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Der Energiesparpapst Amory Lovins

In einer tri-polaren Welt mit den Eckpunkten Regierungen, Zivilgesellschaft und privatem Sektor hält Amory Lovins die letzt genannte Kraft, die der Unternehmen, für die entscheidende, weil effektivste. Seine These: Genau dort, und zwar auf der Führungsebene, findet derzeit so etwas wie eine kulturelle Revolution statt – Richtung Nachhaltigkeit.

Amory Lovins, das Wunderkind in der Zunft der Energieexperten, warb bereits 1976 in den renommierten Foreign Affairs für einen „sanften Weg“ in der Energiepolitik. Lange bevor die Klimadiskussion entbrannte, plädierte er für eine rationelle Energieversorgung und erneuerbare Energiequellen mit kleineren Einheiten. Keine Großkrafttwerke mit ständig steigendem Energieangebot.

Seit 1982 leitet Amory Lovins das Rocky Mountain Institute in Colorado. Sein Job, neben Reden und Schreiben, ist es, Pilot-Unternehmen zu beraten, ganz im Sinne von Natural Capitalism, der Philosophie des Instituts. Ziel ist es, die Firmen so erfolgreich zu machen, dass andere folgen müssen. Es geht um Hightech, neue Organisationsformen und Business Modelle. Wahrscheinlich hat niemand so viel Erfahrung auf diesem Gebiet wie Amory Lovins. Die Referenzliste des Rocky Mountain Institute liest sich wie ein Who is Who internationaler Konzerne.  Darüber hinaus hat Amory Lovins sehr dezidierte Ansichten zu kulturellen Fragen, die die Ressourcenproblematik berühren. Der Bumerangeffekt wird seiner Ansicht nach überschätzt.

Im August 2007 erhielt Amory Lovins einen der größten internationalen Umweltpreise, den „Volvo Environment Prize“. Der Preis geht an Personen, die durch wissenschaftliche, sozioökonomische oder technologische Innovationen einen herausragenden Beitrag zum Verständnis und Schutz der Umwelt leisten. Bereits im Juni 2007 erhielt Amory Lovins den „Blue Planet Prize“, einen weiteren international bedeutenden Umweltpreis. Damit ist er der Erste, der in einem Jahr diese beiden Preise und damit eine Bestätigung seiner mehr als 30-jährigen Arbeit im Bereich der Energieeffizienz erhält.

Natural Capitalism

Die grundlegende Konzeption ist in dem Buch Natural Capitalism nachzulesen. Zusammen mit seiner damaligen Ehefrau Hunter Lovins und Paul Hawken hat Lovins 1999 verschiedene Ansätze, Ideen und Erfahrungen montiert: hin zu einer dematerialisierten Service-Economy. Die vier Grundbausteine heißen:

  • Radikale Erhöhung der Ressourcenproduktivität. Dematerialisierung als Kernstück.

  • Bio-Mimikri. Vermeidung von Abfall durch geschlossene Kreisläufe.

  • Service-Economy. Dienstleistungen statt Waren.

  • Naturkapital stärken – und damit die lebenserhaltenden Funktionen der Ökosysteme.

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Whole System Engineering

Ein weiteres Grundprinzip: Es kommt nicht darauf an, einzelne Komponenten eines Autos, eines Hauses, einer Fabrikationsanlage zu optimieren, sondern immer das Ganze! Ganz im Sinne der Systemwissenschaften.

Berühmt ist das Konzept des Hypercars aus dem Jahr 1990. Lediglich zwei Prozent der Treibstoffenergie, hat Lovins errechnet, dienen beim herkömmlichen Auto dazu, den Fahrer zu transportieren. Rund 15 Prozent treiben das Fahrzeug. Der große Rest geht einfach verloren. Deshalb seine Forderung: Runter mit dem Gewicht. Das Auto der Zukunft ist aus superfestem Kunststoff. „Man kann einen guten Hypercar nicht aus Stahl machen, aus demselben Grund, warum man ein gutes Flugzeug nicht aus Gusseisen machen kann: Es wiegt zu viel.“ Der Hypercar ist eben ultraleicht. Und dennoch ultrastabil. Die zweite Idee: Weil der Hypercar so leicht ist, kann er zum Beispiel auf große Motoren oder Servolenkung verzichten. Und das wiederum macht windschlüpfriges Design einfacher. Kostenoptimierung Nummer drei: Das geringe Gewicht erlaubt, dem Zukunftsauto einen effizienten Hybridantrieb einzubauen. Dabei produziert ein kleiner, immer mit optimalem Wirkungsgrad laufender Ottomotor Strom, der dann die Elektromotoren in den Rädern speist. Nummer vier: Beim Bremsen werden die Elektromotoren zu Generatoren und gewinnen einen Großteil der Energie zurück, die bei einem herkömmlichen Auto nutzlos verpufft. Der Hypercar könnte seine Energie aber auch aus einer Brennstoffzelle beziehen.

Noch immer ist der Hypercar eine Idee, ein Konzept, allenfalls in Studien-Fahrzeugen realisiert. In den Labors der großen Autoproduzenten wird in viele Richtungen gedacht. Nach zehn Jahren und mehr ist Lovins’ Hypercar noch immer so etwas wie ein Leitmotiv das zeigt, wie viel „Luft“ in der Technik steckt.

Im Interview zieht Lovins eine Zwischenbilanz. Eine ganze Reihe Komponenten sind bereits realisiert. Noch fehlt das Herzstück: die superleichte und –feste Karosserie.

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Technik und Kultur

Die Kernkompetenz des Rocky Mountain Institute liegt in Technik, Logistik- und Organisationsfragen – Consulting also.

Lovins weiß aber auch: „Hypercars können Öl sparen, auch Luft, sie können dem Klima helfen. Aber wogegen auch sie nichts ausrichten können: das ist der Verlust von Land, von Straßen und von Geduld.“ Kulturelle, gesellschaftliche, ethische Fragen – dazu hat Lovins dezidierte Meinungen.

Im Interview spricht er von einer Anthropologie der Energie, von den großen Unterschieden in den verschiedenen Kulturen. Etwa wenn es um Raumwärme geht. Auf die Frage: Warum heizt Du Dein Haus nicht? antworten traditionelle Japaner: Warum sollte ich? Ist dem Haus etwa kalt? Die lange asiatische Tradition vom Leben in Zelten und kaum isolierten Behausungen hat seine Spuren in der Wahrnehmung, in Gewohnheiten und Verhaltensweisen hinterlassen. Moderne Technik kann darauf durchaus reagieren.

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Bumerangeffekt überschätzt

Geld, das durch Energiesparmaßnahmen eingespart wird, fließt einfach in den Wirtschaftskreislauf zurück. Wird für Reisen, das Zweit- oder gar Dritt-Auto investiert – so die oft gehörte Argumentation.

Dieser folgt Amory Lovins jedoch nicht. Die meisten Beispiele aus der Bumerang-Diskussion hält Lovins für verfehlt.

Er folgt auch nicht dem Argument: Überkompensation durch Masse. Nach dem Muster: Wenige große und energieaufwendige Handys von vor 20 Jahren wurden durch viele kleine ersetzt – unterm Strich ein Mehr an Ressourcenverbrauch. All dies hält Lovins für Übertreibungen. Im Einzelfall durchaus möglich, würde der technische Fortschritt insgesamt doch zu einer Entlastung führen.

Originaltöne

1. Good Experience

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2. Bad Experience

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3. Hypercar (1)

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4. Hypercar (2)

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5. Criticising Rebound Critics

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6. Natural Capitalism

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7. Über Albert Einstein (dt)

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