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The Air Car, das Druckluftauto

Immer wieder zeigen Außenseiter unter den Fahrzeugherstellern innovative und umweltfreundliche Lösungen. Das Druckluftauto des französischen Erfinders Guy Négre steht kurz vor der Serienreife. Sein Motor folgt einem neuen Prinzip. Dadurch kann er sowohl komprimierte Luft wie herkömmliche Treibstoffe nutzen. Außerdem kann man das Auto an die Steckdose hängen, um Druckluft zu erzeugen. Das AirCar fährt damit in der Stadt emissionsfrei und ist zugleich hoch effizient.

Fahren tut es schon länger, zu kaufen ist es erst im Laufe des kommenden Jahres: das Auto, das mit Druckluft fährt. In und um Nizza sieht man die futuristisch anmutenden Vehikel bereits seit geraumer Zeit – als Prototypen. In Südfrankreich befindet sich der zentrale Produktionsstandort von MDI (Moteur Developpment International). Die Firma geht auf die Initiative von Guy Négre zurück. In den 80er Jahren nahm der Autofan noch selber an Rennen der Formel 1 teil.

Dann hatte er eine Idee: ein Auto, das sowohl mit komprimierter Luft angetrieben wird, wie auch mit Benzin. Mit einem Motor, der beides kann. Im Sommer 2008 soll es endlich soweit sein. Dann geht das erste Produkt von MDI in Serienproduktion, ein kleiner, leichter Wagen für maximal vier Personen. Ein Stadtauto, das mit einer Druckluftfüllung einen Aktionsradius von rund 100 Kilometer hat. Geht es hinaus aufs Land, legt der Fahrer einen Hebel um und das Auto fährt wie ein regulärer Benziner weiter. Dann beträgt die Reichweite: 800 Kilometer. Da das Auto nicht so stark motorisiert ist, verbraucht es nur 1,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Der Motor folgt dabei einem gänzlich neuen Prinzip: keine regelmäßigen Explosionen wie bei herkömmlichen Triebwerken, der Druck wird vielmehr durch einen kontinuierlichen Prozess erzeugt, eher wie bei einer Dampfmaschine. OneCat, so der Name des Wägelchens, soll 3500 Euro kosten, je nach Ausstattung auch mehr.

Gedacht ist OneCat insbesondere für die Metropolen der sich entwickelnden Länder – zur Verbesserung der Luftqualität. Fährt es mit komprimierter Luft, ist der Betrieb tatsächlich emissionsfrei. MDI hat eine Reihe Kooperationen geschlossen, unter anderen mit Tata Motors, dem größten indischen Autoproduzenten. Für die kommenden Jahre, beginnend mit 2009, sind weitere MDI-Modelle geplant, größer, schneller, auch teurer.

Der Motor von Guy Négre kann aber noch ein bisschen mehr. Er läuft nicht nur mit Benzin oder mit agrotechnisch gewonnenen Treibstoffen, nicht nur mit Pressluft, mit ihm kann man sogar Pressluft erzeugen. Ist der Drucktank leer, hängt man das Auto an die Steckdose, dann wird der Motor zum Kompressor, und innerhalb von etwa vier Stunden steht wieder ausreichend Druckluft zur Verfügung. Komprimierte Luft ist ja kein Energieträger, wie z.B. Benzin, sondern „nur“ ein Speichermedium. Die Energie muss also irgendwo erzeugt werden. Übrigens, die Tanks, die MDI verwendet, sind für einen Betriebsdruck von 300 bar ausgelegt und nach Angaben der Firma sicher.

Der Hersteller gibt an, dass ein Kompressorvorgang 22 Kilowattstunden benötigt. Bei einem Preis von 20 Cent pro Kilowattstunde kämen dabei 4,40 Euro zusammen. Bei einer Reichweite von 200 bis 300 Kilometern – dafür sind die größeren Modelle ausgelegt – ergäbe sich somit ein Preis von rund zwei Euro pro 100 Kilometer.

Sollte sich das Konzept von Guy Négre als alltagstauglich erweisen, sollte es auf den Märkten von Indien, China, aber auch in industrialisierten Ländern Erfolg haben, dann hätte ein Außenseiter den großen Autoherstellern gezeigt, wie man ein umweltschonendes Fahrzeug baut und vermarktet. Der Vorteil gegenüber dem Elektroauto, das auch emissionsfrei fährt: Das Druckluftauto benötigt keine schweren Batteriestapel. Es verfügt sogar über die größere Reichweite, weil es in die bestehende Infrastruktur von Strom- und Tankstellennetz eingepasst ist. Genau hier liegt auch ein Problem des Brennstoffzellenfahrzeugs: Es ist auf eine neue Infrastruktur, nämlich Tankstellen für Wasserstoff, angewiesen. Außerdem, das weisen die technischen Werte des Druckluftautos aus, ist es ausgesprochen sparsam und ressourcenschonend, sprich: effizient.

Externe Links

MDI Entreprises