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Umwelt in Europa

Ein Schwerpunkt des aktuellen, des dritten Umweltberichts der European Environment Agency (EEA) sind Energie- und Ressourcenfragen. Effizienzfortschritten, etwa bei der Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch, stehen Tendenzen gegenüber, Umwelt-belastungen in Länder jenseits der EU-Grenzen zu verlagern. Auf fast 600 Seiten fasst der Bericht die wichtigsten Fakten und Perspektiven zusammen.

Zustand und Ausblick 2005

Der 'ökologische Fußabdruck'  pro Person in der EU-25 (also die  geschätzte Landfläche, die für die Produktion der von uns verbrauchten Ressourcen und die Aufnahme der  von uns erzeugten Abfälle benötigt wird) hat eine Größe von fünf ‚globalen’ Hektar — etwa die Hälfte des USamerikanischen, aber größer als der japanische und mehr  als doppelt so groß wie der durchschnittliche 'Fußabdruck'  von Ländern wie Brasilien, China oder Indien.“

Aus Ressourcensicht ist es ein großer Schritt, wenn die Europäische Union sich in ihrem aktuellen Umweltbericht die Methode des ökologischen Fußabdrucks zu eigen macht. „Die gesamte globale Nutzung der natürlichen Ressourcen liegt bereits ungefähr 20 % über der jährlichen Erneuerungsrate“, heißt es in dem Dokument. Damit erkennt eine der größten Wirtschaftsmächte die Begrenztheit des ökologischen Trägersystems Erde an– in der Sache nicht neu, aber von erheblicher politischer Tragweite.

Anfang der 60er Jahre betrug der ökologische Fußabdruck auf dem Gebiet der heutigen EU-25 noch drei globale Hektar pro Kopf und war damit innerhalb der natürlichen Kapazitäten des eigenen Lebensraums. Mittlerweile exportiert Europa seine ökologischen Probleme in erheblichem Umfang; gleichzeitig importieren die Länder der EU immer mehr Ressourcen und damit Naturkapital.

Europa – wie alle Industrieregionen – ist eine „Kohlenstoffgesellschaft“: Der mit Abstand größte Teil des ökologischen Fußabdrucks, rund die Hälfte, geht auf das Konto von CO2-Emissionen. D.h. in der Betrachtung des ökologischen Fußabdrucks: Der durchschnittliche Europäer benötigt 2,5 Hektar Wald, die seinen Verbrauch an fossilen Energieträgern neutralisieren.

Klima und Energie nehmen im Umweltbericht breiten Raum ein. Im europäischen Durchschnitt sind die Temperaturen über die vergangenen 100 Jahre bereits um 0,95 ºC gestiegen. In Europa gibt es mittlerweile weniger Schnee und mehr Regen, die Gletscherregionen leiden massiv. Gegen 2050 werden drei Viertel der Alpengletscher verschwunden sein. Bemerkenswert, wie in dem seriös gehaltenen Dokument die katastrophalen Folgen in der Arktis beschrieben werden, wenn der Permafrost-Boden weiter auftaut. Straßen, Gebäude und Pipelines versinken. Auch der Meeresspiegelanstieg ist bereits messbar: 0,8 Zentimeter an den französischen und englischen Küsten und 3,0 Zentimeter an der Atlantikküste Norwegens. Das Potenzial eines weiteren Anstiegs ist gewaltig.

Bis 2030 wird der Energieverbrauch europaweit voraussichtlich um 20 % steigen, prognostiziert der Report. Im selben Zeitraum wird das Bruttoinlandsprodukt wohl deutlich mehr zulegen. Die Entkoppelung von Wirtschaft und Energie findet also weiter statt. Trotzdem: 20 % mehr Energie, das ist ein „Trend in die falsche Richtung“.

Die EU rechnet damit, dass sie die kurzfristigen Kyoto-Ziele im Klimaschutz (bis 2012) wird einhalten können. Darüber hinaus haben die EU-Minister sich vorgenommen, die CO2-Emissionen bis 2050 radikal zu senken, um 60 % bis 80 %, gemessen am Jahr 1990. Das Ziel heißt: Die Klimaerwärmung in vertretbaren Grenzen halten; als tolerierbar gilt eine Erhöhung der Durchschnittstemperatur um maximal 2 ºC. Wie die massive Reduktion der Emissionen realisiert werden kann, darauf gibt der Bericht nur unzureichende Antworten.

Für eine Wirtschaft mit hohen CO2-Emissionen gibt es laut Bericht prinzipiell nur drei Möglichkeiten: „Senkung des Energieverbrauchs, Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien und Verbesserung der Energieeffizienz“. Zukunftsweisende Technologien: CO2 direkt bei der Entstehung im Kraftwerk binden und speichern oder die Brennstofftechnologie für Fahrzeuge. Andererseits wird der Flugverkehr zwischen 2000 und 2030 vermutlich um 100 % steigen. Immerhin nennt der Umweltbericht auch einige politische Ansätze: „Eine allmähliche Umstellung der Bemessungsgrundlage von der Besteuerung ‚guter Ressourcen’ wie Investitionen und Arbeit auf die Besteuerung ‚schlechter Ressourcen’ wie Verschmutzung- und Verschwendung könnte helfen, Umweltkosten in die Dienstleistungs- und Produktpreise einfließen zu lassen.“

Eine der wichtigsten Ressourcen der EU ist der Boden. Europa ist diesbezüglich sehr reich, auch der Wald nimmt aufs Ganze gesehen wieder zu. Und dennoch: Natürlicher Boden, einmal zerstört, versiegelt oder erodiert, erholt sich über Jahrzehnte nicht mehr – praktisch also keine erneuerbare Ressource. Die künftige Entwicklung Europas, mit zunehmender Verstädterung, Straßenbau und intensiv betriebener Landwirtschaft, verheißt nichts Nachhaltiges.

Kein europäischer Umweltbericht, der die Meeresfauna unerwähnt ließe. 75 % der weltweiten Fischbestände sind bereits überfischt. „Nachdem (auch) in Europa viele Bestände erschöpft sind, ist die europäische Fischereiflotte weiter draußen tätig.“ Viele Arten sind bereits bedroht, das Ökosystem Meer selber ist in Gefahr, denn auf lange Sicht ist ein Ausweichen auf die Hochsee auch keine Lösung.

Weiter beschreibt der Report zwei Haupttrends in der allgemeinen Entwicklung: Die Ursachen der Probleme liegen danach weniger auf Seiten der Produktion, sondern eher beim allgemeinen Konsum; hinzu kommt, dass die globalen Wirtschaftstrukturen zu einer enormen Steigerung des Warenverkehrs und einer heftigen Konkurrenz auf den Rohstoffmärkten geführt haben. Die Bedeutung der Ressourcenfrage nimmt also weiter zu.