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Reduce, Reuse, Recycle
Japan gilt als eines der Länder mit dem fortgeschrittensten Management von Stoffströmen. Dahinter steht ein Programm mit klaren Zielen für das Jahr 2010 und einer ebenso konsequenten wie pragmatischen Struktur auf nationaler wie kommunaler Ebene; Wirtschaft und Verbraucher sind ebenfalls Teil der Initiative. Sie trägt den Titel 3R: Reduce, Reuse, Recycle.
Yuichi Moriguchi ist Direktor des Research Center for Material Cycles and Waste Management und einer der besten Kenner des Programms.
Der Ausgangspunkt
Wie häufig bei umweltpolitischen Initiativen kam der Problemdruck aus dem Abfallbereich. Japan wusste nicht mehr wohin mit jährlich 450 Millionen Tonnen Müll von Haushalten und aus der Industrie. Das dicht besiedelte Land stellte erschreckt fest, dass seine Deponiekapazitäten eng bemessen waren; für Abfälle aus der Industrie reichte die Deponiekapazität nur noch etwas mehr als vier Jahre! Vorne kommt das Material in den Produktions- und Konsumtionsprozess hinein, hinten wieder heraus. Dem Einbahnstraßenprinzip wollte man ein neues Leitbild entgegensetzen: das der Kreislaufgesellschaft. Das japanische Wort dafür lautet Junkan und bedeutet ursprünglich Kreislauf. Dahinter steht die Suche nach einem neuen, Umwelt-konformen Wachstumsmodell
Die Ziele
Der in Japan per Kabinettsbeschluss verabschiedete, umfassende Plan für eine solide Materialkreislauf-Gesellschaft hat drei klar definierte Ziele:Erstens die Entkopplung von Wertschöpfung und Materialverbrauch, genauer: des Verhältnisses von Bruttosozialprodukt (GPD) und Materialeinsatz, allerdings ohne ökologische Rucksäcke (DMI). Vom Basisjahr 2000 bis zum Jahr 2010 will man in Japan eine Steigerung der Ressourcenproduktivität um 40 % erreichen. Yuichi Moriguchi rechnet weiter: Würde die Entwicklung bis zum Jahr 2020 so weitergehen, entspräche dies in 20 Jahren einem Dematerialisierungs-Faktor 2.
Damit ist die japanische Politik noch deutlich anspruchsvoller als die 2002 aufgelegte Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesrepublik Deutschland. Dort ist von einer Verdoppelung der Rohstoffproduktivität im Verlauf der Jahre 1994 bis 2020 die Rede.
Das zweite Ziel betrifft die Recyclingrate der japanischen Wirtschaft. Im Jahr 2000 lag sie bei 10 %, bis 2010 soll sie auf 14 % ansteigen. Drittens die Menge an deponiertem Restmüll. Sie soll im angegebenen Zeitraum halbiert werden.
Die Legislative
Das zentrale Gesetz zur Förderung der Recycling-orientierten Gesellschaft stammt aus dem Jahr 2000, im Januar des Folgejahres trat es in Kraft. Es soll helfen, den Verbrauch natürlicher Ressourcen zu senken und die Auswirkungen auf die Umwelt allgemein zu senken. Es folgten eine ganze Reihe weiterer Gesetze: das Abfall-Managementgesetz, das Gesetz für den effektiven Gebrauch von Ressourcen, Nahrungsmittel-Recycling-Gesetz und ein Gesetz, das den Verbleib von Schrottautos regelt. In diesen Vorschriften sind Aufgaben und Pflichten aller Beteiligten – Kommunen, Wirtschaft und Verbraucher – detailliert geregelt. Erklärtes Ziel ist ein verlangsamter Lebensstil, der durch den Gebrauch qualitativ hochwertiger und langlebiger Produkte gekennzeichnet ist.



