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ULTra: Privat wie ein Auto, sicher wie die Bahn

ULTra (Urban Light Transport) ist ein völlig neues System für den Nahverkehr. Eine Kabinenbahn auf Stelzen. ULTra funktioniert wie ein fahrerloses Taxi, nämlich auf Abruf. ULTra läuft auf einer Schiene, wie eine Schwebebahn, aber es ist viel kleiner, etwa so groß wie ein Auto. Es bietet maximal vier Passagieren Platz. Man reist, mit wem man will, im Zweifelsfall alleine. Und zwar nonstop von A nach B. ULTra ist der Versuch, zwei Prinzipien zusammen zu führen: ein Öffentlicher Personen Nahverkehr (ÖPNV), aber individuell.

ULTra ist komfortabel und zugleich energie- und ressourcen-extensiv. Unterm Strich kommt das System einer Dematerialisierung um den Faktor 10 nah. Für 2005 ist im walisischen Cardiff die erste öffentliche ULTra-Strecke geplant. „Ein erfolgreicher Betrieb würde eine eigene neue Industrie begründen“, sagt Martin Lowson von der Advanced Transport Systems LTD.

Das Projekt

Der Prototyp der Kabinenbahn ist etwa so groß wie ein Auto, mit zwei weit ausschwingenden Flügeltüren, innen zwei festen Sitzen und zwei weiteren zum Herausklappen. So finden auch Kinderwagen und Rollstühle Platz. Angetrieben wird das Fahrzeug durch Elektromotoren, die ihre Energie aus Batterien beziehen, es rollt auf vier Gummirädern – alles konventionelle Technik. Eine Kabine ist relativ leicht, im leeren Zustand 400 Kilogramm, etwa halb so schwer wie ein Auto; die Höchstgeschwindigkeit beträgt 40 Stundenkilometer. Aber: Weil ein ULTra nonstop fährt, weil er nicht im Stau stecken bleibt, und weil die Wartezeit sehr kurz ist – in 90 Prozent der Fälle unter einer Minute – ist er unterm Strich deutlich schneller als ein Auto.

Das Herzstück des ULTra ist seine Steuerung. Sie erst macht das Gefährt zum öffentlichen, aber gleichzeitig individuellen Verkehrsmittel. Sie sorgt für Beförderung auf Abruf. Sie errechnet den optimalen Weg zum Ziel – an den dazwischen liegenden Haltestellen vorbei. Sie beordert während der Rushhour die Fahrzeuge dort hin, wo sie benötigt werden, Stoßstange an Stoßstange. Und: Sie garantiert einen sicheren Betrieb, 24 Stunden, rund um die Uhr. So zeigen es zumindest die Computersimulationen.

ULTra ist ein Projekt der Universität Bristol und der Advanced Transport Systems LTD. Ein Pilotprojekt läuft derzeit in Cardiff. Dort, in der Walisischen Hauptstadt, soll 2005 das erste ULTra Transportsystem seinen regulären Betrieb aufnehmen. Immerhin, den Sicherheitscheck beim Rail Inspector (Englischer Sicherheitsbeauftragter im Bahnwesen) hat die Technik bereits bestanden.

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Der Anspruch

ULTra ist kein Verkehrsystem unter vielen. Das System will verkehrsbedingten Emissionen, auch den Lärm auf ein Zehntel drücken – gemessen an Auto, Bahn und Bus. Auch der Energie- und Ressourcenverbrauch soll um den Faktor 10 sinken. ULTra will das zentrale Problem des Autoverkehrs lösen: Der Individualverkehr erstickt an seinem eigenen Erfolg – durch Staus und Parkplatznot. ULTra will das Auto zum Teil ersetzen. Auch dadurch, dass es einfach schneller ist.

Die ULTra-Ingenieure haben eine Vision. So, wie in der Geschichte der Mobilität ein System das andere abgelöst hat – von der Kutsche über die Eisenbahn zum Auto –, so hoffen sie mit ihrer Konzeption des Public Transport on Demand das Fenster für ein zukünftiges Verkehrssystem auf gestoßen zu haben: nicht kollektiv wie Bus oder Bahn, sondern individuell wie ein Auto, aber in öffentlicher Hand.

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Die Performance

Ein Auto wird zwei, drei oder vier Mal am Tag bewegt. Ein ULTra dagegen 40 Mal. Hinzu kommt: Das Fahrzeug ist leichter, geringer motorisiert – und trotzdem schneller! Das senkt die Kosten. Das Gleiche gilt auch für den Verkehrsträger, die Monoschiene; sie bedarf deutlich weniger Ressourcen als eine herkömmliche Straße. Unterm Strich entspricht das etwa dem Faktor 10. Das Ergebnis: ein nachhaltiges Verkehrssystem.

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