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Kant und die Erschöpflichkeit der Ressourcen
"Denn nun kommt etwas ins Spiel, was wir berücksichtigen müssen: die Erschöpflichkeit der Ressourcen. Da brauchen wir gar nicht mit Marx zu argumentieren. Da können wir uns auf Immanuel Kant verlassen, und seine Schrift „Zum ewigen Frieden“. Und in dieser Schrift von 1795, auch in dieser Zeit entstanden, schreibt er von der Erde mit ihrer begrenzten Kugelfläche, auf der sich die Menschen, damit sie friedlich zusammenleben können, auch eine Ordnung geben müssen und sich „gesellen“ können. Sie müssen einem kategorischen Imperativ folgen, der da besagt, dass die Lebensweise, die die Menschen für sich beanspruchen, auch für alle anderen Lebewesen zur gleichen Zeit und auch in Zukunft realisierbar bleiben muss. Und das ist das große Problem, vor dem wir stehen. Die Lebensweise, die wir in diesen 200 oder 250 Jahren seit der industriellen Revolution entwickelt haben, ist nicht globalisierbar. Sie ist nicht universell machbar. Es ist nicht möglich, dass alle jetzt etwa sieben Milliarden Menschen und 2050 neun Milliarden Menschen genauso leben, genauso viel Stoffe und Energien verbrauchen, wie wir es gewohnt sind zu tun. Und wenn wir davon ausgehen, das Wachstums geht noch weiter die nächsten Jahrzehnte, dann werden wir noch mehr Energie brauchen, noch mehr Stoffe umsetzen, in Abfälle usw., und das sollen alle neun Milliarden Menschen machen? Das geht nur mit Mord und Totschlag. Da kann man sich nicht auf dieser begrenzten Kugelfläche der Erde gesellen.
Und wenn wir das genauer sehen, die begrenzte Kugelfläche ist nicht nur im territorialen Sinne zu verstehen, sondern auch als die Gesetzmäßigkeit, die wir zu beachten haben. Die Gesetzmäßigkeiten der Gesellschaft, wie man friedlich zusammenleben kann. Das ist nicht leicht, wie wir wissen. Wir können ja von Jahrzehnten Wachstum sprechen. Wir müssen dann aber auch von Jahrzehnten Kriegen sprechen. Und wir müssen vor allem auch sehen, dass es Naturgesetze gibt, die zu beachten sind, die wir auch nicht einfach aushebeln können. Und wenn es so ist, dass die Menschen immer besser gelebt haben und die neuen Menschen, die jetzt also auch in die industrielle oder postindustrielle Zivilisation eintreten, auch besser leben wollen, dann ist es klar, dass dieser Wunsch vollkommen berechtigt ist, dass aber die Realisierbarkeit angesichts der ganzen Ressourcen nicht machbar ist."



