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Schwerpunkt Wachstum Teil I
Wirtschaftlicher Erfolg oder Misserfolg wird gemessen in der Steigerung des Bruttoinlandsprodukts. Eine Wirtschaft, die nicht mit-wächst, verliert. Gleiches gilt für Unternehmen. Ob Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, Währungsstabilität – Wachstum ist die Antwort auf fast alle politischen Sorgen.
Gleichzeitig wächst das Unbehagen mit der Wachstumsideologie. Ein jährliches Wachstum von 3 Prozent bedeutet rechnerisch eine Verdoppelung aller Güter und Dienstleistungen alle 23 Jahre, eine Vertausendfachung alle 234 Jahre. Kein Individuum, keine Spezies, nichts und niemand ist in der Lage, unendlich zu wachsen.
Global befinden wir uns in einer Wachstumsphase ohnegleichen. Über die nächsten Jahrzehnte wird die Weltbevölkerung von derzeit knapp sieben Milliarden auf neun bis zehn Milliarden anwachsen. Zugleich befinden sich die Schwellen- und Entwicklungsländer in einer beispiellosen Aufholjagd. Milliarden Menschen haben den einen Wunsch, sich aus bitterer Armut herauszuarbeiten und zu bescheidenem Wohlstand zu kommen.
Dabei sind die ökologischen Grenzen des Planeten bereits überschritten. Kein Wunder also, dass der Wachstumskurs in Frage gestellt wird. Zumindest in Europa. Für einige ist materielles Wachstum gleichbedeutend mit sinnentleertem Konsumismus. Worauf es ankommt, sei eine Besinnung auf die regionalen Ressourcen und die eigenen Fähigkeiten, so argumentiert etwa der Ökonom Niko Paech, einer der Fürsprecher einer Postwachstumsökonomie. Und er hat gute Argumente, dass die Dematerialisierung mit Blick auf die Wachstumsthematik nicht die Lösung aller Lösungen sein kann. Ähnlich sieht es Uwe Schneidewind, der Präsident des Wuppertal Instituts. Für ihn ist die Wachstumsfrage verknüpft mit der Entwicklung neuer Wohlstandsmodelle, gerade für uns, für die Bewohner der frühindustrialisierten Länder.
Denn die Entwicklung der Güter und Dienstleistungen auf diesem Planeten ist ja nicht rückläufig – im Gegenteil! Damit der gegenwärtige Wachstumsschub nicht im ökologischen Kollaps endet, ist eine gleichzeitige dramatische Verringerung des Energie- und Rohstoffdurchsatzes unabdingbar. Europas historische Aufgabe liegt darin, voranzugehen und Wege in eine ökologische Industriegesellschaft zu erkunden.
Faktor X wird die Debatte in den kommenden Monaten vertiefen. Zunächst werden wir Vertreter der Wachstumsdiskussion zu Wort kommen lassen. Den Abschluss bilden eine Analyse und ein Ausblick. Den Anfang machen drei Vertreter der aktuellen Wachstumsdebatte:



