
- Schwerpunkt Wachstum III
Oktober 2011 - Schwerpunkt Wachstum II
September 2011 - Schwerpunkt Wachstum I
August 2011 - Zitate Merkel
Oktober 2007 - Rohstoffmanagement
September 2007 - Deutsche Rohstoffstrategie
April 2007 - Energiepolitik und Macht
November 2006 - New Deal
November 2006 - Moriguchi
Oktober 2006 - Bringezu
Oktober 2006 - Meadows
Juni 2006 - Ressourcenstrategie
für Deutschland
April 2006 - MOSUS
Februar 2006 - Europäische Ressourcenstrategie
Januar 2006 - Umwelt in Europa
Dezember 2005 - 3 Aachener Studien
Oktober 2005 - Ressourcenschutz in Hamburg
Oktober 2005 - Göppel/Pfeiffer
Juli 2005 - Transition Management
Juni 2005 - Resourcenstrategie der EU
Februar 2005 - Materialeffizienzpreis
jährlich - OECD
April 2004 - Meyer et al.
März 2004 - Ressourcenpolitik
Mai 2003 - Jänicke
Mai 2003 - Halls
Mai 2003 - Yamamoto
Mai 2003 - Aloisi de Larderel
Mai 2003 - von Weizsäcker
Mai 2003 - Linksammlung Politik
Elmar Altvater: Wer über Wachstum spricht, darf über Akkumulation nicht schweigen

Elmar Altvater ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der FU Berlin und im wissenschaftlichen Beirat von Attac. An seiner marxistischen Grundüberzeugung hält er fest. In sein Denkgebäude hat er allerdings die Ressourcenfrage, insbesondere die Peakoil - Problematik eingefügt.
In der derzeitigen Wachstumsdebatte gewinnt Altvater Gewicht aus zwei Gründen: weil er ein scharfes historisches Bewusstsein hat und weil er die Bedeutung der globalen Dimensionen, insbesondere die Akkumulations-
dynamik im Finanzsystem analysiert.
Vorformen des Kapitalismus, sprich: Geld-vermittelte Warenproduktion, gab es in Oberitalien bereits zu Zeiten des Mittelalters – allerdings ohne namhaftes Wachstum. Das führt Altvater zu der These: Kapitalismus ist ohne Wachstum möglich. Der entscheidende Wachstumsschub in der Geschichte setzt nach Altvater durch die „Trinitas von Kapitalismus, fossilen Energieträgern und industrieller Zweck-Mittel-Rationalität“ ein. (Siehe Literaturhinweis).
Erst im 19. Jahrhundert schlägt sich die industrielle Revolution dann in einem realen Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens nieder. Und es dauerte noch länger, bis das Thema Wachstum im Denken der Ökonomen angekommen war, erst nach 1920. In der klassischen politischen Ökonomie von Adam Smith und David Ricardo spielte der Wachstumsgedanke noch kaum eine Rolle.
In seiner Beschäftigung mit den Grenzen des Wachstums greift Altvater weit zurück, auf Immanuel Kant und seine Schrift Zum ewigen Frieden (1795)(1). Darin verweist Kant bereits auf die „begrenzte Kugelfläche“ des Planeten und die Notwendigkeit, dass die Menschen durch einen zivilisatorischen Akt zu Ausgleich und Verständigung kommen müssen. Ökonomische Interessen und faire Rahmen-
bedingungen des Handels spielen dabei eine wichtige Rolle. Peakoil könnte nach Altvater dem Kapitalismus einen äußeren Stoß von extremer Heftigkeit versetzen und zu einer Wirtschaftsform ohne Wachstumszwang führen.
Innere Konflikte des Kapitalismus sieht Altvater durch die Entfesselung der Finanzmärkte und Finanzkrisen. Die Geschichte des Wachstums ist für ihn auch stets eine Geschichte der Krisen, der Kriege und des Hungers gewesen. Und ist es bis heute.
Im Folgenden dokumentiert Faktor X einen Diskussionsbeitrag von Elmar Altvater auf dem Attac-Kongress "Jenseits des Wachstums?!" am 20.05.2011 in Berlin.
Fußnote:
(1) Kant spricht von einem "Besuchsrecht, welches allen Menschen zusteht, sich zur Gesellschaft anzubieten vermöge des Rechts des gemeinschaftlichen Besitzes der Oberfläche der Erde, auf der als Kugelfläche sie sich nicht ins Unendliche zerstreuen können, sondern endlich sich doch neben einander dulden müssen." (Immanuel Kant. Zum ewigen Frieden. Kants Werke Bd. XIII, Berlin 1968. Seite 358)




