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Franz Josef Radermacher: Wachstum als Optimierung innerhalb definierter Leitplanken
Franz Josef Radermacher ist Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung in Ulm. Er ist Mathematiker und Ökonom und dann in die Informatik gewechselt. Als Systemwissenschaftler hat er stets das Ganze im Blick: Fragen der Globalisierung ebenso wie die der Bevölkerungsentwicklung, der Armut und der Überwindung der Armut, letztlich geht es ihm um ein nachhaltige Entwicklung für den Globus.
Radermacher gehört nicht zu den Wachstumskritikern im engeren Sinne, ausdrücklich plädiert er für eine globale Wachstumsstrategie, vor allem mit Blick auf die rasch wachsende Weltbevölkerung und die Not in vielen Ländern und bei vielen Menschen. Wachstum ja, allerdings nicht auf Grundlage von „Plünderung“, sondern von mehr Intelligenz und Kooperation.
Die von ihm (mit-) entwickelte Globale Ökosoziale Marktwirtschaft beginnt erst mit der Definition und Durchsetzung ökologischer Leitplanken für alle kritischen Ressourcen, z.B. die Emission von Kohlendioxid. Die langfristige Stabilität der Ökosysteme ist also eine Grundvoraussetzung. Alles andere führt in den ökologischen Kollaps.
Sind diese Caps einmal fixiert, kann sich der menschliche Erfindungsgeist erst richtig entfalten. Dabei hat Radermacher durchaus ein kritisches Verhältnis zur Innovation. Die Technikgeschichte lehrt, dass Erfindungen immer Vor- und Nachteile mit sich bringen. Bei der Ressourceneffizienz kommt regelmäßig der Bumerangeffekt zum Tragen.
Vieles an der herrschenden Wachstumsideologie als Lösung für alles und jedes ist auch für Radermacher kritikwürdig. Und eine Wirtschaft ohne Wachstum ist für ihn durchaus vorstellbar. In der gegenwärtigen globalen Situation, und das ist die entscheidende Perspektive, ist eine Wirtschaft ohne Wachstum aber jenseits aller Möglichkeiten.
Radermacher hat eine anspruchsvolle Vision: einen doppelten Faktor 10, die Verzehnfachung der Wirtschaftsleistung über die nächsten 70 Jahre – unter der Bedingung, dass die Ökoeffizienz sich ebenfalls verzehnfacht. Er spricht von Grünem Wachstum. Der zukünftige Wohlstand wird dabei ein fundamental anderer sein als heute, mit anderen Lebensstilen, anderer Kultur. Konsequenter Umwelt- und Ressourcenschutz hat Priorität, zusammen mit sozialer Balance und kulturellem Miteinander. Wachstum kommt dann erst an zweiter Stelle.
Faktor X dokumentiert Passagen aus einem Interview mit Franz Josef Radermacher aus dem Jahr 2009 zum Thema Wachstum.



