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Appeal: Attract and Kill

Appeal bedient sich einer intelligenten Strategie zur Bekämpfung von Schadinsekten. Es vereint die Stärken biologischer und chemischer Methoden. Beeindruckend: ein Großkonzern bringt eine Systemlösung auf den Markt, die den Absatz eines Insektizid-Wirkstoffes reduziert.

Bayer bedient sich der Mithilfe der Natur. Anstelle der Tötung aller Schadinsekten wird der natürliche Generationszyklus unterbrochen. Keine männlichen Apfelwickler, keine befruchteten Weibchen, keine Eier, keine Apfelwicklerlarven im Apfel.

Appeal zeigt, dass durch Umdenken und das bewusste Verlassen üblicher Systemgrenzen die großen Schritte in der Verbesserung der Ressourceneffizienz erreicht werden können. Appeal leitet einen Paradigmenwechsel beim Schutz von Kulturpflanzen in der Landwirtschaft ein.

Für dieses Insektizid erhielt die Bayer AG den R.I.O. Innovationspreis 2002 der Aachener Stiftung Kathy Beys.

Klassisches Insektizid-Denken

Insekten schädigen die Kulturpflanzen auf der ganzen Welt. Die Fraßtätigkeit der "Schädlinge" führt häufig zu umfangreichen Ernteausfällen. Dies zu verhindern, ist Aufgabe des Pflanzenschutzes. Besonders populär, weil einfach und vergleichsweise effektiv und wirksam ist dabei der chemische Pflanzenschutz. Die zu schützende Pflanze wird mit einem Insektengift besprüht und bleibt dadurch von Fraßschäden verschont.

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Umdenken

Doch Insektengifte schädigen die Umwelt. In früherer Zeit in erheblicherem Maße als heute: Die katastrophalen Wirkungen des mittlerweile verbotenen DDT sind noch in der Erinnerung. Aber selbst bei aktuellen Insektiziden kommt es zu unerwünschten Nebeneffekten. Die Chemie spricht von der "ungewollten Erfassung von Nichtzielorganismen". Oder auf gut deutsch: Auch "unschuldige" oder gar nützliche Insekten werden bei der Anwendung des Giftes getötet.

Der neue Weg

Die Systemlösung Appeal zur Bekämpfung des Apfelwicklers im Obstanbau vermeidet diese unerwünschten Nebeneffekte weitgehend. Obwohl Appeal auch ein hoch wirksames Insektengift enthält. Appeal verändert dazu die gewohnte Anwendung von Insektiziden. Der Spieß wird einfach rumgedreht. Anstatt große Mengen des Giftes in die Obstbäume zu spritzen, werden die Apfelwickler zum Giftstoff gelockt. Attract and Kill heißt diese Strategie. Das Insektizid ist in einem kleinen Gelpunkt enthalten, der am Baum angebracht wird. Die Apfelwickler werden durch einen Duftstoff im Gelpunkt angelockt und nach dem Kontakt mit dem im Gel enthaltenen Gift abgetötet.

Appeal muss aber nicht alle Apfelwickler anlocken und töten. Nur die männlichen Insekten werden durch einen Sexuallockstoff zum Gift gelockt. Konsequenz: Die weiblichen Apfelwickler können - mangels Partner - nicht befruchtet werden und legen keine Eier. Und wo es keine Apfelwicklereier gibt, gibt es auch keine Larven, die sich fresslustig in den Apfel bohren.

Appeal sorgt aber nicht nur für einen Apfelwickler-freien Apfel. Es vermeidet auch andere Nachteile der konventionellen Spritzung von Insektengiften. Es gibt keinen giftigen Spritznebel, der durch den Wind abgedriftet werden kann. Und der Apfel kommt durch die gezielte Ausbringung des Appeal-Geltropfens nicht mit Insektengift in Berührung.

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Funktion

Insekten haben besondere Organe zur Geruchswahrnehmung. Sie dienen zur Wahrnehmung von Signalstoffen, den Pheromonen, die auch als Sexuallockstoffe bezeichnet werden. Diese Stoffe "riechen" bei jeder Insektenart anders: Schließlich sollen sich weibliche und männliche Insekten derselben Art durch den Geruch finden können.

Diese hohe Selektivität mach sich die "attract and kill" - Strategie zu nutze: Der Appeal- Geltropfen riecht für ein Apfelwicklermännchen wie ein paarungsbereites Apfelwicklerweibchen. Und der fliegt im wahrsten Sinne des Wortes drauf.

Gleichzeitig hat diese Trennschärfe des Pheromons aber auch einen Nachteil: Wenn es andere Schadinsekten gibt, werden diese durch den Lockstoff des Apfelwicklers nicht angelockt und getötet. Sie können sich dann weiter verbreiten und machen möglicherweise konventionell angewendeten Pflanzenschutz notwendig. An einer Lösung müssen die Appeal-Erfinder noch forschen.

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Einsparpotential

Bei einer einmaligen Anwendung werden sowohl bei Appeal als auch bei der konventionellen Spritzung vergleichbare Wirkstoffmengen verwendet. Durch die längere Wirksamkeit von Appeal gegenüber einer stark verdünnten Spritzmischung genügen 2 Anwendungen pro Jahr, während konventionell 5 Spritzungen erforderlich sind.

Trotzdem liegt die Einsparung bei Appeal nicht primär beim Insektizid:
Bei konventioneller Spritztechnik werden ca. 1.500 Liter Spritzmischung pro Hektar Obstplantage ausgebracht. Für die ganze Plantage kommen da schnell viele Tonnen zusammen. Im Wesentlichen ist es aber Wasser, was da mit Traktor und Spritzwagen transportiert wird. Appeal wird als Gel ohne Wasserzusatz verwendet. Einige Gelspender sind ausreichend. Und die müssen auch nicht mit dem Traktor zum Obstbaum geschaffen werden, sie passen bequem in einen Korb. Da die Verteilung von Hand geschieht, ermöglicht Appeal dem Landwirt den Verzicht auf eine eigene Spritzmaschine.

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