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"Überraschen wir uns damit, was möglich ist"

"Im Grunde war das Übereinkommen von Rio, das Bekenntnis zur nachhaltigen Entwicklung, einer der großen Durchbrüche, der dazu geführt hat, dass neben der sozialen und der wirtschaftlichen Komponente auch die ökologische Komponente – dass unsere Ressourcen beschränkt sind und dass wir vernünftig mit ihnen umgehen müssen – stärker Eingang in das Denken der Menschen gefunden hat. In der Folge von Kyoto gab es verschiedene Rahmenabkommen, von denen das Klimarahmenabkommen das ist, das unsere Aufmerksamkeit am stärksten beansprucht."

2012 läuft das Kyoto Abkommen aus. Auf dem G8 Gipfel 2007 in Heiligendamm machte Premierminister Singh aus Indien nun den Vorschlag, der in der Klimadiskussion "Kontraktion und Konvergenz" oder "cap and share" genannt wird d.h. jeder Mensch hat das Recht auf gleiche CO2-Emissionen.

Die deutsche Bundeskanzlerin hat ihm nicht nur gut zugehört sondern diese Worte verinnerlicht. Seit Heiligendamm vertritt sie in ihren Reden diese Position. Seitdem überrascht Merkel immer häufiger, als Staatsfrau, als Naturwissenschaftlerin, als Mit-Mensch.

Klimaschutz hat für die Bundeskanzlerin mit Moral zu tun. Vor dem Klima sind alle Menschen gleich. "Kein Mensch hat das Recht dem Klima mehr Schaden zuzufügen als Andere."

Das ist ebenso radikal wie mutig.Und sie zieht die Verbindung zwischen Ressourcenverbrauch und Emissionen. Auf dem Hintergrund der Klimaveränderung liegt es im Interesse der Industrienationen den sparsamen Umgang mit Ressourcen zur Normalität werden zu lassen.

Ihrem Postulat "Wir sind verpflichtet, alle technologischen Möglichkeiten zu nutzen, um unseren Lebensstil mit weniger Ressourcenverbrauch verfolgen zu können." folgt das Plädoyer der Naturwissenschaftlerin: Wir müssen in langen Zyklen denken, nur so können wir sehen wie sich das Ganze in 50 bis 100 Jahren entwickelt, "nur dann haben wir genügend Zeit , um den nötigen Wandlungsprozeß ökologisch vernünftig zu gestalten."
Politiker, die in weiten Zeithorizonten, über ihre Amtszeit hinaus denken können und sich auch trauen die Schlußfolgerungen daraus mit Handlungsaufforderungen zu belegen, sind mehr als selten.

"Der Klimawandel ist vom Menschen gemacht, und er beschleunigt sich. Er wird zu dramatischen Schäden führen, wenn wir nicht entschlossen handeln. Doch nicht nur die nüchternen Fakten und Zahlen rufen zum Handeln auf. Es ist auch die Frage, in welcher Zukunft wir leben wollen. Wollen wir eine Welt, in der unsere Küstenstädte von Überflutung bedroht sind und in anderen Städten gleichzeitig Wassermangel herrscht? Oder wollen wir eine Welt, in der wir unsere weitere Entwicklung sicher und erfolgreich gestalten können?"

Sie erläutert an anderer Stelle: "Halbierung der CO2-Emissionen heißt nichts anderes, als dass wir von CO2-Emissionen von heute 4 Tonnen pro Kopf der Weltbevölkerung auf 2 Tonnen kommen müssen. Dabei habe ich allerdings noch nicht eingerechnet, dass die Weltbevölkerung noch steigen wird. 4 Tonnen pro Kopf – China liegt heute bei 3,5 Tonnen, Indien liegt weit darunter, die Vereinigten Staaten von Amerika bringen 20 Tonnen pro Kopf auf die Waage, Deutschland 11 Tonnen, die Europäische Union im Durchschnitt 9 Tonnen. Da sehen Sie die Dimension, vor der wir stehen."

Bei all dem ganz wichtig: Sie entwirft eine positive Vision: "Vielleicht wird sich der Wohlstand wandeln, aber so, dass wir es nicht als Verzicht erleben werden."