faktor-x.info wird seit Dezember 2011 nicht mehr gepflegt und steht nur noch als Archiv im Internet.

Aktuelle Informationen finden Sie im Lexikon der Nachhaltigkeit - www.nachhaltigkeit.info

HomeSitemapDrucken

Meinhard Miegel:
Für eine Wachstums-Unbedenklichkeitsprüfung

Meinhard Miegel ist Vorstandvorsitzender des Denkwerks Zukunft. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, auf die Risiken ständig steigenden Wohlstands hinzuweisen und eine Kultur jenseits des Wachstums vorzubereiten. Zusammen mit dem CDU-Politiker Kurt Biedenkopf gründete Miegel 1977 das Institut für Wirtschaft und Gesellschaft Bonn. Sein Markenzeichen ist eine Wachstumskritik mit politisch konservativem Hintergrund.

In seinem 2010 veröffentlichten Buch Exit. Wohlstand ohne Wachstum taucht der Name Dennis Meadows nicht ein einziges Mal auf. Nichtsdestotrotz unterzieht Miegel den „Wachstumswahn“ der Industriegesellschaft einer scharfen Kritik. „Die menschheitsgeschichtlich beispiellose Wachstumsorgie der zurückliegenden Jahrzehnte hat die Völker der frühindustrialisierten Länder in einen Rauschzustand versetzt, in dem sie möglichst verharren möchten. Sie fürchten die Ernüchterung, den Kater. Deshalb versuchen sie, mit Aufputschmitteln wie Geldillusion, öffentlichen und privaten Schulden und Ähnlichem den Rausch aufrechtzuerhalten und vielleicht sogar noch ein wenig zu steigern. Denn nur im Rausch, so die Mehrheitsmeinung, ist der Mensch zufrieden und das Gemeinwesen funktionsfähig. Und nur im Rausch, soll heißen, nur bei dynamischem Wirtschaftswachstum, sind nach Ansicht vieler Politiker freiheitliche Demokratien regierbar.“ (Seite 163)

Miegel ist Realist genug, um zu sehen, dass Wirtschaftswachstum nicht mit einem Streich gestoppt werden kann. „Wachstum gehört zum Leben. Doch das von Menschen gemachte Wachstum bedarf, ehe es in Gang gesetzt wird, einer Unbedenklichkeitsprüfung. Denn Menschen sind fehlsam, und sie sind es besonders dann, wenn sie darauf aus sind, ihren Wohlstand zu mehren.“ (Seite 242)

Die Gesellschaft sei auf eine Korrektur des Wachstumskurses nicht vorbereitet, sagt Miegel. Für die Politik ergebe sich daraus eine extrem schwierige Lage. Ausdrücklich plädiert Miegel für eine Steigerung der Ressourceneffizienz. Allerdings, so seine Warnung, sei sie nicht die zentrale Strategie zur Lösung der Umwelt- oder der Überlebensprobleme. Die Herausforderungen der Zukunft sind nach seiner Ansicht in technisch-wirtschaftlichen Kategorien alleine nicht zu fassen – es geht um eine kulturelle Wende.

Wir dokumentieren in Ausschnitten eine Rede, die Meinhard Miegel am 5. Oktober 2010 in Berlin gehalten hat.

WEITER