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Ralf Fücks: Für eine grüne industrielle Revolution

Ralf Fücks ist Mitglied der Grünen seit 1982. Er war Umwelt-
senator und Bürgermeister in Bremen. Seit 1996 ist er Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung.

Die Wachstumsdebatte ist nicht nur vielschichtig, sondern von Zeit zu Zeit auch verwirrend. Ralf Fücks sorgt in einer zentralen Frage für Klarheit: „’Weniger ist mehr’ mag für den Einzelnen der Weg zum Glück sein“, schreibt er. „Aber Nullwachstum in Europa ist nicht die Antwort auf das stürmische Wachstum im Rest der Welt.“(1) Die Frage Wachstum oder Nicht-Wachstum stellt sich vielleicht in Europa, auf der entscheidenden, der globalen Ebene stellt sie sich nicht. Die kommenden Jahre und Jahrzehnte werden einen historisch einmaligen Zuwachs an Gütern und Dienstleistungen bringen. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Ist dieses Wachstum mit sinkendem Naturverbrauch möglich? Damit die ohnehin strapazierten und überstrapazierten Ökosysteme, regional wie global, weiter ihre Dienste verrichten können.

Nach Fücks geht als also darum, die Grenzen des Wachstums zu erweitern. Und er greift dabei auf eine historische Debatte zurück, nämlich auf die düstere Vorhersage des Ökonomen Robert Malthus Ende des 18. Jahrhunderts, der bezweifelte, dass die Agrarproduktion mit der rasch wachsenden Bevölkerung würde Schritt halten können. Die Geschichte hat gezeigt: Malthus’ Sorgen waren im Wesentlichen unberechtigt. Hilfe kam vom Einfallsreichtum der Menschen, vom technisch-organisatorischen Fortschritt. „Die Kombination von Agrochemie und systematischer Pflanzenzucht revolutionierte die Landwirtschaft und vervielfachte die Erträge.“(2)

Für die Lösung des Ressourcenproblems setzt Fücks auf zwei Ansätze: die Steigerung der Ressourceneffizienz und die Substitution endlicher Rohstoffe durch regenerative Energien und nachwachsende Werkstoffe. Sein Schlagwort lautet: Wachstum mit der Natur, statt Wachstum gegen sie. „Europa sollte seinen Ehrgeiz darin setzen, Vorreiter der ökologischen Moderne zu werden.“(3) Ein ambitioniertes Programm und eine offene Wette, von der man nicht sagen kann, ob sie gelingt, so Fücks.

Wir dokumentieren einen Diskussionsbeitrag von Ralf Fücks, auf dem Attac-Kongress "Jenseits des Wachstums?!" am 20.05.2011 in Berlin.

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Fußnoten:
(1) Ralf Fücks. böll Thema. Ausgabe 2/2011, Seite 1
(2) Ralf Fücks. böll Thema. Ausgabe 2/2011, Seite 5
(3) Ralf Fücks. böll Thema. Ausgabe 2/2011, Seite 1