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Matsushita - der Klassenprimus
Mit rund 290 000 Beschäftigten und einem Umsatz von 58 Milliarden Euro ist die Matsushita Electric Group einer der weltgrößte Hersteller von Unterhaltungselektronik. Bekannt ist das Unternehmen unter seinen Markennamen: Panasonic, Technics und JVC. „Faktor X“ gehört zu den zentralen Visionen des Konzerns. Dabei ist die Dematerialisierung nur ein Baustein unter mehreren; insgesamt ein ausgesprochen ambitioniertes, fast perfektes Nachhaltigkeitskonzept.
Vision
Zwei Grundgedanken liegen der Philosophie von Matsushita zu Grunde: eine omnipresente Netzwerk-Gesellschaft, also beständigen, unterstützenden Zugang zum Internet, und die Existenz des Menschen innerhalb der globalen ökologischen Systemgrenzen.
„Das lineare Modell der Massenproduktion und des Massenkonsums des 20. Jahrhunderts“, sagt Kunio Nakamura, Präsident der Matsushita Group, „hat zu dem Problem geführt, dass elektronische Geräte am Ende ihres Lebens zu unerwünschtem Abfall werden.“ Mittlerweile werden Fernsehgeräte, Kühlschränke, Klimaanlagen und Waschmaschinen in ersten Matsushita Versuchscentern in Japan demontiert und recycelt. Das Konzept heißt: from products to products.
Im Jahr 2003 wurde aus sämtlichen Lötverbindungen in Produkten der Marken Panasonic und National Blei eliminiert; ein mittelfristiges Ziel ist es, auf sämtliche toxischen Bestandteile der Geräte zu verzichten.
New Prosperity, neuer Wohlstand, ist eines der erklärten Ziele von Matsushita.
Darin findet sich die klassische Win-Win-Strategie Wuppertaler Prägung: mit positiven Effekten für Kunden wie auch für die Natur. Darüber hinaus – das zeigt den hohen Anspruch – will Matsushita mit dem Modell des neuen Wohlstands in die Gesellschaft hineinwirken: der so genannte Ripple Effekt.
Diese Visionen sind z.T. sehr detailliert ausgearbeitet. Im grundlegenden Sustainability Report von 2001 finden sich z.B. Skizzen von Energie-Sparsystemen für Einzelhäuser mit allen technischen Details. Dazu Entwürfe zu ökologischen Städten mit Null-Energie-Häusern, Biomasse-Kraftwerken, nachhaltiger Forstwirtschaft und Ansätzen eines ökologischen Verkehrssystems.
Faktor X
Der Win-Win-Effekt bei Matsushita resultiert einerseits aus der Verbesserung der Produkte, andererseits aus der Minimierung der Auswirkungen auf die Umwelt. Treibhausgase sollen reduziert werden, und zwar über das gesamte „Leben“ des Produkts gerechnet; generell geht es um die Reduzierung von Ressourceneinsatz und schließlich die Vermeidung gefährlicher Substanzen, Beispiel Blei im Lötzinn.
Drei Aspekte sind mit dem „Faktor X“ gemeint: globale Erwärmung, Ressourcen und gefährliche Chemikalien. Offensichtlich hat der Konzern die Veröffentlichungen von Ernst Ulrich von Weizsäcker und Amory Lovins wie auch von Friedrich Schmidt-Bleek genau studiert. Die Parallelen gehen bis in Formulierung (Faktor 4, Faktor 10) hinein. Hinterlegt ist eine globale Sichtweise mit einem Zeithorizont bis 2050.
In einer Modellrechnung zeigt Matsushita, wie in einem Haushalt Energie und Rohstoffe gespart werden können – obwohl im angegebenen Zeitraum die Zahl der genutzten Geräte, Handys, Klimaanlagen etc. steigt. Der ökologische Rucksack (wörtlich!) eines Fernsehers aus dem Jahr 1993, verglichen mit einem Gerät aus dem Jahr 2003, sank von 585 auf 205 Tonnen, immerhin 65%.
Das Ziel
Der Sustainability Report 2003 führt eine ganze Reihe Aktivitäten und „Highlights“ auf. Z.B. das Matsushita Eco Technology Center (METEC). Dort wird einem staunenden Publikum demonstriert, wie viel Aluminium beim Recycling einer einzigen Klimaanlage anfällt: genüg für 190 Bierdosen.
Ausgehend vom Basisjahr 2000 definiert der Konzern für das Jahr 2010 durchaus anspruchsvolle Ziele: z.B. für Green Products die Reduzierung von Treibhausgasen um 50%, ebenfalls über die gesamte Lebensdauer gerechnet und eine Ressourcen-Minimierung um 70%. Die ausgewiesenen Zwischenergebnisse auf diesem Weg sind durchaus ermutigend. Hinzu kommen Aktivitäten in Produktionsanlagen in Richtung auf Null-Emissionen, außerdem Öffentlichkeitsarbeit, Kooperationen mit NGOs etc.
Die Sustainability-Berichte zeigen, dass der Konzern erhebliche Anstrengungen unternimmt, um eine solide Datenbasis für Materialflüsse auf allen Ebenen – Produktion, Konsum, Recycling und Reuse – zu erhalten.



