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Interview Ryoichi Yamamoto
Nationaler Konsens: Eco-Japan

FRAGE: Japan verfolgt einen konsequenten Weg Richtung Dematerialisierung. Die japanische Regierung hat 2001 eine ganze Reihe von Gesetzen in diese Richtung verabschiedet. Wie ist das Verhältnis von Regierung und Wirtschaft?

YAMAMOTO: Über die Vision und die Ausrichtung unserer Gesellschaft gibt es einen Konsens: hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft. Regierung und Wirtschaft haben das selbe Ziel: Eco-Japan.

FRAGE: Kein Dissenz?

YAMAMOTO: Nein.

Ökoeffizienz stärkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit Japans

FRAGE: Welche Interessen hat denn die japanische Wirtschaft auf diesem Weg?

YAMAMOTO: Es gibt viele Gründe. Der wichtigste ist, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

FRAGE: Warum stärkt Ökoeffizienz die Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten?

YAMAMOTO: Europäische, amerikanische und japanische Unternehmen, sie alle drängen in die asiatischen Märkte. Asiaten wollen aber ökologische Produkte kaufen. Wenn wir auf den asiatischen Märkten nicht durchdringen, verlieren wir auch auf dem Weltmarkt. Das ist ein Szenario, das wir gerne vermeiden wollen. Aus diesem Grunde müssen wir ökologische Produkte und Services anbieten, insbesondere auf dem Feld nachhaltiger Energie.

FRAGE: Sie wollen die Nummer eins auf dem Weltmarkt werden.

YAMAMOTO: Ja, würden wir gerne. (lacht)

FRAGE: Sind Sie denn bereits auf dem Weg?

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Japan - ein ressourcenarmes Land muß dematerialisieren

YAMAMOTO: Wir bemühen uns. Japan hat selber einfach keine Ressourcen. Deshalb müssen wir dematerialisierte Produkte entwickeln.

FRAGE: Wo liegen denn die Haupthindernisse auf dem Weg zu einer Recycling-Gesellschaft, wie Sie es nennen?

YAMAMOTO: Das größte Hindernis ist das Fehlen von Umweltbewusstsein. Das allgemeine ökologische Bewusstsein in Japan ist nicht so ausgeprägt. Jeder Student strebt nach materiellem Reichtum, amerikanischem Lebensstil. Das ist natürlich nicht so gut für eine Vision von einem Eco-Japan. (lacht) Wir müssen mehr Gewicht auf die Bildung legen. Wir haben zwar gute Traditionen, z.B. die eines einfachen Lebens, aber die sind nach dem Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Die schnelle wirtschaftliche Entwicklung hat alles mitgerissen. Wir müssen an unsere alten Traditionen wieder anknüpfen.

FRAGE: Eine kulturelle Frage. Die ganzen gesellschaftlichen Werte und Verhaltensweisen zu verschieben, das ist nicht so einfach.

YAMAMOTO: Nein, das glaube ich nicht. Die Japaner werden das schon verstehen: die Notwendigkeit der Dematerialisierung, die Notwendigkeit, ökologisches Hightech zu entwickeln. Das Problem ist, ihr Kaufverhalten geht noch nicht in die Richtung. Sie bevorzugen materiellen Reichtum.

FRAGE: Das ist in Europa nicht viel anders.

YAMAMOTO: Es ist sicher auch ein Mangel an Information, z.B. über die Umweltauswirkungen von Produkten.

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Japan - ein Modell für andere asiatische Länder

FRAGE: Glauben Sie, dass die japanische Recycling-Wirtschaft ein Modell werden kann für andere asiatische Ökonomien wie China?

YAMAMOTO: Ja. China hat mehr als 1.3 Milliarden Menschen. Sie brauchen einfach saubere Technologien. Diesen Technologietransfer müssen wir unterstützen: Eco-Business in seiner vollen Bedeutung. In den vergangen 20 Jahren war ich 42 Mal in China. Ich habe mehrere Gastprofessuren dort. Die Chinesen sind sehr intelligent. Sie verstehen die globalen Klima- und Umweltprobleme. Aber sie haben zu wenig Wissen über dematerialisierte Technologie. Dieses Wissen, diese Konzepte und die Visionen sollten wir dort hin tragen. Das Wirtschaftswachstum in China ist rasant: für das ganze Land acht Prozent und in den Industriezentren des Südens sogar 25 Prozent.

FRAGE: Unglaublich.

YAMAMOTO: (lacht) Für uns Japaner auch.
 

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Ökoindustrie als Konjunkturprogramm

FRAGE: Welche Auswirkungen hat denn die Wirtschaftskrise auf das Green Business in Japan?

YAMAMOTO: Die Öko-Industrie wird die japanische Wirtschaft schon wieder hoch bringen. Grüne Technik wird auf dem Weltmarkt sehr wichtig werden. Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik, Recyclingtechnik, ich persönlich interessiere mich vor allem für ökologische Materialien. Wenn wir diese hochsauberen Materialien entwickeln, dann können wir auf dem Weltmarkt überleben.

FRAGE: Ihre Vision bitte: Japan in zehn oder 20 Jahren!

YAMAMOTO: Während der vergangenen zehn Jahre haben wir in Japan ein Tal durchschritten, hinzu kam der Crash der New Economy. Gleichzeitig hat Japan eine ganze Serie ökologischer Gesetze verabschiedet. Einerseits haben wir zehn Jahre verloren, andererseits sind wir auf den nächsten Sprung in der Öko-Technik nun vorbereitet. In weiteren zehn Jahren sind wir wirtschaftlich wieder vorne und zwar durch ein Beschäftigungsprogramm.

FRAGE: Mit Ökotechnik und Green Business...

YAMAMOTO: Genau. Recyclingtechnik und regionale Entwicklungsprogramme werden erhebliche Beschäftigungseffekte haben.

FRAGE: Ist Green Business bereits ein Mainstream oder spielt sich das eher in einer Nische ab?

YAMAMOTO: Das Green Business macht bereits 20 Prozent des japanischen Bruttosozialprodukts aus, End-of-Pipe-Technik plus Ökoprodukte.
 

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The Goal is Eco-Japan

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