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Interview Dr. Kratena, WIFO: Sustainability stützen -
Welche politischen Instrumente sind geeignet?
FRAGE: Sie haben in Ihrer Studie verschiedene politische Ansätze und Instrumente zum Einsatz gebracht. Z.B. das Aachen Szenario und eine CO2-Steuer. Worin liegt der Unterschied zwischen beiden?
KRATENA: Das Aachen Szenario besteht darin, dass wir die Ressourcenproduktivität der Wirtschaft erhöhen, und zwar mit geringeren Kosten für die Firmen; gleichzeitig erreichen wir dabei eine Verringerung der Umweltbelastung. Es gibt hier also einen doppelten Benefit: einmal niedrigere Kosten, was wiederum für die Wettbewerbsfähigkeiten der Firmen und das gesamte Bruttoinlandsprodukt positiv ist, zweitens kommt es zu einer Reduktion des gesamten Materialdurchsatzes durch die Ökonomie und damit z.B. auch der CO2-Emissionen.
FRAGE:Im Vergleich dazu: Wie würde die CO2-Steuer volkswirtschaftlich wirken?
KRATENA: Eine reine CO2-Steuer, d.h. wenn man sich nicht überlegt, was man mit den Mehreinnahmen macht, und sie einfach nur so ausschüttet, hätte negative Effekte. Man würde zwar das CO2 enorm reduzieren, hätte zugleich aber negative Effekte auf das Wirtschaftswachstum. Für die Mehreinnahmen durch die CO2-Steuer sollte man also gezielte Maßnahmen ins Auge fassen, um den Firmen zu helfen, ihre Energieproduktivität zu steigern und somit Kosten zu sparen.
FRAGE:Wie haben Sie die CO2-Steuer gerechnet? Welche Kosten genau fallen dabei an?
KRATENA: Wir haben eine CO2-Steuer gerechnet, die ein hohes Nachhaltigkeitsziel erfüllt, wo wir die Emissionen um 15 % reduzieren. Im Vergleich dazu: Das Kioto-Ziel würde für die EU nur eine Reduktion um 8 % bringen. Wir kommen in unserem Szenario zu sehr hohen Steuersätzen von 120 € pro Tonne – jenseits der jetzigen Preise im Emissionshandel.
FRAGE: Auch jenseits des politisch Machbaren?
KRATENA: Ich würde schon sagen, dass das zu wahnsinnig hohen wirtschaftlichen Kosten führt – außer, man verwendet diese Einnahmen in einer anderen Weise, als wir es hier unterstellt haben.
FRAGE: Ein dritter politischer Ansatz in Ihrer Studie: ein hoher Ölpreis.
KRATENA: Der hohe Ölpreis senkt natürlich auch das Energieverbrauchswachstum. Er hat nicht nur negative BIP-Effekte, sondern er dämpft zugleich den Energieverbrauch, und in diesem Maße dämpft er auch die CO2-Emissionen. Das haben wir hier quantifiziert. Das wird oft übersehen. Und für manche Länder kann man sagen, dass ein Drittel bis die Hälfte eines Kioto-Ziels durch den höheren Ölpreis erreicht wird. Dieser Preis ist ja bereits Realität geworden. Unser Basis-Szenario, mit dem wir gerechnet haben, hat einen konstanten Ölpreis von ungefähr 35 $ unterstellt. Dagegen hatten wir im vergangenen Jahr einen Preisschock von 50 %.
FRAGE:Wir leben also bereits im Szenario. Was macht das mit einzelnen Ländern? Sie haben das vorhin ja bereits angedeutet.
KRATENA: Wir bekommen hier relativ hohe Effekte, z.B. für Dänemark, mit mehr als 20 % CO2-Reduktion. Das hängt damit zusammen, wie der Energieverbrauch reduziert wird; wie es aber auch gelingt, von CO2-intensiven Energieträgern weg- und z.B. zu erneuerbaren Energien hinzukommen. Zum Vergleich: In Deutschland ist der Effekt deutlich geringer. Der Markt reagiert nicht so elastisch. Ich würde schätzen, dass im Schnitt die Reduktion in EU-Ländern zwischen 5 % und 10 % liegt. Was wir natürlich auch sehen, wenn wir Großbritannien nehmen, ein Land das selber Öl- und Gasproduzent ist – dort ist die Reaktion weniger stark.
FRAGE: Ein Blick über alle Ansätze hinweg – worin liegen die stärksten Chancen?
KRATENA: Ich persönlich glaube, dass das Aachen Szenario eine wirklich vernünftige Kombination ist, wie man Umweltbelastungen verringern kann, und zwar in einer Art und Weise, wie es der Gesamtwirtschaft keine hohen Kosten auferlegt. Während man das mit einer naiven CO2-Steuer nicht schafft. Meine Schlussfolgerung: Wir brauchen so etwas wie das Aachen Szenario auch im Energie- und CO2-Bereich. Wir müssen uns dort überlegen, wie wir die Kostenbelastung für die Industrie im Zaum halten können und trotzdem Reduktion der Umwelt-Belastungen erreichen.
FRAGE: Das Aachen Szenario noch einmal betrachtet für einzelne Länder, bitte!
KRATENA: Beim Aachen Szenario sehen wir in vielen Ländern sehr hohe Effekte auf das Bruttoinlandsprodukt, Effekte von 10 % und mehr in Deutschland, Frankreich, Finnland. Die Kostenersparnis für die Firmen ist sehr hoch. Dadurch bekommen wir niedrigere Inflationsraten und sehr hohe Effekte auf das BIP. Hervorzuheben wäre z.B. auch Spanien. Dort wird die Wirtschaft sogar so weit stimuliert, dass der Bumerang-Effekt zum Tragen kommt: Also durch das höhere Wachstum steigt auch die Umweltbelastung wieder. Da müsste man sich in Zukunft spezifische Politiken überlegen, die das verhindern.



