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BDI Rohstoffkongress

Am 20. März 2007 wurde vom Bundesverband der Deutschen Industrie in Berlin der 2. Rohstoffkongress durchgeführt. Vor rund 500 Teilnehmern identifiziert der BDI neben den Wachstumsraten der Schwellenländer Marktverzerrungen auf den internationalen Rohstoffmärkten als wesentlichen Grund für die Preishausse.

Deutschland ist kein rohstoffarmes Land. Stein- und Braunkohle, Salz, Kali, Sand und Kies: alles ausreichend vorhanden. Öl und Gas gibt es ein klein wenig, praktisch alle metallischen Rohstoffe aber müssen importiert werden. Ohne die dreht sich in Deutschland kein Rad. Aber gerade aus diesen metallischen Rohstoffen werden die Produkte hergestellt, mit denen Deutschland Exportweltmeister wurde, im Maschinen- und Anlagenbau, im Fahrzeugbau. Kein Wunder also, dass der Bund der Deutschen Industrie (BDI) sich Sorgen um die deutsche Wirtschaft macht, wenn die Preise für diese Rohstoffe steigen und steigen.

Auf dem ersten Rohstoffkongress vor zwei Jahren wurde die Einrichtung einer Arbeitsgruppe beschlossen, die eine Situationsanalyse machen und Lösungsvorschläge unterbreiten sollte. Am 20.3.2007 wurden in Berlin nun Ergebnisse dieser BDI-Präsidialgruppe „Internationale Rohstofffragen“ präsentiert.

Kernbotschaften

In sieben Kernbotschaften formuliert die Arbeitsgruppe des BDI, was aus ihrer Sicht zum Thema Ressourcen zu sagen ist.

1.Nicht nur Öl und Gas sind wichtig. Auch metallische Rohstoffe sind für den Wirtschaftsstandort Deutschland von strategischer Bedeutung. Ein großer Teil der Produkte, mit denen deutsche Unternehmen auf den Weltmärkten erfolgreich sind, basiert auf metallischen Rohstoffen. Praktisch alle dieser metallischen Rohstoffe werden importiert. Sie sind für zahlreiche Branchen unverzichtbar.

2.Alleine auf die Steigerung der Preise in diesem Rohstoffsegment seit 2001 ist ein merkbarer konjunktureller Bremseffekt zurück zu führen. Ohne die Preissteigerungen läge die Produktion in diesem Zeitraum in Deutschland um 0,6% höher, beim BIP macht der Effekt 0,4% aus. Auf das Konto der Preissteigerungen im Bereich der Metallischen Rohstoffe gehen rund 140.000 Arbeitsplätze oder rund 0,4% Arbeitslosenquote.

3.Wegen des starken Wachstums der Schwellenländer wird die Nachfrage nach Rohstoffen hoch bleiben, hohe Preise und knappe Mengen werden die internationalen Märkte noch lange beschäftigen.

4.Besondere Sorgen macht sich der BDI um den abnehmenden Wettbewerb auf den Beschaffungsmärkten: Konzentrationsprozesse, Rohstoffprotektionismus durch gezielte handels- und wettbewerbsverzerrende Eingriffe, beispielsweise Ausfuhrzölle für Rohstoffe würden sich wie ein Exportverbot auswirken.

5.Trotzdem ist der BDI der Überzeugung, dass die Rohstoffversorgung in erster Linie Sache der Unternehmen selbst ist.

6.Die Hilfe der Politik wird dort erwartet, wo die unternehmerischen Möglichkeiten zur Rohstoffsicherung ausgeschöpft sind. „Politisch verursachte Probleme auf den internationalen Rohstoffmärkten müssen politisch gelöst werden“, ist im Abschlussbericht der Präsidialgruppe des BDI zu lesen.

7.Politik für Rohstoffsicherheit erfordert Ressort-übergreifendes Denken. Daher fordert der BDI eine Interministeriale Arbeitsgruppe zum Thema Ressourcenpolitik. Kanzlerin Angela Merkel hat diese Arbeitsgruppe anlässlich ihrer Rede auf dem Kongress zugesagt.

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Kernforderungen an die Politik

Sechs Kernforderungen stellt der BDI, um die Rohstoffsicherheit der deutschen Industrie langfristig zu sichern.

1.Bei den multilateralen Handelsbeziehungen muss auf neue WTO-Regeln hingewirkt werden, die Protektionismus wirkungsvoll verhindern. Derzeit gelten beispielsweise Exportzölle noch als WTO-konform, die - je nach Höhe des Ausfuhrzolls - wie ein Exportverbot wirken.

2.Da auf der Ebene der WTO kurzfristig keine Erfolge hinsichtlich neuer Regeln zu erwarten sind, muss die Bundesregierung in bilateralen Handelsabkommen protektionistischen Tendenzen auf den Rohstoffmärkten entgegen wirken.

3.Auf dem Gebiet der Außenwirtschaftspolitik soll die Bundesregierung die bisherigen Garantien für Projekte der Rohstoffförderung im Ausland von politischen Risiken auch auf wirtschaftliche Risiken ausdehnen.

4.Die Außenpolitik muss ihre Möglichkeiten im Sinn einer Politik zur Sicherung der Rohstoffe stärker nutzen, um Rohstoffinteressen zu befördern und wettbewerbsverzerrende Praktiken abzumahnen.

5.Es muss eine Entwicklungspolitik durch die Brille der Rohstoffpolitik betrieben werden. Sie soll unter Beachtung ihrer bisherigen Ziele die Rohstoffversorgung sicherer machen, in dem sie auf Rechtssicherheit, Investitionsschutz und den Abbau von Exportbeschränkungen hinwirkt.

6.Die Europäische Union muss übermäßige Reglementierungen und Regelungen aufheben, sich sich auf Abfälle und nachwachsende Rohstoffe beziehen.

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Unternehmen müssen Hausaufgaben machen

Aber auch an die eigene Klientel werden Forderungen gestellt, zunächst die Elemente unternehmerischer Rohstoffsicherung umzusetzen:

War das Ausgliedern nicht zum Kerngeschäft zählender Unzernehmensbereiche lange Zeit „in Mode“, so sollte dieser Trend zumindest bei den von Rohstoffen abhängigen Unternehmen neu überdacht werden. Durch gezielte Beteiligungen an der Rohstoffförderung können deutsche Unternehmen ihre Versorgungssicherheit verbessern. Dabei gibt es allerdings je nach Rohstoff aufgrund der bereits eingetretenen Konzentration unterschiedliche Möglichkeiten.

Wo die Beteiligung an der Rohstoffversorgung nicht zum Ziel führt, schlägt der BDI langfristige Lieferverträge und Partnerschaften vor.

Eine breite Streuung der Lieferanten kann das Risiko eines versiegenden Rohstoffstromes verringern.

Kleine Unternehmen können sich zu Einkaufskooperationen zusammenschließen, freilich unter Beachtung der jeweils gültigen kartellrechtlichen Rahmenbedingungen.

Die Auswirkungen von steigenden Rohstoffpreisen können durch spezielle finanzielle Absicherungsinstrumente gemildert werden. Für viele Rohstoffe sind solche Absicherungsgeschäfte möglich, für andere wie beispielsweise Stahl jedoch nicht.

Durch die Etablierung von Frühindikatorensystemen kann eine Reaktion auf drohende Preissteigerungen frühzeitig erfolgen - noch bevor „das Kind in den Brunnen gefallen ist“.

Last not least sollen die Unternehmen auch noch nicht ausgeschöpfte Potentiale im Bereich der Material- und Energieeffizienz realisieren. „Die Ressourcen- und Prozesseffizienz zu steigern und Alternativen zu den bislang verwendeten Rohstoffen zu prüfen, ist die erste und nächstliegende technische Antwort auf die Verteuerungen einzelner Rohstoffe und fester Bestandteil unternehmerischer Aktivitäten“.

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