trinken. Hier liegt das tragische Versagen der vergangenen Nachhaltigkeitskommunikation. Letztlich existiert nur ein wirksames Kommunikationswerkzeug, nämlich die vorgeführte Alltagspraxis in Form übertragbarer Mobilitäts- und Konsummuster. Für mich persönlich bedeutet das, mein Leben von bestimmten Dingen frei zu halten oder zu entrümpeln. Den Ballast der Flugreisen, Autos, Fernseher, bestimmter Nahrungsmitteln, die ich unter Klimaschutzaspekten nicht verantworten kann, trage ich nicht. Hinzu kommt: Als Wissenschaftler bin ich Teil des Experiments. Nachhaltigkeitsforscher und -multiplikatoren, die viel fliegen, Auto fahren, Fleisch essen oder große Häuser bewohnen, behandeln genau diese Handlungsfelder wie Tabuzonen oder setzen auf Entkopplung durch Technik, also auf die „Wasch-mir-den-Pelz-aber-mach-mich-nicht-nass“-Strategie, um den andernfalls an Heuchelei grenzenden Widerspruch zu umgehen.

FRAGE: Nennen Sie bitte ein Beispiel!

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Neue Lebensstile - heute schon

PAECH: Ich bin Vegetarier, esse keinen Fisch, keine Eier, sondern nur Milchprodukte aus kontrolliert ökologischem Anbau aus der Region. Das gilt auch für Gemüse und Obst, das der Saison entsprechen und aus der Region stammen sollte. Mit kleinen Ausnahmen: Wenn ich abends auf einer Konferenz zu Gast bin und etwas auf den Tisch gestellt wird, das nicht aus der Region stammt, dann schiebe ich keinen Hunger. Aber das, was ich selbst oder dort, wo ich lebe und einkaufe, beeinflussen kann, wird ohne Ausnahme in diesem Sinne praktiziert. Ich habe auch kein Einfamilienhaus, sondern lebe in einer Wohnung. Das reicht mir vollkommen. Ich könnte da eine Menge weiterer Dinge aufführen. Worauf es mir ankommt: Ich kann mich nicht als Wissenschaftler vor das geneigte Publikum stellen, etwas über die Postwachstumsökonomie erzählen und dann selbst einen Lebensstil praktizieren, der damit nicht absolut kompatibel ist. Das folgt einfach zwingend aus der Einsicht, dass eine Postwachstumsökonomie zuvorderst eine Lebensstilfrage ist. Das, was wir Kultur nennen, manifestiert sich nicht im Reden oder Schreiben kluger Bücher, sondern ausschließlich in den praktischen Handlungen, die jemand erkennen lässt.

FRAGE: Haben Sie Kinder?

PAECH: Ich habe keine eigenen Kinder. Aber meine Lebensgefährtin hat zwei Kinder. Und die haben für mich natürlich eine wichtige Bedeutung.

FRAGE: Und was sagen die, wenn Sie zu Hause einen bestimmten Lebensstil pflegen – und das bei den Freunden der Kinder anders ist?

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Erziehung

PAECH: Das ist ein schwieriger Prozess der Aushandlung. Ich muss ganz offen sagen, dass die beiden Kinder meiner Lebensgefährtin sicherlich nicht alle Standpunkte teilen, die ich mit ihnen diskutiere und die sich auf mein Leben niederschlagen. Ich lerne von Kindern, wie schwierig es ist, vieles von dem umzusetzen, was ich unter Postwachstumsökonomie verstehe. Aber ich kann ihnen Szenarien aufzeigen, auf die sie sich in Zukunft einstellen müssen. Vor allem muss ich ihnen so widerspruchslos wie möglich jenen Lebensstil vorführen, von dem ich sicher bin, dass er von den Kindern in absehbarer Zeit schon allein zwecks Selbstschutz benötigt wird. Machen wir uns nichts vor, die Kinder und Jugendlichen sind heute weit entfernt von einem nachhaltigen Lebensstil. Aber sie werden mit Sicherheit Eskalationsszenarien erleben, die veränderte Alltagspraktiken der Versorgung und Selbstverwirklichung erzwingen. Wir müssen Kindern und Jugendlichen Improvisationsgeschick und handwerkliche Fähigkeiten mitgeben, ihnen vorleben, wie man mit Wenigem auskommen kann. Auch wenn sie heute den Nutzen solcher Fähigkeiten noch nicht erkennen, werden sie darauf zugreifen können, wenn der Peak Oil-Hausmeister kommt, um die Konsumparty zu beenden.

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Originaltöne

Es geht nicht mit Wachstum

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Es geht mit Resilienz

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Technologisch befeuerte Ersatzreligion

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Entrümpelung und Entschleunigung

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Der Nachbar und die Bohrmaschine

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Wasser predigen und Wein trinken

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