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Dematerialisierung in der CDU/CSU
Ein schmales, unauffälliges Büchlein, das es in sich hat. Zwei Bundestagsabgeordnete der Union, Josef Göppel, von Beruf Förster, und Joachim Pfeiffer, ein Wirtschaftsfachmann, kommen durch ihre Analyse zu weitreichenden Forderungen. Ihr zentraler Punkt: Der ordnungspolitische Rahmen der Marktwirtschaft solle dahin verändert werden, dass mehr Wertschöpfung mit weniger Material und Energie möglich wird. „Konjunktur durch Natur“ – im Titel steckt einer der Grundgedanken: Dass nämlich die Organisationsmuster der Natur überraschende Orientierungshilfen für die Wirtschaft enthalten. Der Wachstumsverlauf in natürlichen Systemen z.B. stellt sicher, dass die Lebensgemeinschaft insgesamt erhalten bleibt; Individuen kommen und gehen. Das Mengenwachstum wird dabei durch Faktoren wie Nährstoffangebot oder Konkurrenzdruck begrenzt. Mengenwachstum ist darüber hinaus nur eine Verlaufsform des Wettbewerbs in der Natur; in einer anderen Strategie, der Nischenbildung, differenzieren die „Marktteilnehmer“ sich räumlich oder funktional derart aus, dass alle miteinander leben können. Beispielsweise verschiedene Vogelpopulationen an einem See.
„Wege zu mehr Beschäftigung mit marktwirtschaftlicher Umweltvorsorge“ – der Untertitel verdeutlicht noch mal, dass die Autoren immer zwei Ziele im Auge haben: ökologische und beschäftigungswirksame Maßnahmen. Politisch zielen sie dabei vor allem auf den Mittelstand, auf alle diejenigen, die die Wertschöpfung im Land vorantreiben. Beispiel: Durch ein Programm zur energetischen Sanierung des Altbaubestands könnte ein Mehrfach-Effekt erreicht werden: weniger CO2-Ausstoß und Jobs – eine Investition, die sich rechnet.
Den Autoren ist durchaus bewusst, dass sie mit ihren Forderungen, den ordnungspolitischen Rahmen der Marktwirtschaft neu zu definieren, derzeit noch nicht mehrheitsfähig sind, und dass entsprechende Maßnahmen auf europäischer Ebene angesiedelt sind; die politischen Hürden sind erheblich. Die entscheidende Kraft kommt dabei, so sieht es Göppel, aus dem Markt selber: Die Nachfrage der erfolgreichen Schwellenländer China, Indien und Brasilien nach Rohstoffen und Energie wird die Preise in den kommenden Jahren weiter nach oben katapultieren.
In der Folge erwarten die Autoren noch in diesem Jahrzehnt einen deutlichen politischen Schub für ihr Maßnahmenbündel: An erster Stelle eine „marktkonforme Energiesteuer“, die, anders als die Ökosteuer, nicht am Ende der Wertschöpfungskette, sondern am Anfang zur Wirkung gelangt, z.B, beim Import von Rohöl. Weitere Vorschläge: eine streckenabhängige Nutzungsgebühr für alle Fahrzeuge und vermehrter Einsatz erneuerbarer Energien.
Mehr im Interview mit Josef Göppel.



