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Interview Dr. Hinrich Hartung:
Mehr Licht, weniger Leistung

FRAGE: Sie sind in der komfortablen Situation, im Jahr 2005 drei Millionen Euro unter die Hamburger Betriebe bringen zu können. Wie gehen Sie damit um?

HARTUNG: Wir versuchen natürlich, mit diesen drei Millionen Euro möglichst viel Ressourcenschonung zu erreichen und dabei die Firmen richtig zu beraten. Es ist nicht so, dass man mit diesen Fördermitteln die Hände in den Schoß legen und auf Anträge warten kann. Vielmehr müssen wir an die Unternehmen herantreten, wir müssen ihnen aufzeigen, wo sie in ihrem Betrieb Energie sparen können, wie groß die Einsparpotenziale sind und auch, wie man sie erschließen kann.

FRAGE: Kurios, Sie geben Geld, damit die Betriebe ihrerseits Geld einsparen.

HARTUNG: Das Problem liegt einfach darin, dass es in den meisten Hamburger Betrieben – von den sehr großen abgesehen – keine Spezialisten gibt, die Energieeinsparpotenziale erkennen können oder deren Job es ist, Energie zu sparen. Die Techniken sind heute so speziell geworden, dass es schon sinnvoll ist, die Firmen darüber zu informieren, was auf dem Markt vorhanden ist, vor allem, was die Dinge kosten würden, und wie sich eine solche Maßnahme für ein Unternehmen rechnen würde.

FRAGE: Ein Beispiel. Sie haben einen Umschlagbetrieb im Hafen beraten.

HARTUNG: Und zwar die Fruchtunion Hamburg GmbH. Das Thema war Stromsparen bei der Beleuchtung. Es handelt sich um sehr große Lagerhallen, die gut ausgeleuchtet werden müssen. Wir haben dann von einem Ingenieurbüro einen Umrüstungsvorschlag erarbeiten lassen.

FRAGE: Eine der zentralen Kompetenzen der Firma: Sie muss den jeweiligen vom Kunden georderten Reifegrad der Früchte bestimmen, um sie ausliefern zu können, an den Einzelhandel oder Supermarkt.

HARTUNG: Die Kunden sind sehr genau – sogar sehr pingelig. Sie schicken die Ware wieder zurück, wenn der Reifegrad nicht exakt ihren Vorstellungen entspricht.

FRAGE: Was hat das mit der Beleuchtung zu tun?

HARTUNG: In erster Linie ging es ja darum, Energie zu sparen und die Betriebskosten für diese großen Hallen zu senken. Nach der Umrüstung stellte sich heraus: Die Energiekosten sanken erheblich, etwa auf die Hälfte des ursprünglichen Betrags, gleichzeitig ist aber auch die Qualität der Beleuchtung deutlich besser geworden. So dass die Mitarbeiter, die die Früchte je nach Reifegrad sortieren, die verschiedenen Farbnuancen, etwa die Gelb- und Grüntöne von Bananen, besser erkennen können. Dadurch fiel die Rücklaufquote – für die Fruchtunion ein zusätzlicher Gewinn.

FRAGE: Wo würden Sie sagen, liegen die größten Hemmnisse, um den Geschäftsführer eines kleinen oder mittelgroßen Unternehmens zu gewinnen?

HARTUNG: Das Wichtigste ist, die Unternehmensleitung davon zu überzeugen, dass solche Maßnahmen nicht nur dem Ressourcenschutz dienen, was ja unser Hauptziel ist, sondern auch Betriebskosten sparen. Da geht es um technische und wirtschaftliche Fragen. Man muss ja erst mal Geld in die Hand nehmen. Unsere Aufgabe dabei ist es, die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme darzustellen und die Sache interessant zu machen. Und möglicherweise einen Zuschuss zu geben, um die Investition anzuschieben.

FRAGE: Wie läuft die Kommunikation?

HARTUNG: Die Kontaktaufnahme geschieht häufig über unsere Kooperationspartner aus der Hamburger Wirtschaft, z.B. die Innung, die ihre Mitgliedsfirmen über unser Programm informiert. Zusätzlich haben wir ein eigenes Marketingprogramm. Wir führen verschiedene Veranstaltungen durch, wo Betriebe uns kennenlernen können. Inzwischen gibt es auch Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Unternehmen, die gute Erfahrungen gemacht haben. Zu Beginn hatten wir durchaus Probleme, überhaupt auf den Hof zu kommen, weil wir Teil der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt sind, die ja auch für Genehmigungen und Überwachungen zuständig ist.

FRAGE: Was stellen Sie in der Kommunikation nach vorne: Ökonomie oder Ökologie?

HARTUNG: Als Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt haben wir natürlich die Aufgabe, mit Hilfe der Hamburger Betriebe einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Wir sehen uns aber bei der Kontaktaufnahme schnell dazu veranlasst, diese ökologischen Maßnahmen auch wirtschaftlich darzustellen. Weil die Firmen über den Markt unter Druck stehen, und sich die Investitionen einfach rechnen.

FRAGE: Wie lange arbeiten Sie bereits mit diesem Ressourcenschutzprogramm, und wie sind Sie innerhalb der Behörde verankert?

HARTUNG: Wir haben dieses Programm jetzt seit drei Jahren auf dem Markt. Unser Referat ist Teil der Energieabteilung der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Wir kommen ursprünglich aus dem Bereich des Energiesparens in öffentlichen Einrichtungen. Diese Erfahrung möchten wir gerne an die Hamburger Unternehmen weiterreichen.

FRAGE: Ihr Schwerpunkt ist Energie, also nicht Ressourcen im weiteren Sinne.

HARTUNG: In der Praxis ist es so, ja. Aber wir sparen natürlich auch gerne Wasser ein oder andere Ressourcen. Da sind wir gar nicht so festgelegt.

FRAGE: Wie viele Mitarbeiter haben Sie?

HARTUNG: In meinem Referat sind außer mir noch weitere sieben Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin, die z.T. Ingenieure sind und sich inzwischen technisch hervorragend auskennen. Das kommt uns zu Gute. Weil wir beim kostenlosen Erst-Check vor Ort bereits sehr ins Detail gehen können.

FRAGE: Wie viele Betriebe haben Sie beraten? Wie ist Ihre Bilanz?

HARTUNG: Wir haben inzwischen mit 540 Betrieben Kontakte aufgebaut. Und wir freuen uns, dass wir bei 420 Betrieben zu einem Erst-Check zu Gast sein durften. Die Atmosphäre ist dabei sehr offen, das begeistert uns. Mittlerweile sind 200 Maßnahmen umgesetzt worden. Wichtig für Hamburg ist, dass die Betriebe hier etwa 19 Millionen Euro investiert haben, was wiederum dem Hamburger Handwerk zu Gute kommt.

FRAGE: Wie groß ist Ihr Feld, auf dem Sie sich noch bewegen können?

HARTUNG: Wir gehen davon aus, dass wir entsprechende Maßnahmen in 7 000 bis 10 000 weiteren Betrieben initiieren könnten. Vorausgesetzt, wir können Kontakt aufnehmen und das Interesse der Firmen wecken.

FRAGE: Ein langer und in gewisser Weise auch ein mühsamer Prozess der Überzeugungsarbeit.

HARTUNG: Ja, aber ein sehr guter Weg. Sicherlich sind die Unternehmen derzeit nicht begeistert, freiwillig Investitionen zu tätigen. Aber wenn ich mir die Entwicklung auf dem Ressourcenmarkt anschaue, dann ist klar: Energie und Ressourcen werden in Zukunft deutlich teurer werden, wie man ja bereits bei Strom, Gas und Stahl sehen kann. So werden unsere Maßnahmen der Ressourcenschonung noch deutlich attraktiver werden. Alle Maßnahmen, die die Kosten der Produktion senken, sichern den Standort Hamburg, was wir natürlich auch gerne sehen.

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