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Caps und Innovation

"Wenn wir zum Beispiel der Meinung sind, dass wir zum Schutz der Biodiversität 1/10 der Biotope nicht anrühren dürfen, dann ist durchzusetzen, dass wir 1/10 der Biotope nicht anrühren. Und darüber ist nicht mehr zu diskutieren.

Die Ökosoziale Marktwirtschaft beginnt überhaupt erst unter der Prämisse, dass wir das alles getan haben. Wenn man das tut, tritt ein interessanter Effekt auf. Ich wähle dafür ein ganz anderes Beispiel, nämlich das Schreiben von Gedichten oder Songs. Wenn jemand einen Song schreibt, wenn jemand ein Gedicht schreibt, dann agiert er unter der Zusatzrestriktion, dass er einen Reim produzieren muss. Auf den ersten Blick würde man sagen, dass das Texten mit der Zusatzrestriktion Reim sehr viel schwieriger ist, als wenn die Restriktion nicht besteht. Und natürlich ist das richtig. Was aber viele Dichter wissen ist, dass der Zwang einer zusätzlichen Restriktion sehr interessante Kreativitätsprozesse in Gang setzt, die es ohne die Restriktion gar nicht gäbe. Und wir haben wunderbare Gedichte, die viel schöner sind, als sie wären, wenn es gar keinen Zwang zum Reimen gegeben hätte und dies nur deshalb, weil es den Zwang zum Reimen gab.

Ähnlich ist es mit konsequentem Umwelt- und Ressourcenschutz. Es ist merkwürdig, aber eine allgemeine Beobachtung, das manchmal eine Zusatzrestrektion eine unglaubliche Kreativität freisetzt und uns Lösungen produziert, die wir ohne die Restriktion gar nicht produziert hätten.

Der Mensch ist unglaublich kreativ. Wenn wir uns knallharte Caps setzen, mit denen wir im weitesten Sinne die Grenzen der Physik, die Grenzen dessen was ökologisch geht, in den Markt hineinzwingen, dann befördert das erheblich die Kreativität aller Akteure, unter diesen Bedingungen trotzdem Wachstum zu erzeugen. Und wir haben nach bisherigen Erfahrungen überhaupt kein Problem derzeit, Wachstum unter solchen Restriktionen zu erzeugen. Wir werden mit unserer Kreativität unter den bestehenden ökologischen Restriktionen problemlos das nötige Wachstum erzeugen, das wir brauchen. Über 70 Jahre betrachtet sind das im Mittel weltweit betrachtet nur etwa 4 Prozent pro Jahr. Und angesichts der ungeheuren Armut auf diesem Globus und der so ungeheuren Ökoineffizienz praktisch aller Prozesse, die nicht in der reichen Welt erfolgen, ist das Potential für Verbesserungen schon auf der Basis heute verfügbarer Technologien schier gigantisch. Wir reden heute bei Gebäuden über den Faktor 10 bei Green Buildings. Der Faktor 10 bei Green Buildings ist kein Problem. Wir brauchen nur richtige Anreize und Vorgaben und damit die richtige Motivation für Kreativität. Und wenn wir die in das System hinein designen, dann klappt der Rest von alleine."

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O-Ton F.J. Radermacher

Caps und Innovation

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