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Hewlett Packard: Aus Alt mach Neu
Remarketing und Altproduktverwertung

Hewlett-Packard (HP) handelt nicht nur mit neuen Computern, sondern auch mit gebrauchten. Remarketing ist ein erfolgreicher Geschäftsbereich des Konzerns, mit Wachstumsraten deutlich im zweistelligen Bereich. Dazu tragen sicher auch die Wirtschaftskrise und die Investitionszurückhaltung der Industrie bei. Gebrauchte Geräte sind oft genau so gut wie neue – nur günstiger. Das Vorurteil vom „gebrauchten Gaul“ befindet sich in Auflösung. „Wir können gar nicht so viel beschaffen, wie wir verkaufen können“, sagt Herbert Reiss, Vice President & General Manager von HP’s weltweitem Equipment Management & Remarketing.

Hewlett-Packard arbeitet zwar auch selbst Geräte auf, die Kernkompetenz des Remarketings liegt aber im Management der gesamten Nutzungskaskade. Es gilt, die richtigen Partner zu finden und zu vernetzen: Unternehmen, die gebrauchte IT-Produkte kaufen und demontieren, die mit kompletten Geräten oder Teilen handeln, sowie anderen Firmen die Wert- oder Gefahrenstoffe aus dem Elektronikschrott ziehen und sie entsorgen.

Feste Recyclingquoten, die die EU während der kommenden Jahre schrittweite einfordert, werden das Geschäft erheblich stimulieren. Neue Techniken, neue Stoffkreisläufe, neue Businessmodelle entstehen.

Remarketing

In Herrenberg bei Stuttgart liegt die Europazentrale des Remarketing Geschäftsbereichs von Hewlett-Packard. Ein permanentes Kommen und Gehen von LKW im großen Empfangsbereich. Palettenweise werden gebrauchte Computer, Drucker, Scanner angeliefert, sie durchlaufen einen definierten HP-Test und werden klassifiziert: „Wie neu“ ist die oberste Qualitätsstufe. Genau so sind die Geräte dann auch, wenn sie Herrenberg wieder verlassen: 100 Prozent neuwertig. Teilweise mit aktueller Software versehen, neuer Garantieerklärung, aber rund 15 Prozent günstiger als Geräte, die direkt aus der Produktion kommen. Im HP Direktvertrieb sind sie dann oft das Ass im Ärmel des Verkäufers.

Ein Wiederaufarbeitungsstufe tiefer beträgt der Preisnachlass rund 50 Prozent. Ein PC kann innerhalb eines Jahres durchaus drei Leben führen: zuerst als Vorführgerät, nach sechs Monaten kommt er dann zur Aufarbeitung zurück, geht „wie neu“ an einen weiteren Kunden, kommt erneut und wird für die Hälfte weiterverkauft.
Für jedes IT-Produkt gibt es ein „Window of Opportunity“, einen optimalen Zeitpunkt des Wiederverkaufs. Der Markt ist sehr schnelllebig, wie „Fischfang am Äquator ohne Kühlschrank“, sagt Herbert Reiss von HP. „Was morgens gefangen wurde, muss abends verkauft sein, sonst ist es alt.“

Fast alle gebrauchten Geräte kommen übrigens von professionellen Kunden: Firmen, Organisationen und Behörden. Aus dem privaten Bereich gibt es bislang kaum Rücklauf, meist landen die alten Geräte beim Sohn oder der Tochter, beim Nachbarn oder auf dem Dachboden

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Mitspieler

HP sammelt weltweit gebrauchte Geräte qualifiziert entsprechende Partner, baut Netzwerke und managed so die gesamte Nutzungskaskade.Auch hier wird das Geschäft immer schneller, das Internet ist zu einem funktionierenden Marktplatz geworden: Das Gesetz von Angebot und Nachfrage regiert, wie auf der Börse. Spezielle Händler, die gebrauchte Geräte kaufen und wieder verkaufen, agieren international.

Im oberen Preissegment regieren Unix-Computer und Mehr-Platz-Systeme, die wieder auf den Markt kommen. Darunter einfache PCs für den Hausgebrauch. „So lange ein Gerät funktioniert, gibt es auch einen Markt dafür“, sagt Reiss. Osteuropa ist ein wichtiger Abnehmer, aber mittlerweile sind Ansprüche dort ebenso hoch wie in Westeuropa.

Die meisten Altgeräte fasst HP aber gar nicht selbst an. Ein Broker kauft eine Charge Computer. Dann kommt erst mal das „Cherry Picking“, die technisch hochwertigen Apparate werden aussortiert. Meist per Hand: Funktionstest, Festplatte putzen, vielleicht wird neue Software aufgespielt – länger als eine Stunde darf das Ganze nicht dauern.

Um Geräte, die nicht mehr funktionieren, kümmert sich ein Schwesterbereich von HP Remarketing: die europäische Take-Back Operation. CD-Rom-Laufwerke, Prozessoren, Speicherchips werden zerlegt – die Leute von HP wundern sich manchmal selbst, was man alles verkaufen kann. Die Teile tauchen dann z.B. in No-Name-Computern wieder auf. Oder in Kinderspielzeug.

Die letzte Stufe der Nutzungskaskade ist die Verwertung. Gefahrstoffe müssen aussortiert werden; im Scanner sind das beispielsweise Quecksilberhaltige Lampen. Die Leiterplatten müssen herausgezogen werden – das geht ganz schnell. Hochspezialisierte Unternehmen, Scheideanstalten, haben es vor allem auf die Edelmetalle darin abgesehen. Billige Tintenstrahldrucker landen komplett im Schredder. Da ist nicht viel Elektronik drin und kann somit im Ganzen entsorgt werden.

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Zukunft

Bislang läuft die Demontage weitgehend manuell, nur für Spezialanwendungen, z.B. für Bildschirme, existiert ein halbautomatisiertes Verfahren. So viel ist sicher: In Zukunft wird es nicht weniger, sondern mehr alte Geräte und Elektronikschrott geben. Manuelle Arbeit stößt an ihre Grenzen. Vor allem bei Kunststoff gibt es interessante Entwicklungen, z.B. automatische Sortieranlagen für Granulate. In diese Richtung wird es weiter gehen.

Die EU fordert demnächst ein 75 prozentiges Produktrecycling, davon allein 65 Prozent Materialrecycling. Für Ulrich Hakenjos, Manager der Take-Back Operation, durchaus ein „treibender Faktor“. Beim Kunststoff heißt die Zukunft nicht verbrennen oder downcyceln, sprich: Parkbänke und Blumentöpfe kreieren, sondern Materialkreisläufe schließen. Um aus dem Material wieder neue Computer- oder Fernsehchassis zu gießen.

Gegenwärtig stellt sich die „Henne-Ei-Problematik“ (Hakenjos): Weil es noch keine zuverlässigen, keine zusammen geführten Flüsse von Kunststoffgranulat gibt, gibt es noch keine Verwerter. Kein Angebot, keine Nachfrage – und umgekehrt. Diesen Prozess muss man irgendwie in Gang bringen. Eine Möglichkeit heißt: die Industrien einfach mal an einen Tisch bringen

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