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Tim Jackson: Einfach, weil wir neue Sachen lieben

Foto: Björn Ecklundt, Heinrich-Böll-Stiftung

Tim Jackson ist Professor an der britischen Universität von Surrey mit den Schwerpunkten Sustainable Development und Lifestyles. Mit seinem neuen Buch Wohlstand ohne Wachstum hat er die Diskussion nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Deutschland ein weiteres Mal angefacht.

Jackson kommt nicht mit vorschnellen Lösungen, im Gegenteil. Ihm geht es zu allererst darum, das vielschichtige Thema Wachstum zu verstehen. Und was er dabei findet, ist das Wachstums-Dilemma. Dass ein unendliches materielles Wachstum auf einem endlichen Planeten nicht möglich ist, ist nicht ernsthaft in Zweifel zu ziehen. Das ist die eine Seite des Dilemmas. Die andere: Wir wissen einfach nicht, so Jackson, wie eine nicht-wachsende Ökonomie heutzutage aussehen soll.(1) Die Wirtschaft, in der wir leben, ist gleichsam um die Idee des Wachstums herum gebaut. Und wir selber, die Konsumenten, spielen dabei kräftig mit. Wir lieben schöne, neue Dinge. Materieller Besitz funktioniert wie eine Sprache, er erzählt Geschichten über unseren Stellenwert in der Gesellschaft. In dieser Sprache drücken wir auch unsere Liebe und Zuneigung zu anderen aus.

In diesem Dilemma gefangen ist auch die Politik. Und ihre Lösung heißt Entkopplung (decoupling) von Wirtschaft einerseits und Energie- und Ressourcenverbrauch andererseits. Jackson referiert noch einmal alle wesentlichen Punkte, wie wir es auch auf Faktor X getan haben: absolute und relative Entkopplung, Bumerangeffekt, aber Jackson ist nicht pessimistisch. Die Herausforderungen einer Dematerialisierung sind turmhoch, aber prinzipiell lösbar, technisch allemal, sagt er.

Die entscheidenden Schwierigkeiten liegen für Jackson in den makroökonomischen Strukturen (2), wie er sagt. Kurz gesagt sieht er drei Ansätze:

1. Die ökologischen Begrenzungen in den Wirtschaftsstrukturen zu verankern, z.B. Caps für Kohlendioxidemissionen und andere kritische Ressourcen.

2. Das ökonomische Modell korrigieren, z.B. durch neue Wohlstandsindikatoren oder die Rolle von Wachstumstreibern wie der Entwicklung der Arbeitsproduktivität zu überdenken.

3. Eine Veränderung der Werte und des Verhaltens (social logic), damit gemeint ist beispielsweise auch ein anderer Umgang mit dem bereits erwähnten Konsumismus.

Jackson geht in seinem Buch noch einen Schritt weiter und nennt praktische Beispiele. Dies alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Autor allenfalls über die Skizze einer neuen Ökonomie verfügt, eine Vision, nicht über ein ausgearbeitetes Konzept.(3) Die Dinge sind kompliziert.

Wir dokumentieren hier in Ausschnitten eine Keynote von Tim Jackson, gehalten am 6. April 2011 in der Heinrich Böll-Stiftung, Berlin. (englischer O-Ton, deutscher Übersetzungstext)

WEITER

Fußnoten:

(1) "Put bluntly, the dilemma of growth has us caught between the desire to maintain economic stability and the need to remain within ecological limits."
Tim Jackson: Prosperity with growth. Page 121

(2) "A resilient economy - capable of resiting, external shocks, maintaining people's livelihoods and living within our ecological means - is the goal we should be aiming for here." Tim Jackson: Prosperity with growth. Page 157

(3) "The starting point for all of this lies in a vision of prosperity as the ability to flourish as human beings - within the ecological limits of a finite planet."
Tim Jackson: Prosperity with growth. Page 189