-
Schwerpunkt Wachstum III
Oktober 2011 -
Schwerpunkt Wachstum II
September 2011 -
Schwerpunkt Wachstum I
August 2011 -
Zitate Merkel
Oktober 2007 -
Rohstoffmanagement
September 2007 -
Deutsche Rohstoffstrategie
April 2007 -
Energiepolitik und Macht
November 2006 -
New Deal
November 2006 -
Moriguchi
Oktober 2006 -
Bringezu
Oktober 2006 -
Meadows
Juni 2006 -
Ressourcenstrategie
für Deutschland
April 2006 -
MOSUS
Februar 2006 -
Europäische Ressourcenstrategie
Januar 2006 -
Umwelt in Europa
Dezember 2005 -
3 Aachener Studien
Oktober 2005 -
Ressourcenschutz in Hamburg
Oktober 2005 -
Göppel/Pfeiffer
Juli 2005 -
Transition Management
Juni 2005 -
Resourcenstrategie der EU
Februar 2005 -
Materialeffizienzpreis
jährlich -
OECD
April 2004 -
Meyer et al.
März 2004 -
Ressourcenpolitik
Mai 2003 -
Jänicke
Mai 2003 -
Halls
Mai 2003 -
Yamamoto
Mai 2003 -
Aloisi de Larderel
Mai 2003 -
von Weizsäcker
Mai 2003 - Linksammlung Politik
Das Wachstums-Dilemma
"Der Grund, warum es so schwierig ist, ist ein Teil dieses Dilemmas, es hat zwei Seiten. Erstens Wachstum ist nicht nachhaltig, zweitens, Null-Wachstum, eine nichtwachsende Ökonomie (ich persönlich bevorzuge die französische Variante decroissance, klingt sehr appetitlich) ist nicht stabil, wir wissen nicht, wie eine Wirtschaft aussehen soll, die nicht wächst. Das ist die Realität. Und diese Realität hat uns während der Finanzkrise und der Rezession eingeholt. Weil nämlich unsere Ökonomie um die Idee des Konsumwachstums herumgebaut wurde. Unsere Investitionen sind so angelegt, dass sie expansiv auf Konsummärkte wirken. Und neue, spannende Produkte finden einen perfekten Gegenspieler, nämlich in uns, den Konsumenten. Einfach weil wir neue Sachen lieben.
Im Alltag sind wir in unseren eigenen Konsummustern gefangen, wir nutzen materielle Dinge wie eine Sprache, um anderen zu signalisieren, wie wichtig wir sind, wie sehr wir einander lieben und wie unsere Stellung in der Gesellschaft beschaffen ist. Wir nutzen diese Dinge, um unsere eigene Identität zu stärken, um unsere soziale Eingebundenheit zu dokumentieren, sie haben eine reale Bedeutung in unserem Leben. Das ist der Grund für das Dilemma. Und genau hier ist unsere eigene Verwurzelung in der ökonomischen Struktur, so etwas wie eine soziale Logik.
Genau deshalb ist es in der Politik auch unmöglich, Wachstum von der Agenda zu streichen. Ich finde, bis zu einem gewissen Punkt müssen wir unseren Politikern das auch verzeihen; natürlich nicht allen, einige sind sicher auch schuldig zu sprechen und ohne gute Absichten. Das Dilemma des Wachstums zeigt uns sehr deutlich, dass Politiker und Regierungsvertreter in dieser Falle festsitzen.
Worin besteht die politische Antwort auf das Problem? Es ist die Idee der Entkopplung. In einer kapitalistischen Wirtschaft gibt es die Möglichkeit, Dinge effizienter zu machen, indem wir technisch innovativ sind. Alle diese Innovationen müssen doch für etwas gut sein, und einer der Gründe ist die Effizienz. Low-Carbon-Technologie oder Energieeffizienz oder Ressourceneffizienz, das sind Vorteile, die wir im Übergang zu einer nachhaltigen Ökonomie benötigen. Und die Hoffnung, aus diesem Dilemma zu entkommen, ist: dass wir klug genug sind und die Entkopplung weit genug treiben können. Dass wir ausreichend gute Technik haben, damit das Wachstum weitergehen kann, damit die ökonomischen Werte weiter anziehen können, und zugleich der Ressourcenverbrauch und die ökologischen Auswirkungen zurückgehen. Dass wir unsere Ökonomie von den zerstörerischen Auswirkungen auf die Umwelt befreien können. Dies ist eine sehr starke Idee.
Zwei Fragen: Haben wir das bereits jemals erreicht? Gibt es Beispiele in der Geschichte von absoluter Entkopplung? Ein weiteres Paradox ist, dass wir bereits sehr effizient waren. Die Energieintensität der Wirtschaft vor 30 bis 40 Jahre betrug ungefähr ein Drittel des heutigen Wertes. Und doch sind während dieser Zeit die Kohlenstoff-Emissionen um 40 Prozent gestiegen. Was ist da los? Wie funktioniert das System? Wir sehen eine Ökonomie, die immer effizienter wird, weil dadurch die Erträge gesteigert werden. Es ist eine Welt, in der technologischer Fortschritt uns effizientere Prozesse ermöglicht. Aber zugleich wächst die stoffliche Nachfrage der Ökonomie als ganze. Der Konsum hat nicht aufgehört, die Nachfrage nach Konsumgütern ebenso wenig. Und die schiere Größe der globalen wirtschaftlichen Prozesse kompensiert Effizienz immer und immer wieder. Es ist, als würde man eine Rolltreppe entgegen ihrer Fließrichtung hinauflaufen."



